Politik
Die Skyline von Doha, der Hauptstadt Katars.
Die Skyline von Doha, der Hauptstadt Katars.(Foto: imago/imagebroker)
Montag, 05. Juni 2017

Ökonomische Folgen ungewiss: Washington steht weiter zu Katar

Die gemeinsame Aktion mehrerer Golfstaaten gegen Katar bringt die USA in eine Zwickmühle: Das Land hat in dem Emirat seine größte Militärbasis. Kein Wunder, dass Washington nun explizit die militärische Zusammenarbeit mit Katar lobt.

Die US-Regierung hat dem von seinen arabischen Nachbarn isolierten Katar demonstrativ den Rücken gestärkt. Die USA und die von ihr geführte Koalition gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat seien dankbar für das Engagement Katars für die regionale Sicherheit und die andauernde Unterstützung für die Truppenpräsenz der Anti-IS-Koalition, sagte ein Sprecher des US-Zentralkommandos der Nachrichtenagentur Reuters.

Bereits zuvor hieß es aus dem US-Zentralkommando, dass die diplomatische Krise keine Auswirkungen auf die Einsätze des US-Militärs im Nahen Osten hätte. "Wir führen weiterhin Missionen zur Unterstützung der Operationen in der gesamten Region aus", erklärte ein Sprecher in Tampa. Das gelte sowohl für den Kampf gegen den IS als auch die Trainingsmission in Afghanistan. "Jede Art von Kursänderung wäre verfrüht und würde zu diesem Zeitpunkt nur Spekulation bedeuten."

Das Weiße Haus teilte mit, US-Präsident Donald Trump werde sich bemühen, die Lage zu deeskalieren. US-Außenminister Rex Tillerson betonte, der Streit zwischen den Golf-Alliierten werde den Anti-Terror-Kampf nicht beeinträchtigen. Er rief bei einem Besuch in Sydney die Verbündeten auf, ihre Differenzen beizulegen. Katar ist ein wichtiger arabischer Verbündeter der USA. In Katar unterhalten die USA ihre größte Militärbasis in der Region. Dort sind etwa 10.000 Soldaten stationiert. Sowohl die Türkei, Russland als auch Iran riefen die Staaten auf, den Konflikt beizulegen.

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Wegen des Vorwurfs der Terrorismusunterstützung hatten mehrere einflussreiche Staaten der Nahost-Region den Golfstaat Katar in einer konzertierten Aktion isoliert. Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain gaben bekannt, ihre diplomatischen Verbindungen zu Katar abzubrechen. Bürger aus dem Land hätten nun zwei Wochen Zeit, die drei anderen Golfstaaten zu verlassen. Auch der Jemen und die Rebellen im Osten Libyens brachen die Beziehungen zu Katar ab.

Verkehrsverbindungen eingestellt

Katar wies die Anschuldigungen als Lügen zurück und sprach von einer Kampagne zur Schwächung des Landes. Der saudi-arabische Erzrivale Iran sieht sich als eigentliches Ziel des Vorstoßes und die USA als Strippenzieher.

Saudi-Arabien schloss Katar aus der Militärkoalition aus, die in Jemen gegen schiitische Rebellen kämpft. Die Huthi-Rebellen werden vom Iran unterstützt. Saudi-Arabien schloss auch das lokale Büro des Nachrichtensenders Al-Jazeera und entzog dem Sender aus Katar die Lizenz. Al-Jazeera habe Terrororganisationen unterstützt und versucht, die nationale Souveränität Saudi-Arabiens zu stören, meldete die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA mit Verweis auf das saudische Ministerium für Kultur und Information.

Zudem kündigten die Golfstaaten an, alle Verkehrsverbindungen nach Katar einzustellen - und den Luftraum für Flugzeuge des Landes zu schließen. Als Reaktion auf die diplomatische Krise stellten mehrere Fluglinien aus Golfstaaten ihre Flüge nach Katar ein. Dazu gehörten unter anderem Etihad Airways, Emirates, Flydubai und Gulf Air.

Katar drohen dadurch unmittelbar ökonomische Konsequenzen, da über das Luftdrehkreuz Doha auch europäische Passagiere nach Asien fliegen. Es wird mit erheblichen Störungen im Flugplan gerechnet, vor allem bei Qatar Airways. Am Hamad-Flughafen in Katar wurden allein im ersten Quartal 2017 knapp zehn Millionen Passagiere abgefertigt, viele davon kommen aus den Nachbarländern zum Umsteigen. Qatar Airways ist an der Iberia- und British-Airways-Mutter IAG beteiligt.

Ökonomische Folgen noch nicht absehbar

Der internationale Verband der Airlines, IATA, rief dazu auf, Grenzen nicht zu schließen. "Unsere Branche hängt von offenen Grenzen ab", sagte IATA-Chef Alexandre de Juniac. In Deutschland bietet die Lufthansa eine tägliche Verbindung via Kuwait nach Doha an. "Der Abbruch diplomatischer Beziehungen einiger Nachbarländer zu Katar hat zum aktuellen Zeitpunkt keine Auswirkungen auf diese Flugverbindung", sagte ein Konzernsprecher.

An den Finanzmärkten kam aber schon Unruhe auf. Der Ölpreis gab nach. Die Frage sei nun, ob es zu verstärkten Spannungen zwischen den Opec-Schwergewichten Saudi-Arabien, Iran und Irak komme, sagte Analyst Virendra Chauhan von der Beratungsfirma Energy Aspects. Katar ist der weltgrößte Exporteur von Flüssigerdgas (LNG). Händler sagten, noch sei es zu früh, um die Auswirkungen des diplomatischen Streits auf die LNG-Lieferungen in der Region abschätzen zu können.

Es könnte auch schon bald zu Engpässen im Lebensmittelhandel kommen. Katar mit seinen 2,5 Millionen Einwohnern ist hier stark abhängig von Importen. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien würden bereits keinen weißen Zucker mehr liefern, sagten Insider zu Reuters.

Die Börse in Katar brach um 7,3 Prozent ein. Sorge bereitete den Anlegern der Aufruf Saudi-Arabiens an internationale Unternehmen, Katar zu meiden. Der Golfstaat hat sich in den vergangenen Jahren an einer Reihe von Konzernen in Europa beteiligt. In Deutschland sind Investoren aus dem Mini-Staat unter anderem Großaktionäre bei Volkswagen und der Deutschen Bank.

Katar ist eine Monarchie am Persischen Golf. Das Land hat riesige Vorkommen an Erdöl und Erdgas. Das Emirat will 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten. Der DFB schloss nach der Isolation des Landes auch einen Boykott der WM nicht aus. "Grundsätzlich sollte sich die Fußballgemeinschaft weltweit darauf verständigen, dass große Turniere nicht in Ländern gespielt werden können, die aktiv den Terror unterstützen", sagte DFB-Chef Reinhard Grindel.

Quelle: n-tv.de

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