Politik

Giordano kritisiert Langer scharf: Die "schrillste Anti-Israel-Fanfare"

Ulrich W. Sahm

Der Kölner Schriftsteller Ralph Giordano protestiert "aufs Schärfste" gegen die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an die in Tübingen lebende israelische Anwältin und "Menschenrechtsaktivisten" Felicia Langer. Ein ebenso geehrter israelischer Reiseführer, Motke Schomrat, hat angekündigt, dass er mit Pressebegleitung demonstrativ sein Bundesverdienstkreuz bei der deutschen Botschaft in Tel Aviv zurückgeben wolle.

Auch Ralph Giordano ist Träger des Bundesverdienstkreuzes; ...
Auch Ralph Giordano ist Träger des Bundesverdienstkreuzes; ...(Foto: picture-alliance/ dpa)

Per Fax schrieb Giordano an einige Bekannte, dass die Ehrung Langers ihn in "einen schweren Konflikt" stürze.

"Niemand hat in den letzten 25 Jahren mit einer an Blindheit grenzenden Einseitigkeit Israel mehr geschadet, als diese angebliche Menschenrechtsanwältin; niemand ist jener verbreiteten Gesinnung, sich vom eigenen Schulddruck durch Kritik an Israel zu entlasten, so weit entgegengekommen, wie sie; niemand hat die 'Pathologie der Umarmung' - 'Hie die bösen Israeli - da die guten Palästinenser' - so konsequent durchgehalten wie diese schrillste Anti-Israel-Fanfare in Deutschland", schreibt Giordano.

Notorische Täuschung

Folgt man der Schule Felicitas Langers, so Giordano weiter in seinem Brief, finde der Nahostkonflikt in einem quasi luftleeren Raum statt, einem regionalen Vakuum, ohne feindliche Umwelt. Die Lebensleistung der Multiplikatorin Felicia Langer besteht in der notorischen Täuschung ihres Publikums über Totalität und Kausalität des Nahostkonflikts.

"Was mich in dieser inzwischen bereits eine Generation andauernden Fehde immer am tiefsten entsetzt hat, ist Felicitas Langers unverbergbare innere Beziehungslosigkeit zur Welt der israelischen Opfer."

... Die Verleihung der Ehrung an Felicia Langer kann er nicht nachvollziehen.
... Die Verleihung der Ehrung an Felicia Langer kann er nicht nachvollziehen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der 74 Jahre alte israelische Reiseführer Motke Shomrat sagte, dass die Ehrung Langers, die in Israel bis 1990 die schlimmsten palästinensischen Terroristen vor Gericht vertrat und auch in der Öffentlichkeit für sie Partei ergriff, "eine Schande für die Bundesrepublik" sei.

Shomrat hatte das Bundesverdienstkreuz 1995 für seine "Verdienste für die Versöhnung zwischen dem jüdischen und deutschen Volk" vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog verliehen bekommen. "Es ist mir unbegreifbar, dass die Bundesrepublik sich von ihrer Nazi-Vergangenheit befreien will und gleichzeitig eine Jüdin auszeichnet, die den heutigen neuen Hitler (Ahmadinedschad) stützt, der zur Vernichtung des Staates Israel aufruft", sagt Shomrat, der aus Köln stammt, in einem Kloster nahe dem belgischen Ort Dimant und später im KZ Mechlen in Belgien den Krieg überlebte. Sein Vater starb im KZ Dachau am Tag der Befreiung.

Offenes Protestschreiben

Ein offenes Protestschreiben verbreitete auch Pastor Albrecht Lohrbächer, Vorsitzender des Freundeskreis Weinheim-Ramat Gan und des Freundeskreises Kirche und Israel in Baden. Der Brief war an Staatssekretär Hubert Wicker gerichtet, der am vergangenen Donnerstag in Stuttgart Langer das Bundesverdienstkreuz überreicht hat für ihr "jahrzehntelanges, herausragendes Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Wahrung der Menschenrechte."

Lohrbächer schreibt: "Ich war bisher stolz auf die klare Linie unserer Kanzlerin in Sachen Israel, ihre Reden und bisherigen Verhaltensweisen sind beispielhaft. Mit der Verleihung und der Laudatio schlagen Sie ihr ins Gesicht und stellen sie als Lügnerin dar - das muss ich so scharf sagen, weil alles, was Langer seit Jahren sagt und tut, gegen den Staat Israel gerichtet ist und Israel delegitimiert." Der Pastor fragt den Staatssekretär aus Baden-Württemberg: "Ist es Ihr Ziel, dazu beizutragen, dass Israel endlich beseitigt wird? Anders kann man Ihr Tun und Reden nicht interpretieren. Es ist eine wahre Schande!"

Ulrich W. Sahm
Ulrich W. Sahm

Der Nahe Osten ist sein Metier. Ulrich W. Sahm berichtet seit Mitte der 1970er Jahre aus der Region. Er ist  immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der Nachricht.

Quelle: n-tv.de

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