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18 Personen hissten Transparente im sächsischen Landtag. Unter ihnen soll sich der bekannte Neonazi Tony G. befinden.
18 Personen hissten Transparente im sächsischen Landtag. Unter ihnen soll sich der bekannte Neonazi Tony G. befinden.(Foto: Facebook / Identitäre Bewegung)

Zwischenfälle bei Demo: Zweifel an Pegidas Friedfertigkeit wachsen

Demokratisch und vor allem friedfertig - so sieht sich Pegida gerne selbst. Doch in Dresden stürmen am Montag 18 Demonstranten den Landtag, Hooligans rangeln sich mit der Polizei, Migranten werden mit Messern angegriffen.

Nach einem Zwischenfall am Rande der Pegida-Demonstration in Dresden stellt Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler Strafanzeige wegen des Verdachts auf Hausfriedensbruch gegen 18 Mitglieder einer rechten Gruppierung.

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Anhänger der rechtsradikalen, islamfeindlichen "Identitären Bewegung" waren kurz nach Beginn der Pegida-Demo in den noch geöffneten Landtag eingedrungen und posierten dort mit zugeklebten Mündern und Spruchbändern mit Aufschriften wie "Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden" oder "Unser Land – unsere Werte", wie die Sächsische Zeitung berichtet. Zwei der Eindringlinge hätten eine Absperrung überwunden und seien bis ins Foyer gelangt, bevor Sicherheitskräfte sie zurückgedrängt hätten, teilte Rößlers Büro mit.

Mit im Landtag war offenbar auch der bekannte Zwickauer Neonazi Tony G., der mit André Emminger bekannt ist. Emminger steht im NSU-Prozess in Müchen vor Gericht, wie die Leipziger Volkszeitung berichtet.

Die "Identitäre Bewegung" feiert sich bei Facebook für ihre Aktion. Die Gruppierung, die sich klar mit Pegida und "den Patrioten auf Deutschlands Straßen" solidarisiert, wie es auf ihrer Internetseite heißt, wolle mit der Aktion ein "Zeichen gegen das Meinungsdiktat der politisch-medialen Eliten und gegen die gesellschaftlichen Denk- und Sprechverbote" setzen.

Überfall mit Messern und Schlagstöcken

Bei der Pegida-Demonstration selbst rannten rund 150 Personen, die dem Hooligan-Spektrum zuzuordnen sind, vom Ort der Abschlusskundgebung in Richtung der Gegendemonstration, um ihr den Weg abzuschneiden, berichten die Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN). Die Polizei stellte sich ihnen demnach in den Weg, dabei soll es zu Rangeleien gekommen sein.

Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz von der Partei Die Linke kritisierte beide Vorfälle gegenüber den DNN scharf und sagte: "Einige Teilnehmer der Demonstration skandierten 'Zecken klatschen' und wollten offenbar zu einer Gegendemonstration vordringen." Aus ihrer Sicht zeige sich, dass die Pegida-Organisatoren ihre Anhänger nicht mehr im Griff hätten. Dass die Friedfertigkeit ein Mythos sei, werde immer offensichtlicher.

Bereits vor Weihnachten soll es in Dresden zu einem brutalen Überfall von Pegida-Anhängern auf eine Gruppe junger Migranten gekommen sein. Wie die Leipziger Volkszeitung berichtet, sollen die Pegida-Anhänger am Tag des "Weihnachtssingens" die Gruppe mit Schlagstöcken und Messern angegriffen und mehrere von ihnen verletzt haben.

Eine 15-Jährige wollte an Heiligabend Anzeige erstatten, die Polizei habe ihr aber nicht geglaubt, berichtet die "taz". Die junge Migrantin berichtete demnach, bei dem Vorfall hätten zuschauende Passanten Beifall geklatscht.

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Quelle: n-tv.de

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