Politik

IS-Cyberangriff auf TV5 Monde: "Cyberkrieg ist der neue Guerillakrieg"

Islamistische Hacker legen den französischen TV-Sender TV5Monde lahm. Es ist nicht ihr erster digitaler Angriff auf die Medienwelt. Erschreckend ist er dennoch. Diese Attacke stellt unter Beweis, wie anfällig die digitalisierte westliche Welt für den Terror aus dem Netz ist. Die Politik spricht dem betroffenen Sender ihre Solidarität aus. Eine Strategie gegen solche Angriffe präsentiere sie jedoch nicht, kritisiert die Presse.

"Die Weltgemeinschaft hätte sich längst ein verbindliches Regelwerk für den Cyberspace geben müssen", erkennt die Süddeutsche Zeitung. Das Netz biete alle "Vorteile der asymmetrischen Kriegsführung: Man kann sich verstecken, man kann aus dem Hinterhalt angreifen, man kann mit wenig viel erreichen. Cyberkrieg ist der neue Guerillakrieg." Doch der offen ausgetragene Cyberkonflikt zwischen den ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats China und den USA würde ein konsequentes Vorgehen gegen Netzangriffe durch die Vereinten Nationen verhindern. Dabei müsse gerade diese Attacke auf TV5Monde die westliche Welt daran erinnern, "dass sie lieber vorbeugen sollten als große Sprüche zu machen am Morgen danach."

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Auch die Nürnberger Zeitung entlarvt den islamistischen Angriff als "Weckruf für den Westen" und zieht Bezüge zum nordkoreanischen Sony-Hack. Sowohl kleine Staaten wie Nordkorea als auch der IS seien "in einer direkten militärischen Auseinandersetzung dem Westen hoffnungslos unterlegen". Daher setzen sie auf die Hacker, die darauf abzielen, "einen starken Gegner langsam zu zermürben".

Das Know-How der Cyberterroristen erscheint der Augsburger Allgemeinen auch aus einem anderen Grund besonders bedrohlich. Das Blatt blickt in die Zukunft und stellt sich die Frage: "Wenn es bei einem TV-Sender klappt, könnte es dann nicht auch in einem Elektrizitätswerk, im Stellwerk der Eisenbahn oder im Tower eines Flughafens funktionieren?" Die Politik solle schnellstmöglich handeln und neue Prioritäten bei der Terrorbekämpfung setzen. "Das Thema Cybersicherheit muss ganz nach vorne auf die politische Agenda!", plädiert die Zeitung.

Für die Welt ist das ganze "kein besonders ausgeklügelter Hackerangriff". Doch gerade das bereite Kopfzerbrechen. Die Attacke beweise, wie anfällig das hochentwickelte Europa für derartige Angriffe sei und wie sehr man die Fähigkeiten des IS und anderer Terrororganisationen unterschätzt habe. "Einerseits entspricht unser Bild von den Gotteskriegern nicht der Wirklichkeit, sie besitzen nämlich modernstes IT-Wissen und bewegen sich nur moralisch in der Steinzeit. Zum Zweiten herrscht hierzulande eine erschreckende Sorglosigkeit was den Schutz digitaler Infrastruktur angeht." Neue Reglements müssten geschaffen werden. Doch dem stehen der Welt zufolge "Manöver der Wirtschaftslobby" im Weg.

Die digitalen Fähigkeiten des IS zu unterschätzen ist fahrlässig, schreibt der Bonner General Anzeiger. Nicht zuletzt der "enorme Erfolg der IS-Headhunter bei der Rekrutierung von Nachwuchs", zeige, welches Potenzial die Terrorgruppe im Netz entwickelt. "Schon jetzt gilt Experten die Gefahr, die durch Online-Radikalisierung ausgeht, als ebenso groß wie die Gefahr durch zurückkehrende Kämpfer," resümiert die Zeitung.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung erkennt in den Cyberattacken des IS jedoch nicht nur Stärke: "Indem der IS den Fernsehsender ausgesucht hat, zeigt er, wovor er sich fürchtet: vor der Anziehungskraft der freien Welt." Der Westen muss das erkennen und darf sich im Kampf gegen die Terroristen über Hilfe von unerwarteter Seite freuen: Das Hackerkollektiv Anonymous verteidige - ebenso wie die westlichen Regierungen - unsere Freiheit. Es "greift Webseiten und Soziale Medien des IS an, um die Terroristen an der Verbreitung ihrer menschenverachtenden Ideologie zu hindern." Diese Hilfe dürfe die Politik nicht ausschlagen, wenn sie dem IS Einheit gebieten wolle.

Zusammengestellt von Katja Belousova

Quelle: n-tv.de

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