Politik
Raktetentest im nordkoreanischen Staatsfernsehen
Raktetentest im nordkoreanischen Staatsfernsehen(Foto: REUTERS)
Samstag, 09. September 2017

Forscher bangen um Raketenbilder: Youtube sperrt Propaganda aus Nordkorea

Wegen "Verstößen gegen die Richtlinien" des Portals sperrt Youtube zwei reichweitenstarke Kanäle. Experten für die Rüstungskontrolle sind alarmiert. Es handelt sich um Kanäle, die Einblicke in das nordkoreanische Raketenprogramm gewähren.

Mit dieser Reaktion haben die Betreiber von Youtube womöglich nicht gerechnet, als sie am Freitag zwei nordkoreanische Propaganda-Kanäle sperrten. Keine Zustimmung. Jeffrey Lewis, ein renommierter Experte für Rüstungskontrolle schreibt: "Liebe Leute bei Youtube, bitte hört auf, das zu tun." Und dann: "Wissenschaftler brauchen diese Informationen, um Nordkoreas Raketenprogramm zu bewerten."

Video

Die Sperrung der Kanäle, über die zunächst das Portal "NK News" und der britische "Guardian" berichteten, alarmiert Akademiker, die auf hochauflösendes Videomaterial aus dem extrem isolierten Land angewiesen sind. "Es ist sehr wichtig, sie zu verstehen, auch wenn wir sie nicht mögen", sagte Lewis dem "Guardian". "Das fängt damit an, ihre Propaganda zu analysieren."

Gesperrt wurden den Berichten zufolge die Kanäle "Stimmekoreas" und "Uriminzokkiri", mit Zehntausenden Abonnenten. Beide stellten regelmäßig Ausschnitte aus dem Programm der staatlichen Nachrichtensendungen ins Netz.

Hinter "Stimmekoreas" steckt angeblich ein Koreaner, der im Ausland lebt und enge Verbindungen zur staatlichen koreanischen Nachrichtenagentur hat. "Uriminzokkiri" wird angeblich direkt von Nordkoreas Propaganda-Experten gesteuert.

"Stimmekoreas" in Deutschland abrufbar

Youtube erläuterte die Gründe für die Sperrungen zunächst nicht genau. Lewis vermutet im "Guardian" aber, dass sie aus Furcht davor geschähen, die Werbeeinnahmen des Kanals könnten gegen US-Handels-Sanktionen verstoßen.

Rüstungsexperten können bei den Propagandavideos anhand der sichtbaren Bauteile von Raketen verschiedene Typen ausmachen und erkennen, ob sie in Eigen- oder Fremdproduktion entstanden. Anhand der Bilder lassen sich auch Rückschlüsse auf die Größe und Beschleunigung der Raketen ziehen, dies ermöglicht wiederum zu errechnen, wie groß ihre Reichweite ist.

Die USA fürchten, dass sie von nordkoreanischen Raketen getroffen werden könnten. Das asiatische Land kommt bei seinem Atomwaffenprogramm offenbar immer schneller voran. Zuletzt, so hieß es aus Pjöngjang, sei der erste Test einer Wasserstoffbombe erfolgreich abgeschlossen worden.

Dem "Guardian" zufolge sperrte Youtube nicht zum ersten Mal Propaganda aus Nordkorea. 2016 waren laut dem Blatt bereits "Korean Central TV1", "Chosun TV", "NK Propaganda", "KCTV" und andere betroffen.

Der Kanal "Stimmekoreas" war am Samstagnachmittag in Deutschland abrufbar, "Uriminzokkiri" nicht. Es ist unklar, ob Youtube Sperrungen grundsätzlich weltweit durchführt und damit auch, ob Youtube auf die Warnungen der Waffenexperten reagiert hat.

Quelle: n-tv.de

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