Politik

"Mit großem Schmerz": Bundesverdienstkreuz zurückgegeben

Ulrich W. Sahm

Motke Shomrat zog Konsequenzen.
Motke Shomrat zog Konsequenzen.

Der 74 Jahre alte israelische Reiseführer Motke Shomrat hat am Freitagmorgen um 9 Uhr die deutsche Botschaft in Tel Aviv aufgesucht und Botschafter Harald Kindermann "mit großem Schmerz" sein Bundesverdienstkreuz aus Protest gegen die Ehrung der israelischen Anwältin Felicia Langer zurückgegeben. Langer lebt heute in Tübingen.

Shomrat sagte mir am Telefon, dass er immer "sehr stolz" auf sein Bundesverdienstkreuz gewesen sei. Es wurde ihm 1995 für seine "Verdienste für die Versöhnung zwischen dem jüdischen und deutschen Volk" vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog verliehen. "Ich habe es immer meinen Gruppen im Bus erzählt und viel Applaus dafür geerntet", so Schomrat.

Botschafter Kindermann empfing Shomrat und seine Frau in seinem Büro. Eine Stunde lang hätten sie ein "sehr nettes und freundschaftliches" Gespräch geführt, erzählte der Reiseführer weiter, unter anderem über die Geschichte Israels und jüdischen Selbsthass. Kindermann bedauerte den Beschluss von Shomrat sehr, zeigte aber auch Verständnis: "Wäre ich Israeli, hätte ich wohl auch so gehandelt", sagte der deutsche Botschafter laut Shomrat. Es sei abgesprochen, auch künftig in Kontakt zu bleiben, sagte Shomrat.

Langer (Archivfoto 2006) wird "Täuschung ihres Publikums über Totalität und Kausalität des Nahostkonfliktes" vorgeworfen. Sie setzt sich seit Jahrzehnten für die Rechte palästinensischer Häftlinge in den von Israel besetzten Gebieten ein.
Langer (Archivfoto 2006) wird "Täuschung ihres Publikums über Totalität und Kausalität des Nahostkonfliktes" vorgeworfen. Sie setzt sich seit Jahrzehnten für die Rechte palästinensischer Häftlinge in den von Israel besetzten Gebieten ein.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Shomrat ist der erste, der die Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes nicht nur androht, sondern auch verwirklicht. In Deutschland haben inzwischen der Schriftsteller Ralph Giordano, der Historiker Arno Lustiger und der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Nürnberg, Arno S. Hamburger, in offenen Briefen Bundespräsidenten Horst Köhler aufgefordert, die Ehrung Felicia Langers wieder rückgängig zu machen. Andernfalls sähen sie sich gezwungen, ihre eigene Ehrung abzugeben, um nicht in einer Reihe mit der israelischen Anwältin und Menschenrechtsaktivistin stehen zu müssen.

Langer wurde von mehreren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter dem Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Johannes Gerster, und der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, vorgeworfen, Hass gegen Israel geschürt zu haben und eine Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern oder gar zwischen Juden und Deutschen eher gestört zu haben. Shomrat sagte: "Was hat Langer für Deutschland getan, dass ihr dafür eine solche Ehrung gebührte? Sie hat doch nur Hass geschürt und gegen Israel gehetzt."

Shomrat stammt aus Köln. Er hat den Krieg zunächst in einem Kloster nahe dem belgischen Ort Dimant und später im KZ Mechlen in Belgien überlebt, von wo Juden ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert worden sind. Sein Vater starb im KZ Dachau am Tag der Befreiung.

Ulrich W. Sahm
Ulrich W. Sahm

Der Nahe Osten ist sein Metier. Ulrich W. Sahm berichtet seit Mitte der 1970er Jahre aus der Region. Er ist  immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der Nachricht.

Quelle: n-tv.de

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