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Hach, wie schön ist doch eine friedliche Wahl! Dieser Tunesier kann gar nicht mehr an sich halten und verpasst einem Soldaten einen Freudenkuss.
Hach, wie schön ist doch eine friedliche Wahl! Dieser Tunesier kann gar nicht mehr an sich halten und verpasst einem Soldaten einen Freudenkuss.(Foto: dpa)

Wahlen in Tunesien: Weltliche sehen sich im Vorteil

Keine Anschläge, keine Störungen: Die Wahlen in Tunesien verlaufen friedlich. Einen Wahlsieger gibt es bislang nicht - noch zählen die Behörden die Stimmen aus. Doch die Gegner der islamischen Ennahda-Partei sehen sich im Vorteil.

Die beste Nachricht nach den Parlamentswahlen in Tunesien: Es hat keine Störungen oder gar Anschläge gegeben. Ergebnisse gibt es aber auch noch nicht. Die Wahlbehörden erwarten erste Teilergebnisse erst an diesem Morgen.

Als Favorit gilt die gemäßigt islamische Ennahda-Partei. Sie hatte auch bei der ersten demokratischen Wahl 2011 die meisten Stimmen erhalten. Sie gaben stets ein klares Bekenntnis zur Demokratie ab und dürfen nicht mit den Radikalen, schon gar nicht IS-Dschihadisten auf eine Stufe gestellt werden.

Größter Rivale der tunesischen der Ennahda-Partei ist die weltliche Allianz Nidaa Tounes. Die Beteiligung habe schätzungsweise bei 60 Prozent gelegen - deutlich höher als vor drei Jahren. Die säkularen Kräfte sehen "gute Anzeichen" für einen Sieg. Das erklärte der Vorsitzende der Allianz Nidaa Tounes, Béji Caïd Essebsi.

Es waren die zweiten Parlamentswahlen seit dem Sturz des Diktators Ben Ali. Dessen Ende war der entscheidende Auslöser für den Arabischen Frühling. Seitdem hat sich das Land tiefgreifend verändert, während andere Staaten der Region wie Syrien oder Libyen in Chaos und Bürgerkrieg versinken.

"Islam und Demokratie gehen Hand in Hand"

"Es ist unsere Pflicht als Tunesier, dieses Feuer am Brennen zu halten, um der arabischen Welt den Weg zu leuchten", erklärte Ennahda-Chef Rached Ghannouchi bei der Stimmabgabe in Tunis. "Islam und Demokratie widersprechen sich nicht, sondern gehen Hand in Hand." Nach Behördenangaben hatten Militante damit gedroht, die Wahl zu stören. Größere Vorfälle wurden zunächst nicht bekannt.

Aus der ersten Abstimmung vor drei Jahren war die Ennahda mit Abstand als stärkste Kraft hervorgegangen. Doch nach der Ermordung zweiter Oppositionspolitiker mutmaßlich durch Salafisten und einer monatelangen politischen Krise zogen sie sich aus der Regierung zurück und machten den Weg für ein Expertenkabinett frei, das bis heute regiert.

Wenn das neue Parlament die Arbeit aufnimmt, kann diese Übergangsregierung von einer gewählten politischen Führung abgelöst werden. Mit der Wahl eines Präsidenten bis zum Jahresende soll der nach der Jasminrevolution eingeleitete Weg in die Demokratie abgeschlossen sein.

Quelle: n-tv.de

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