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Samstag, 07. Oktober 2017

"Redet oder tretet zurück!": Zehntausende fordern Dialog mit Katalonien

Ein verbotenes Referendum, Polizeigewalt und immer wieder Proteste. In Spanien herrscht große Unsicherheit, wie es mit Katalonien weitergeht. Das bringt viele Spanier dazu, auf die Straße zu gehen – ihre Ziele sind unterschiedlich.

Mit mehreren Großkundgebungen haben Zehntausende Spanier in den großen Städten des Landes für einen Dialog in der Katalonien-Frage demonstriert. Unter dem Motto "Parlem? Hablemos?" ("Sprechen wir?" auf Katalanisch und Kastilisch) versammelten sich die Demonstranten vor den Rathäusern, etwa in Madrid und Barcelona. Die meisten waren ganz in Weiß gekleidet und trugen weiße Schriftbänder und Luftballons.

Redeaufforderungen gibt es auch in Madrid.
Redeaufforderungen gibt es auch in Madrid.(Foto: REUTERS)

Immer wieder brandeten Sprechchöre auf: "Wir wollen, dass geredet wird", hieß es da. Mit Blick auf Ministerpräsident Mariano Rajoy und den Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont, riefen die Menschen: "Redet oder tretet zurück!"

In Madrid fand wenige Hundert Meter vom Rathaus entfernt eine zweite Demonstration statt. Tausende Menschen protestierten hier bei einem "patriotischen Marsch" gegen die Trennungspläne der wirtschaftsstarken Region. Die zentrale Plaza Colón hatte sich in ein Meer aus spanischen Nationalflaggen verwandelt. Die Regierung bezifferte die Teilnehmerzahl auf 50.000. "Ich bin Spanier!", skandierten die Leute. "Katalonien darf sich nicht abspalten, wir sind für die Einheit Spaniens", sagte etwa die Madrilenin Olga.

Ein Meer aus Spanienflaggen bilden Anhänger des einheitlichen Spaniens in Madrid.
Ein Meer aus Spanienflaggen bilden Anhänger des einheitlichen Spaniens in Madrid.(Foto: REUTERS)

Die Fronten zwischen beiden Seiten sind seit einem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober verhärtet. Dabei hatte sich eine deutliche Mehrheit der Wähler für die Abspaltung der Region ausgesprochen. Allerdings waren nur 43 Prozent der Wahlberechtigten zu den Urnen gegangen. Rajoy lehnt jeden Dialog mit Barcelona ab.

Regionalpräsident vertagt Sitzung

Die Zentralregierung hatte mit einem großen Polizeiaufgebot versucht, das vom Verfassungsgericht für rechtswidrig erklärte Referendum zu verhindern. Polizisten schlossen Wahllokale, beschlagnahmten Abstimmungsunterlagen und hinderten Menschen mit Schlagstöcken und Gummigeschossen an der Stimmabgabe. Erst am Freitag entschuldigte sich ein Vertreter Madrids für die Polizeigewalt - hunderte Menschen waren verletzt worden.

Das katalanische Regionalparlament könnte am Dienstag die Unabhängigkeit von Spanien ausrufen. Eine für Montag geplante Parlamentssitzung hatte das spanische Verfassungsgericht verboten, um die Proklamation der Unabhängigkeit zu verhindern. Regionalpräsident Carles Puigdemont verschob daraufhin seinen Auftritt vor dem katalanischen Parlament auf Dienstag.

Mas: Katalonien ist noch nicht bereit

Puigdemonts Vorgänger Artur Mas sagte der britischen Zeitung "Financial Times", Katalonien sei noch nicht reif für die Unabhängigkeit. Jordi Cuixart, Vorsitzender der für Kataloniens Unabhängigkeit eintretenden Gruppe Omnium, sprach sich im katalanischen Radio für eine internationale Vermittlung der Krise aus.

Der spanische Außenminister Alfonso Dastis nannte eine internationale Vermittlung "nicht hilfreich". Dem "Der Spiegel" sagte er: "Die spanische Regierung muss den Rechtsstaat gegen eine Regionalregierung verteidigen, die einen Staatsstreich durchziehen will." Die Madrider Regierung habe dafür "genügend legale Möglichkeiten". Zugleich sei sie offen für "alle möglichen Lösungswege und Reformen".

Quelle: n-tv.de

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