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Fordert ein Referendum über die Einführung der Todesstrafe in Frankreich: Marine Le Pen.
Fordert ein Referendum über die Einführung der Todesstrafe in Frankreich: Marine Le Pen.(Foto: REUTERS)

Mit Islamhass in den Élysée-Palast: Wie Le Pen vom Pariser Terror profitiert

Von Christian Rothenberg

Der rechtsextreme Front National wettert mit plumpen Parolen gegen Muslime. Parteichefin Marine Le Pen will 2017 französische Präsidentin werden. Durch den Anschlag auf "Charlie Hebdo" steigen ihre Chancen erheblich.

Sie trägt dem Anlass entsprechend Schwarz. Hinter ihr hängen drei französische Fahnen schlapp vor einer blauen Wand herunter. Davor sitzt eine ernste Marine Le Pen, die Sätze sagt wie: "Das Land ist vereint in der Verurteilung dieses abscheulichen Attentats." Sie spricht von einer "mörderischen Ideologie", von "ehrlichen und klaren Antworten", die man nun finden müsse. Le Pen kann staatstragend - und sie will an diesem Nachmittag, dass alle Franzosen das sehen können.

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Doch am Tag nach dem schwarzen Mittwoch wechselt Frankreichs bekannteste Rechtsextremistin schnell wieder in die gewohnte Tonart der Demagogin. "Ich möchte den Franzosen ein Referendum über die Todesstrafe vorschlagen. Ich persönlich denke, dass diese Möglichkeit bestehen sollte", schrieb sie bei Twitter. Die Todesstrafe war im Jahr 1981 abgeschafft worden. In einem Interview mit dem Fernsehsender "France 2" rief die Chefin des Front National dann sogar zum "Krieg gegen den Fundamentalismus auf".

Nach dem Anschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" schlägt die Stunde der Marine Le Pen. Wenn eine Partei davon profitieren kann, dann ihr Front National. "Es ist das schönste Geschenk, das man Marine Le Pen machen kann", sagte Alain Jakubowicz der Präsident der Liga gegen Rassismus und Antisemitismus. Tatsächlich dürften der 46-Jährigen die Ereignisse in Paris nur gelegen kommen, denn sie rückt damit ihrem großen Ziel immer näher - dem Ziel, bei der Präsidentschaftswahl 2017 Francois Hollande im Élysée-Palast abzulösen.

"Vor den Toren der Macht"

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Ein Blick zurück: Vor vier Jahren ersetzte Marine Le Pen ihren Vater Jean-Marie an der Spitze des Front National. Bei der Wahl 2012 unterlag sie Hollande zwar, erhielt jedoch stolze 17,9 Prozent. Im Gegensatz zu dem ultrarechten Kurs ihres Vaters versucht sie der Partei seitdem einen gemäßigteren bürgerlichen Anstrich zu verpassen. Mit Erfolg: Seit den Kommunalwahlen im März 2014 stellt die Partei in zwölf französischen Städten den Bürgermeister. Bei der Europawahl im Mai wurde der Front National mit 25 Prozent sogar stärkste Partei im Land. Tendenz steigend: Im September ergab eine Ifop-Umfrage, dass Le Pen bei der nächsten Präsidentschaftswahl im ersten Wahlgang mit 32 Prozent der Stimmen rechnen könnte.

Frankreichs Premier Manuell Valls wähnte den Front National zuletzt bereits "vor den Toren der Macht". Präsident Hollande kündigte in seiner Ansprache nach dem Anschlag an, sich am Donnerstag auch mit Le Pen treffen zu wollen. Tatsächlich können die großen französischen Parteien, die in den vergangenen drei Jahrzehnten im Wechsel die Staatsoberhäupter stellten, den Rechten kaum etwas entgegensetzen. Die konservative UMP, die zuletzt Ex-Präsident Nicolas Sarkozy wieder für den Vorsitz nominierte, hat mit verschiedenen Affären zu kämpfen. Die Regierungspartei, die sozialdemokratische PS von Präsident Hollande, sinkt in der Wählergunst dramatisch, weil sie keine Lösungen findet für die miese wirtschaftliche Lage und die Rekordarbeitslosigkeit.

Einfache Antworte auf die Krise

Bei den Franzosen steigen Misstrauen und Verdrossenheit gegenüber der Politik. Umso mehr Gehör findet der radikale Front National. Parolen wie "weniger Ausländer", "Grenzen zu" oder "raus aus der EU" bieten griffige und scheinbar einfache Antworten auf die Krise der "Grande Nation". Schon in der Vergangenheit boten die gut vier Millionen Muslime im Land ein dankbares Feindbild. Le Pen verglich die auf der Straße betende Muslime einst mit der Besetzung durch die Nazis. "Es gibt zwar keine Panzer und keine Soldaten, aber eine Besatzung ist es trotzdem", sagte sie. In Zukunft dürfte ihre Partei wohl noch stärker gegen den Islam mobilisieren, nach dem Anschlag in Paris wird der Zuspruch für antimuslimische Ressentiments wohl noch zunehmen.

Auf ihrem Weg in den Élysée-Palast kann Le Pen auch auf die Unterstützung eines anderen Mannes vertrauen: Michel Houellebecq. Der Schriftsteller, der auf der Titelseite der neuen Ausgabe von "Charlie Hebdo" abgebildet ist, veröffentlicht in diesen Tagen sein neues Buch "Unterwerfung". Auch darin geht es um die bevorstehende Präsidentschaftswahl in Frankreich. Um einen Sieg Le Pens zu verhindern, unterstützen Konservative und Sozialisten einen muslimischen Kandidaten, der schließlich neuer Präsident wird. Houellebecqs Buch skizziert, was manchen Franzosen in diesen Tagen erschaudern lassen dürfte: das Bild eines Landes im religiösen Wandel, vom Christentum zum Islam. Bessere Werbung für Marine Le Pen gibt es wirklich nicht.

Quelle: n-tv.de

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