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Wer, wann und wasImpfungen gegen die Schweinegrippe

19.10.2009, 12:16 Uhr
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Die Impfungen sollen in der letzten Oktoberwoche starten. (Foto: AP)

Bislang sind drei Impfstoffe für die Massenimpfungen gegen die Schweinegrippe zugelassen. Nur einer enthält keine umstrittenen Zusatzstoffe.

Vor dem Start der Massenimpfung gegen die Schweinegrippe sorgen Berichte über eine Sonderbehandlung der Bundesregierung und hoher Bundesbeamter für Empörung. Sie sollen mit einem speziellen Serum geimpft werden, das keine umstrittenen Zusätze enthält und als verträglicher gilt. Bislang sind drei Impfstoffe zugelassen, die anderen zwei enthalten die Zusatzstoffe.

Zusatzstoffe

Die Impfstoffe Focetria des Pharmaherstellers Novartis und Pandemrix von GlaxoSmithKline enthalten neben dem eigentlichen Impf-Antigen verstärkende Zusätze, sogenannte Adjuvanzien, die den Impfstoff effektiver machen. Dabei handelt es sich um Öl-in-Wasser-Verbindungen, die Vitamin E, aus Getreide gewonnenes Polysorbat sowie Squalen enthalten, das zum Beispiel in Haifischleber, Olivenöl und anderen Pflanzenölen wie Weizenkeimöl steckt. Diese Verstärkersubstanzen wurden in der Vergangenheit auch schon bei normalen saisonalen Grippeimpfstoffen verwendet. Der Impfstoff Celvapan des Herstellers Baxter enthält keine Verstärker und gilt deshalb allgemein als verträglicher.

Konservierungsstoffe

Bis auf Celvapan enthalten die Impfstoffe Thiomersal, eine organische Quecksilberverbindung, die zur Konservierung verwendet wird. Celvapan verdirbt deshalb auch viel schneller. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind die Quecksilberverbindungen aber so gering dosiert, dass sie ungefährlich sind - auch für Schwangere.

Kritik am Schnellverfahren

Einige Wissenschaftler und Ärzte kritisieren, die Impfstoffe seien nur ungenügend geprüft und ungeachtet des Risikos möglicher Nebenwirkungen im Schnellverfahren freigegeben worden. Auch wird die Wirkung der Zusatzstoffe auf werdende Mütter und ungeborene Kinder von einigen als problematisch angesehen. Hingegen betonen sowohl das Bundesgesundheitsministerium als auch das RKI und das für die Zulassung für Arzneimitteln zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI), dass alle bisher verfügbaren Impfstoffe sicher seien.

Sollen Schwangere sich impfen lassen?

Schwangere zählen zur Risikogruppe, weil die Schweinegrippe zu Komplikationen führen kann. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden ist nicht bekannt, dass für Schwangere durch die Impfungen eine Gefährdung besteht. Allerdings gibt es bisher keine Erfahrungen und Daten, auf die sich die Experten stützen können. So birgt Pandemrix unter Umständen das Risiko einer fiebrigen Reaktion, die das ungeborene Kind gefährden könnte.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt, bei Schwangeren einen zusatzfreien Spaltimpfstoff zu verwenden, der inaktive Teile des Krankheitserregers enthält und deshalb als verträglicher gilt. Ein solcher Impfstoff ist hierzulande aber bislang noch nicht zugelassen. Nach Angaben des Thüringer Gesundheitsministeriums soll ein solches Präparat voraussichtlich bis Mitte oder Ende November zur Verfügung stehen. Bis dahin, so die Stiko, könne auch "die Anwendung von einer Erwachsenendosis Pandemrix" sinnvoll sein.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Abgesehen von möglichen Risiken der umstrittenen Verstärker können bei allen drei Impfstoffen Nebenwirkung auftreten. Innerhalb von ein bis drei Tagen kann es an der Impfstelle zu leichten Schmerzen, Rötungen sowie einer Schwellung der Lymphknoten kommen. Auch leichte Erkältungssymptome, Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit können auftreten. Berichtet wurde gelegentlich auch über Übelkeit und Erbrechen. (Mehr hier.)

Gibt es Wechselwirkungen zur saisonalen Grippe?

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts gibt es "noch keine klinischen Daten zur zeitgleichen Gabe saisonaler Influenza-Impfstoffe und pandemischer Influenza A (H1N1)-Impfstoffe". Bei Pandemrix werde eine gleichzeitige Impfung zwar nicht ausgeschlossen, doch solle "bedacht werden, dass bei einer gleichzeitigen Gabe der beiden Impfstoffe eine eindeutige Zuordnung von unerwünschten Wirkungen zu einem der beiden Impfstoffe nicht erfolgen kann". In der Praxis sollte eine Impfung bis Ende November erfolgen. Es dauert etwa zwei Wochen, bis der Impfschutz entwickelt ist - wer zwei bis drei Wochen zwischen beiden Impfungen verstreichen lässt, umgeht das Problem der Zuordnung der Nebenwirkungen. Im Übrigen sind die Risikogruppen bei Schweinegrippe und der "Wintergrippe" nicht identisch. Anders als bei der "Wintergrippe" erkranken an der Schweinegrippe vorwiegend jüngere Menschen. Ältere Menschen erkranken weniger häufig.

Welchen Impfstoff erhalten Privatpatienten?

Privatversicherte erhalten Impfstoffe gegen Schweinegrippe mit Wirkstoffverstärker wie gesetzlich Versicherte auch. "Privatversicherte bekommen dasselbe wie alle", sagte der Sprecher des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV), Stefan Reker.

Wie sieht die Impfplanung aus?

Die Impfungen sollen in der letzten Oktoberwoche starten und sind frühestens bei Kindern ab sechs Monaten möglich. Die Länder haben bisher 50 Millionen Dosen Pandemrix geordert. Zudem haben sie die Option für den Nachkauf von weiteren 18 Millionen Dosen Focetria. Normalbürger haben bei zusatzfreien Impfstoffen in der Regel das Nachsehen. Allerdings kann bei manchen der Einsatz aus medizinischer Sicht durchaus gerechtfertigt sein.

Quelle: hvo/AFP