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Stromautobahn brauchte zehn Jahre: Windsammelschiene freigegeben

Es ist eine der schwersten Aufgaben der Energiewende: den Strom, der an den Küsten durch Windkraftwerke erzeugt wird, mit Leitungen im Land zu verteilen. Eine erste große Stromautobahn geht dazu in Betrieb – allerdings ist sie gerade einmal 88 Kilometer lang.

Mit einer neuen Ost-West-Stromautobahn soll die Energieversorgung in Deutschland nach der Stilllegung mehrerer Atomkraftwerke besser gesichert werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) startete die 380-Kilovolt-Leitung in Schwerin. Sie sieht die Leitung als wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende.

(Foto: dpa)

Die Trasse führt über 88 Kilometer von Schwerin nach Krümmel bei Hamburg. Sie soll Windstrom aus dem Nordosten über den Knotenpunkt am stillgelegten Atomkraftwerk Krümmel nach Hamburg und zu den Verbrauchszentren im Süden und Westen Deutschlands bringen. Seit der Stilllegung von Brunsbüttel und Krümmel im Jahr 2011 drohten bei der Stromversorgung im Norden gerade im Winter wiederholt Engpässe.

"Die Leitung ist symbolisch für vieles, was noch getan werden muss", sagte Kanzlerin Merkel, bevor sie die "Windsammelschiene" im Umspannwerk Schwerin-Görries freischaltete. Tausende Kilometer Hoch- und Höchstspannungsleitungen müssten in Deutschland im Zuge der Energiewende gebaut werden, auch wenn man sich damit bereits auf das Notwendigste beschränke. "Wer Ja sagt zu den Erneuerbaren Energien, muss auch Ja sagen zum Netzausbau", betonte Merkel.

Windräder seltener abschalten

Planung und Bau der Nordleitung dauerten zehn Jahre, das Projekt kostete 93 Millionen Euro. Die neue Stromautobahn soll auch Windstrom-Überschüsse aus dem Nordwesten in den Osten bringen, damit sie über das dortige Netz nach Süden transportiert werden können. Mit der neuen Querverbindung könnten der Windstrom im Norden besser ausbalanciert und die bestehenden Nord-Süd-Trassen in Deutschland besser ausgenutzt werden, sagte der Geschäftsführer des zuständigen Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, Boris Schucht.

Schucht erwartet, dass mit der neuen Leitung Windräder seltener abgestellt werden müssen, weil die Netze den Strom nicht aufnehmen können. Allein im Bereich von 50Hertz, der die neuen Bundesländer, Berlin und Hamburg umfasst, mussten in diesem Jahr bereits an 68 Tagen Windräder abgestellt werden, obwohl der Wind wehte, wie Sprecher Volker Kamm sagte. 2010 sei dies nur an 6 Tagen der Fall gewesen, 2011 an 45 Tagen.

Am Mittwoch will das Bundeskabinett in Berlin einen beschleunigten Netzausbau absegnen. Die Bundesländer haben sich bereiterklärt, die Planung der großen Stromautobahnen an den Bund abzugeben, damit die Netze schneller als die "Windsammelschiene" gebaut werden können. Der neue Netzentwicklungsplan sieht vor, dass drei große Stromautobahnen von insgesamt 2800 Kilometern Länge gebaut werden, um vor allem Windstrom von Norden in den Süden zu transportieren. Zudem sollen 2900 Kilometer im bestehenden Höchstspannungsnetz so optimiert werden, dass sie fit werden für die schwankende Ökostrom-Einspeisung.

Noch viel Platz für Windräder

Insgesamt soll durch eine Bündelung von Planungs- und Genehmigungsverfahren der Ausbau beschleunigt werden. Während die Genehmigungsverfahren für das 70 Kilometer lange Teilstück in Mecklenburg-Vorpommern 2009 abgeschlossen waren und die Leitung dort 2010 stand, brauchte Schleswig-Holstein für die Genehmigung seines wesentlich kürzeren Abschnitts bis April 2012.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sagte, sein Land sei bereits ein Exporteur von Öko-Strom und wolle das noch ausbauen. Bis Ende 2011 wurden im Nordosten 1565 Megawatt Windstrom-Kapazitäten installiert. Große Ausbaupläne gibt es für die Ostsee vor den Küsten. Offshore-Vorhaben verschiedener Interessenten summieren sich auf 5600 Megawatt Leistung.

Quelle: n-tv.de

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