Politik
Viel Ärger um ein bisschen Stoff: Yasir Calik ließ 150 dieser Taschen drucken - für Wahlkampfveranstaltungen in türkischen Gemeindezentren und Moscheen.
Viel Ärger um ein bisschen Stoff: Yasir Calik ließ 150 dieser Taschen drucken - für Wahlkampfveranstaltungen in türkischen Gemeindezentren und Moscheen.(Foto: picture alliance / dpa)

Halbmond im Parteilogo: "Wollte die CDU nicht islamisch machen"

Ein mit dem türkischen Halbmond angereichertes CDU-Logo sorgt im Kommunalwahlkampf in Neuss für Irritationen. Der türkischstämmige Stadtrats-Kandidat Yasar Calik verteilt CDU-Taschen verteilt. Darauf umrahmt das "C" einen Halbmond mit Stern, wie man ihn von der türkischen Flagge kennt. Die Partei regiert empört und stoppt die Verteilung, Calik bemängelt fehlende Toleranz.

n-tv.de: Für den Kommunalwahlkampf in Neuss haben Sie Taschen drucken lassen - mit einem türkischen Halbmond im CDU-C. Wie kam es dazu?

Yasar Calik: Für den Wahlkampf habe ich Werbeartikel drucken lassen: Kugelschreiber, Aufkleber und 4000 Taschen. Davon wollte ich 150 Taschen mit Parteilogo und der türkischen Fahne in Gemeindezentren und Moscheen verteilen. Ich habe die Taschen in der Türkei gedruckt, weil ich eh vor Ort war. Als ich die Kartons abgeholt habe, habe ich nicht alle Taschen überprüft. Erst am Tag einer Veranstaltung habe ich festgestellt, dass die türkische Flagge nicht wie geplant unter das CDU-Logo, sondern in das C hinein gedruckt worden war.

Eine kleine Panne, will man meinen. Wann haben Sie von dem Ärger in Ihrer Partei erfahren?

Yasar Calik ist 37 Jahre alt und kandidiert für den Rat der Stadt Neuss.
Yasar Calik ist 37 Jahre alt und kandidiert für den Rat der Stadt Neuss.(Foto: http://www.cdu-neuss.de)

Ich war in der Schweiz vor einigen Tagen, da erhielt ich einen Anruf von dem Neusser Parteivorstand Jörg Geerlings. Er fragte nach den Taschen und erzählte mir von einem Artikel in der Lokalzeitung mit dem Titel "Neuss wird muslimischer". Ich habe ihm erklärt, der Halbmond mit dem Stern stehe für die türkische Fahne und nicht für den Islam. In Gemeindezentren und Moscheen wollte ich damit lediglich zeigen, dass ich Deutscher mit türkischer Abstammung bin. Viele Türken sind ja skeptisch gegenüber der CDU. Geerlings bat mich darum, die Taschen nicht mehr zu verteilen.

In Ihrer Partei gab es empörte Reaktionen. Auch in sozialen Netzwerken haben die Taschen für viel Aufsehen und Diskussionen gesorgt. Verstehen Sie das?

Nein, das verstehe ich nicht. Wenn man deutlich hinguckt, ist die türkische Fahne eindeutig zu erkennen. Jeder, der mich in Neuss kennt, weiß außerdem, dass ich nicht den Islam propagiere. Ich bin Unternehmer, war zwölf Jahre bei der Bundeswehr und vertrete deutsche Werte. Deshalb habe ich überhaupt nicht damit gerechnet, dass man das in diese Richtung interpretieren kann. Aber offenbar geht das.

Was für Reaktionen haben Sie erlebt auf die Aktion mit den Taschen?

Von meinem Fraktionschef habe ich volle Rückendeckung bekommen. Ansonsten hätte ich schon mehr Toleranz erwartet. Dass mir so etwas gleich so negativ ausgelegt wird, ist schon ein Schock. Das muss ich erst einmal verdauen. Im Internet kamen schlimme und teilweise rechtsextreme Beschimpfungen. Da hieß es: "Die CDU heißt jetzt Islamisch Demokratische Union" oder "Wie kann es sein, dass Muslime eine christliche Partei unterwandern?" In meinen Augen sind das Hinterwäldler.

Im Internet gibt es auch Kritik an der CDU. Ist Ihre Partei gegenüber Muslimen nicht offen genug?

Doch, sie ist tolerant und hat offene Tür für Menschen aus allen Nationen. An der Christlichen Demokratischen Union wollte ich ja gar nicht rütteln. Ich entschuldige mich dafür, dass die Taschen so viel Ärger ausgelöst haben. Das war mein Fehler. Aber es sind vor allem einzelne, die sich darüber aufgeregt haben. Fakt ist doch: Niemand kann mit 150 Taschen aus der CDU eine islamische Partei machen. Das war auch nicht meine Absicht.

Mit Yasar Calik sprach Christian Rothenberg

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen