Politik

Zwischenruf: Papst Franziskus: Herakles oder Sisyphos?

Ein Kommentar von Manfred Bleskin

Die Vatikanbank ist skandalumwittert wie kaum eine andere Einrichtung der römisch-katholischen Kirche. Ein Finanzexperte und Malteserritter aus Deutschland will in dem Geldinstitut aufräumen. Eine schwierige Aufgabe.

Die wahren Probleme der katholischen Kirche ist Franziskus noch nicht angegangen.
Die wahren Probleme der katholischen Kirche ist Franziskus noch nicht angegangen.(Foto: AP)

Papst Franziskus erinnert bislang ein wenig an den Maurer in Otto Reutters Couplet vom gewissenhaften Maurer, der immer wieder verkündet, das Loch im Dach zu reparieren und es am Ende doch nicht schafft. Die öffentliche Ankündigung des neuernannten Chefs der Vatikanbank, Ernst von Freyberg, nun endlich aufzuräumen mit dem schlechten Image des Instituts hat immerhin fast vier Monate auf sich warten lassen. Schlimm genug steht es um das Erscheinungsbild des Istituto per le Opere di Religione (IOR), wie die Bank offiziell heißt. Was da alles unter "Werke der Religion" subsumiert wurde, ließ nicht nur den Mönchen die Haare um die Tonsur zu Berge stehen. Schmiergeldzahlungen und Geldwäsche für die italienische Mafia waren da noch die geringsten Vorwürfe.

Der Versuch, die Finanzinstrumente der römisch-katholischen Kirche zu reformieren, war schon einmal gescheitert. Nach dem Crash des Banco Ambrosiano mit den ungeklärten Todesfällen führender Mitarbeiter Ende der achtziger Jahre sollte es 1992 noch einmal von vorn losgehen. Das Ergebnis war, wie Gianluigi Nuzzi in seinem Buch "Vatikan AG" schreibt, "eine gigantische Geldwaschanlage mitten in Rom".

Kurie ist mächtig und undurchsichtig

Der Malteserritter von Freyberg unternimmt also in gut zwei Dekaden nochmals einen Versuch, den Augiasstall auszumisten. Das gelang selbst dem Halbgott Herakles in der griechischen Mythologie nur mit Hilfe der Umleitung zweier Flüsse. Mit den Wassern des Tibers dürfte es schwierig werden, so nahe das IOR auch an Roms Fluss liegen mag. Die römische Kurie ist eine gar mächtige und undurchsichtige Institution.

Nach US-Präsident Barack Obama ist kaum eine Persönlichkeit in der jüngeren Geschichte so mit Vorschusslorbeeren bedacht worden wie Papst Franziskus. "Sie werden sich noch wundern, was Franziskus ausrichtet", hatte sogar der Befreiungstheologe Leonardo Boff dem "Spiegel" erzählt. Wunder sind bis jetzt ausgeblieben. Es reicht nicht aus, am Gründonnerstag Sträflingen die Füße zu waschen, auf rote Samtschuhe zu verzichten, in einem Gästehaus zu wohnen und Mitarbeiter der Müllabfuhr zum Frühgebet zu laden. Die wahren Probleme der Weltkirche, wie sie sich selbst gern nennt, ist Franziskus noch nicht angegangen. Er muss sich eilen, damit sie nicht auch ihm über den Kopf wachsen. Der gute Wille reicht nicht: Dem griechischen Sagenhelden Sisyphos ist der Stein am Berge immer wieder vor die Füße gerollt.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 das politische Geschehen für n-tv. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Manfred Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

Quelle: n-tv.de

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