Politik

Seehofer sucht Nachfolger: Wer füllt die Lücke?

CSU-Chef Seehofer hat ein doppeltes Problem: Er muss einen Nachfolger für den zurückgetretenen Verteidigungsminister Guttenberg finden. Und er muss Guttenberg weiter an seine Partei binden.

Horst Seehofer gibt sich "vollkommen" überrascht.
Horst Seehofer gibt sich "vollkommen" überrascht.(Foto: dapd)

Es ist früher Morgen, als Horst Seehofer von einer SMS aufgeschreckt wird: Mit einer Handy-Kurznachricht bereitet Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Förderer darauf vor, dass er als Verteidigungsminister zurücktreten will - auch ein anschließendes Telefonat ändert nichts mehr daran. Seehofer hatte ihm trotz aller Kritik bis zuletzt den Rücken gestärkt. "Vollkommen überraschend" sei dann der Rücktritt gekommen. Ob die Überraschung bei dem krisenerfahrenen CSU-Chef tatsächlich so groß war, lässt sich nicht klären - die CSU trifft der Rücktritt aber in jedem Fall schwer, verband sie ihre jüngste Erholung doch mit ihrem Politstar Guttenberg.

Eigentlich wollte Seehofer diese Woche seinem bayerischen Kabinett widmen, wo er den Posten des scheidenden Staatskanzleichefs Siegfried Schneider neu besetzen muss. Nun aber steht er vor einer deutlich weiter gehenden Herausforderung: Wer soll Guttenberg im Berliner Ministeramt ersetzen und wer kann die Lücke des Umfragenlieblings zumindest ansatzweise füllen? Zu Jahresbeginn hatte eine Umfrage ergeben, dass Guttenberg wesentlichen Anteil daran hat, dass die CSU wieder von einer absoluten Mehrheit träumen darf.

Zwei Szenarien

In München und in der CSU-Landesgruppe in Berlin blühen die Spekulationen, wie es nun mit dem Verteidigungsressort weitergehen könne. Zwei Szenarien stehen dabei zur Debatte. Im ersten Szenario behalten die Christsozialen das Ressort. Im zweiten Szenario gibt es eine Kabinettsrochade; dieses Modell sieht Bundesinnenminister Thomas de Maizière von der CDU als künftigen Verteidigungsminister und das Innenressort bei der CSU. Doch in beiden Szenarien hat Seehofer das offenbar schwierige Problem, einen geeigneten Mann oder eine geeignete Frau für den Platz im Bundeskabinett zu finden.

Weil Seehofer sich in einer Schaltkonferenz des CSU-Präsidiums in der Nachfolgefrage bedeckt hielt, wird in der CSU breit spekuliert. Als Kandidaten für das Verteidigungsressort werden vor allem Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich und Verteidigungs-Staatssekretär Christian Schmidt genannt. Friedrich hat allerdings mit der Führung der Landesgruppe seinen Traumjob gefunden und dürfte wenig Interesse an einem Wechsel haben. Schmidt wiederum steckt zwar tief in der Materie der Bundeswehrreform, ist wie Guttenberg Franke und in der Partei anerkannt - der 53-Jährige ist aber seit seiner Ernennung im Jahr 2005 blass geblieben.

Dobrindt stößt auf Skepsis

Für das Innenressort wiederum wird ebenfalls Friedrich genannt. Aber auch der Name des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann fällt bei dieser Variante. Der 54-Jährige ist aber dezidiert gegen die von de Maizière geplante Zusammenlegung von Bundeskriminalamt und Bundespolizei. Bliebe aus der Reihe möglicher Kandidaten vor allem CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Zwar machte Seehofer nach dem Rücktritt von Michael Glos (CSU) als Bundeswirtschaftsminister Anfang 2009 seinen damaligen Generalsekretär Guttenberg zu dessen Nachfolger. Während der aber damals auch in Berlin bereits als Hoffnungsträger galt, stößt der zuweilen ungelenke Dobrindt eher auf Skepsis.

Doch für Seehofer geht es um mehr als einen zu besetzenden Posten. In diesem Jahr wollte die CSU die Weichen für die Landtags- und Bundestagswahlen 2013 stellen. Seehofer selbst konnte sich zuletzt Hoffnungen machen, dass ihn seine Partei diese Weichenstellungen vollziehen lässt. Der zentrale Hoffnungsträger war aber Guttenberg - ob als möglicher Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl, oder künftiger CSU-Chef oder Kandidat für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten.

Obwohl Guttenberg damit auch eine Bedrohung für ihn war, will Seehofer nun dessen endgültige Abkehr aus der Politik verhindern. "Ich persönlich werde alles tun, dass Karl-Theodor zu Guttenberg der deutschen Politik und auch seiner politischen Familie, der Christlich-Sozialen Union, erhalten bleibt." Er habe die Chance verdient, weiterzumachen, sagt Seehofer - in welcher Form auch immer.

 

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Quelle: n-tv.de

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