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Bei der Handgranate handelt es sich um eine M52 aus dem ehemaligen Jugoslawien.
Bei der Handgranate handelt es sich um eine M52 aus dem ehemaligen Jugoslawien.(Foto: dpa)

Sprengstoff am Flüchtlingsheim: Wem galt die Handgranaten-Attacke?

Unbekannte werfen eine Handgranate auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft. Sie explodiert nicht, trotzdem hat die Gewalt gegen Zuwanderer damit eine neue Dimension erreicht. Die Ermittler müssen nun zwei entscheidende Fragen klären.

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Nach dem Handgranaten-Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft im Schwarzwald sucht die Polizei mit einer Sonderkommission nach den Tätern. Immer noch unklar ist, ob die jugoslawische Granate vom Typ M52, eine Kriegswaffe, wirklich scharf war und wen sie treffen sollte. Unbekannte hatten sie in der Nacht über den Zaun auf das Gelände der Unterkunft in Villingen-Schwenningen geworfen, sie explodierte aber nicht.

Für Samstagmittag ist in der Stadt eine Kundgebung gegen Fremdenfeindlichkeit geplant. Die Polizei schließt weder einen ausländerfeindlichen Anschlag aus, noch eine Attacke auf die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. "Es könnte sowohl gegen Flüchtlinge als auch gegen den Wachdienst gewesen sein", sagte ein Polizeisprecher. "Das Motiv wissen wir noch nicht." Die Granate war direkt neben einem Container gelandet, in der sich Mitarbeiter des Wachdienstes aufhielten. Experten sprengten sie später.

Der Splint der Handgranate sei bislang nicht gefunden worden, teilten die Ermittler am Freitagabend mit. Fest steht laut Polizei und Staatsanwaltschaft, dass die Granate mit Sprengstoff gefüllt war. "Ob ein Zünder verbaut war, ist bisher nicht bekannt. Das ist die entscheidende Weichenstellung", hatte der Leiter der Staatsanwaltschaft Konstanz, Johannes-Georg Roth, gesagt. Einen konkreten Verdacht oder eine Spur zu den Tätern hatten die Ermittler zunächst nicht. Befragungen in der Nachbarschaft hätten aber den einen oder anderen Hinweis dazu erbracht, hieß es. Der Angriff ist laut Bundeskriminalamt bundesweit der erste Fall, bei dem Sprengstoff zum Einsatz kam. Politiker sprachen bundesweit von einer neuen Dimension der Gewalt.

Maas verschiebt Krisentreffen

Bundesjustizminister Heiko Maas verschob unterdessen ein ursprünglich für den 10. März geplantes Spitzentreffen zu fremdenfeindlicher Gewalt auf die Woche nach den Landtagswahlen. Wie der SPD-Politiker in einem Brief an die Landesjustizminister erklärt, reagierte er damit auf Bitten von Kollegen, die am 17. März wegen der Bundesrichterwahl und der einen Tag später anstehenden Bundesratssitzung ohnehin nach Berlin kommen wollten.

In dem Schreiben heißt es: "Eine solche Verschiebung hat auch den Vorteil, dass unser Treffen nach den Landtagswahlen am 13. März stattfindet. Wenn es um radikale Hetze und Gewalt geht, müssen alle Demokraten geschlossen handeln." Das Thema sei zu wichtig, als dass sich die Justizminister dem Verdacht aussetzen sollten, sie wollten es zu wahltaktischen Zwecken missbrauchen. Und: "Die Menschen erwarten, dass der Staat sie vor rassistischer und extremistischer Gewalt wirksam schützt und gegen die Täter konsequent vorgeht". Die Justiz dürfe diese Erwartungen nicht enttäuschen. Im vergangenen Jahr hatte die Polizei mehr als 1000 Angriffe auf Asylbewerber und Flüchtlingsunterkünfte gezählt - mehr als je zuvor. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt wird am 13. März ein neuer Landtag gewählt.

Quelle: n-tv.de

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