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Auf nach Deutschland: Die Mehrheit der Flüchtlinge reist derzeit über Österreich ein.
Auf nach Deutschland: Die Mehrheit der Flüchtlinge reist derzeit über Österreich ein.(Foto: dpa)

Winterflucht nach Europa: Zahl der Asylanträge zieht an

Von Martin Morcinek

Der Andrang ist ungebrochen: In Deutschland gehen in der kalten Jahreszeit mehr Asylanträge ein als erwartet. Die erste Januarhälfte reicht nahe an die Spitzenwerte aus dem Spätsommer heran. Was heißt das für das Frühjahr?

Der Winter macht die Flucht nach Europa beschwerlich und gefährlich. Aufhalten lassen sich die fliehenden Menschen durch die widrige Witterung aber nicht: Trotz Kälte, Eis und Schnee erreichen derzeit noch jeden Tag Flüchtlinge die deutsche Grenze. Das Bundesinnenministerium spricht von täglich 2000 bis 3000 Neuankömmlingen.

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Nicht alle davon beantragen sofort Asyl: In der Asyl-Statistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) tauchen diese Menschen daher erst mit einigen Wochen Verspätung auf. Nach den Rückgängen im November und Dezember registrierte das Bundesamt jedoch in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres bereits mehr als 51.000 Erstanträge auf Asyl. Die Anziehungskraft, die Deutschland auf Schutzsuchende ausübt, bleibt damit unverändert stark: Während die Zahl der neu registrierten Asylbewerber mit dem Wintereinbruch europaweit kräftig zurückging, blieb sie in Deutschland nahezu konstant.

Dabei dürfte der Rückstau bei der Bearbeitung der Anträge den Eindruck verzerren: Allerdings liegen die Zahlen aus der ersten Januarhälfte dennoch nur geringfügig unter den Werten aus dem vergangenen Spätsommer, als der Zuzug nach Deutschland einen bisherigen Höhepunkt erreichte. Im September zum Beispiel verzeichneten die Behörden hierzulande insgesamt gut 60.000 Erstanträge auf Asyl - binnen vier Wochen.

Die Zahlen des Bamf sind mit Vorsicht zu genießen. Aufgrund der großen Masse und der dadurch verzögerten Bearbeitung in den Behörden liefern die Asyldaten lediglich einen Anhaltspunkt für Trends. Das Bundesamt registriert bei den Asylfällen nicht die Zahl der tatsächlich einreisenden Flüchtlinge, sondern nur die jeweils eingereichten Asylanträge. Im vergangenen Jahr summierte sich die Menge auf knapp 477.000 eingereichte Erstanträge. Insgesamt reisten jedoch den bisher vorliegenden Daten etwa 1,1 Millionen Menschen neu nach Deutschland ein.

Die aktuellen Fallzahlen decken trotzdem brisante Perspektiven für das Frühjahr auf: Sollte die Entwicklung der vergangenen Tage Bestand haben, dann könnten bereits in den ersten vier Wochen des laufenden Jahres mehr als 100.000 Asylanträge auflaufen - größtenteils wohl noch aus dem Vorjahr. Damit wäre dann bereits mit den verzögert eingereichten Fällen im Januar die Hälfte des Kontingents von 200.000 Flüchtlingen erschöpft, die Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer als "maximale Obergrenze" für das Gesamtjahr 2016 forderte.

Fallzahlen im EU-Vergleich

Wie ungleich sich die Masse der Asylbewerber auf Europa verteilt, lässt sich an den Fallzahlen von Januar bis Oktober 2015 ablesen, für die bisher europaweit vergleichbare Werte vorliegen. Selbst relativ wirtschaftsstarke EU-Staaten wie Schweden, Frankreich, Italien oder Spanien verzeichneten demnach im vergangenen Jahr sehr viel weniger Asylbewerber als Deutschland - zumindest gemessen an der Gesamtzahl der eingereichten Asylanträge.

Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man die Zahl der eingereichten Asylanträge zur Zahl der Einwohner ins Verhältnis setzt: Gemessen an der Bevölkerungsstärke nahmen Länder wie Schweden, Ungarn, Österreich, Malta und Dänemark im Jahr 2014 - dem ersten Gesamtjahr, für das jetzt schon amtliche Daten vorliegen - mehr Schutzsuchende auf als Deutschland.

(Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zu den Trends bei den Asylzahlen 2015 finden Sie hier.)

Quelle: n-tv.de

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