Politik
Trump und Cruz haben auch die letzte TV-Debatte dominiert.
Trump und Cruz haben auch die letzte TV-Debatte dominiert.(Foto: AP)

Debatten-Party der Republikaner: Wie Trump die New Yorker überzeugt

Von Volker Petersen, New York

20 Millionen Menschen sehen die letzte TV-Debatte der US-Republikaner vor den Wahlen in Florida und Ohio. In New York treffen sich die Republikaner zu einer Party mit Pizza, Bier und Großbildleinwand - auch dort geht es vor allem um einen Mann.

Bob Morgan seufzt. Der grauhaarige Republikaner steht im Saal des ehrwürdigen Metropolitan Republican Clubs in New York und wurde gerade gefragt, was er, der ehemalige Vorsitzende des Clubs, von Donald Trump hält. An der Wand hängt ein Porträt George Washingtons, eine Büste Abraham Lincolns überblickt den mit Stuhlreihen gefüllten Raum.

Es ist Donnerstagabend, der Metropolitan Republican Club hat zum TV-Debatte-Schauen auf der Großbildleinwand eingeladen, 20 Millionen Menschen im ganzen Land werden sie sich ansehen, der Einladung zur "Debate Watch Party" im Clubhaus in der Upper East Side sind rund 50 Leute gefolgt. Sie halten Pappteller mit Pizza in den Händen oder sitzen bereits auf den Stühlen vor der Leinwand, die die Organisatoren in die geschwungenen Hälse der goldenen Wand-Kandelaber eingehängt haben. Man trinkt Bier, Wein oder Cola aus Plastikbechern und wartet plaudernd darauf, dass es losgeht.

"Debate Watch Party" mit Großbildleinwand im Metropolitan Republican Club" New York.
"Debate Watch Party" mit Großbildleinwand im Metropolitan Republican Club" New York.(Foto: Volker Petersen)

"Okay", setzt Bob Morgan an, um über Donald Trump zu reden. "Zunächst einmal wünsche ich mir, dass ein Republikaner Präsident wird." Und da müsse er schauen, wer die besten Chancen habe. "Das ist dann wohl Trump", sagt er. Der könne immerhin einige einfache Arbeiter auf seine Seite ziehen, die bislang immer Demokraten gewählt haben. "Anderseits verschreckt er vielleicht die Vorstadt-Republikaner, die vor vier Jahren für Mitt Romney gestimmt haben", wägt Bob ab. "Romney war ja nicht schlecht, er hat ja nur um vier Prozentpunkte verloren."

Also US-Präsident Trump? Wirklich, Mr. Morgan? Er blickt auf und lächelt freundlich: "Er macht doch nur eine Show!", ruft er aus. Im Amt werde Trump dann sicher moderater. Glaubt er? Oder hofft er? "Nun, ich hoffe es … und ich glaube es auch."

Töchter nicht wie Paris Hilton

Auch Michael Zumbluskas glaubt, dass Trump in Wahrheit ein ganz angenehmer Zeitgenosse sei. "Ich habe ihn nur zweimal für fünf Sekunden getroffen. Ich kenne ihn also nicht wirklich", sagt er. "Aber selbst seine politischen Gegner sagen, dass er eigentlich ein netter Kerl sei." Er wisse eben, wie er die Medien zu bespielen habe. Gut gefällt dem bedächtigen Mann, der selbst kein Republikaner, sondern Mitglied der Independence Partei ist und mit John Kasich sympathisiert, dass Trumps Kinder nicht ständig auf Seite 6 der "New York Post" auftauchen. "Nicht so wie Paris Hilton, bestes Beispiel", sagt er. Und man müsse ja auch sehen, dass Trump ein erfolgreicher Unternehmer sei. Ganz unfähig könne er also nicht sein.

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Die Debatte beginnt bald, Michael geht zu seinem Stuhl. Die Diskussion der Kandidaten verläuft im Vergleich zu früheren Treffen überraschend sachlich. Trump gibt sich offenbar Mühe, diesmal nicht die Vorstadt-Republikaner zu verschrecken. Immer wieder heimst er Szenenapplaus ein - aber nicht nur er. Auch Rubio erntet Klatscher für seine Forderung, dass Kuba sich demokratisieren soll, bevor es eine Annäherung an die USA geben kann. Trump sorgt für einen Lacher, als er sich nach einer guten halben Stunde wundert, wie zivilisiert die Debatte an diesem Abend verläuft.

"Er ist mir zu vulgär", sagt Julia Derek während einer Werbepause über den 69-jährigen Immobilienmogul. Die blonde Frau ist für Rubio, weil er "so leidenschaftlich sei". Neben ihr sitzt Jing Lerch, die sich als neokonservative Politikberaterin vorstellt. "Ich bin für Trump", sagt sie und lacht. "Ich bin für den Sieger!" Ihr gefalle, dass er mit der politischen Korrektheit aufräume, die ihr auf den Geist gehe.

Die Werbung ist zu Ende, Trump, Cruz, Rubio und Kasich debattieren weiter. Manche schütteln den Kopf, als der New Yorker Milliardär ankündigt, im Israel-Palästina-Konflikt neutral bleiben zu wollen. Lautstarke Proteste und Gejohle erntet Cruz, als er gegen Ende der Debatte sagt, dass nur er Hillary Clinton schlagen könne und Trump gegen die Demokratin verlieren würde.

"Weißt du, ich war in Woodstock"

Ein Mann im Publikum klatscht immer besonders laut bei Trump-Äußerungen, er trinkt Bier, hat lange Haare und trägt ein Käppi. Er heiße Aristedes DuVal, stellt er sich später vor; er sei Trump-Fan. "Weißt du, meine Familie hat immer Demokraten gewählt. Das letzte Mal, dass wir für einen Republikaner gestimmt haben, war Eisenhower", erzählt er. "Weißt du, ich war in Woodstock. Ich bin gegen Reagan auf die Straße gegangen." Aber jetzt betrachte er sich als "Trumpist". Auf die Frage nach dem "Warum" redet er sich in Rage. Es gebe 30 Millionen illegale Einwanderer in den USA, behauptet er, sie nähmen den US-Amerikanern die Jobs weg. "Sie müssen alle wieder gehen, auch die Kinder", sagt er entschlossen. Außerdem sollten die Leute Englisch und nicht Spanisch sprechen. Die Einwanderung diene doch nur dem Zweck die US-amerikanische Gesellschaft zu unterminieren, sagt Aristedes, der sich als "Greek-American" vorgestellt hatte.

Gegen Ende der zweistündigen Sendung hat sich der Saal unter den Augen der Lincoln-Büste geleert, nur noch die Hälfte der Leute ist da. Bob Morgan steht mit ein paar anderen Gästen vor der Leinwand und unterhält sich. Einen klaren Sieger zu benennen, findet er schwierig. "Alle hatten ihre Momente", sagt er. "Aber wenn ich mich festlegen soll, wäre ich für Cruz."

Die anderen Gäste des Metropolitan Republican Club sehen das anders. Bei einer Abstimmung unter den Zuschauern kommt es zu einem eindeutigen Ergebnis: 48 Prozent halten Trump für den Gewinner der Debatte.

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Quelle: n-tv.de

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