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Auf dem EVP-Kongress in Dublin bedankte sich Julia Timoschenko explizit bei Angela Merkel und der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Auf dem EVP-Kongress in Dublin bedankte sich Julia Timoschenko explizit bei Angela Merkel und der Konrad-Adenauer-Stiftung.(Foto: REUTERS)

Politikerin mit Gewaltfantasien: Wie wird die CDU Timoschenko wieder los?

Von Christoph Herwartz

Julia Timoschenko hat der CDU einiges zu verdanken. Nun will sie Präsidentin werden und gleichzeitig Putin erschießen. Die CDU versucht, sich so unauffällig wie möglich zu distanzieren.

Es war ein pompöser Auftritt, der Julia Timoschenko in Dublin gewährt wurde. Zuerst flackerten Bilder von ihr und von den Maidan-Demonstrationen zu dramatischer Musik an der Wand, dann applaudierte das Publikum minutenlang im Stehen, bevor die Ukrainerin überhaupt ein Wort gesprochen hatte. Vor rund zwei Wochen war sie zu Gast beim Kongress der Europäischen Volkspartei (EVP), einem Zusammenschluss konservativer Parteien. Im Publikum saßen Spitzenpolitiker aus ganz Europa, auch von CDU und CSU. Timoschenko hielt eine kraftvolle Rede, die immer wieder von starkem Applaus unterbrochen wurde. Schon da war vielen klar, was sie nun auch offiziell verkündete: Timoschenko will Präsidentin der Ukraine werden. In Dublin dankte sie explizit Angela Merkel und der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung für ihre Unterstützung.

Timoschenko verkörperte die Hoffnung der europäischen Konservativen auf eine demokratische Ukraine. Ihre mächtigen Freunde aus der EU spielten eine gewichtige Rolle für den Erfolg der Maidan-Demonstration. Doch nun wird mit jedem Tag deutlicher, was für eine zweifelhafte Figur Timoschenko ist. Die CDU muss sie abschütteln.

"Timoschenko denkt radikal und nationalistisch"

Auslöser ist das Telefonat Timoschenkos mit einem politischen Kontrahenten, in dem sie gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin hetzt: "Ich bin selbst bereit, eine Kalaschnikow in die Hand zu nehmen und dem Dreckskerl in den Kopf zu schießen", wetterte sie. "Ich werde die ganze Welt erheben, sobald ich es kann, damit – verdammt – von Russland nicht einmal ein verbranntes Feld übrig bleibt." Das Telefonat wurde abgehört und bei Youtube hochgeladen. Timoschenko behauptet zwar, dass einige Teile der Aufnahme eine Montage seien, bestreitet das Zitat aber nicht.

Auch die Bundesregierung rückte danach deutlich von Timoschenko ab. Es gebe Grenzen, die nicht überschritten werden dürften, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Gewaltfantasien liegen weit jenseits dieser Grenzen." Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Philipp Mißfelder, geht noch weiter: "Timoschenko denkt radikal und nationalistisch. Was sie gesagt hat, meint sie auch genau so." Zwar sei es "wohlfeil", im Nachhinein die Unterstützung für Timoschenko zu kritisieren, sagte er n-tv.de. "Nun sollte aber auf neue Köpfe gesetzt werden."

Damit ist zum Beispiel der Oligarch Petro Poroschenko gemeint, der schon nach der Orangenen Revolution Minister war. Neben ihm und Timoschenko hätten auch Vitali Klitschko und der amtierende Ministerpräsident Arseni Jazenjuk Chancen auf das Amt des Präsidenten.

Timoschenko war nie unumstritten

Unter den aktuellen Spitzenpolitikern ist die Frau mit dem Haarkranz die mit Abstand beste Rednerin und könnte wohl am ehesten die Aufbruchsstimmung am Leben halten. Ihr Charisma wurde auf dem Maidan schmerzlich vermisst. Ihre Verurteilung und Inhaftierung hatten sie von einer Ikone zur Märtyrerin gemacht. Und mit ihrem Hass auf Putin spricht sie sicherlich einigen Ukrainern aus der Seele. Zu einer guten Präsidentin würde sie das noch nicht machen.

Unumstritten war Timoschenko noch nie. Auch sie gehört zu den Oligarchen, die im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion unter dubiosen Umständen zu enormem Reichtum gekommen sind. Als sie 2004 durch die Orangene Revolution an die Macht kam, trat sie autoritär auf und erwies sich als unfähig, Kompromisse einzugehen. Kontrahenten ließ sie von der Bildfläche verschwinden. Letztlich bleibt der Eindruck, dass sie als Politikerin vor allem persönliche Rechnungen begleichen will.

Mißfelder sagt, dass er die Person Timoschenko schon länger kritisch sieht. So ähnlich ist es wohl auch in der Bundesregierung, wo man die Aussagen Timoschenkos seit ihrer Freilassung sorgsam verfolgte. Die Minister scheuen sich davor, zu viel Nähe zu zeigen. Die Kanzlerin oder der Außenminister zeigten sich kein Mal mit Timoschenko, obwohl es ausreichend Gelegenheit gegeben hätte. Denn einen Großteil der Zeit seit ihrer Freilassung verbrachte sie nicht in Kiew, sondern bei Spezialisten, die ihr Rückenleiden behandelten – und zwar in Berlin.

Quelle: n-tv.de

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