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(Foto: picture alliance / dpa)

Nordkoreas Wasserstoffbombentest: "Kim macht die Welt wieder unsicherer"

Nordkorea lässt mal wieder die Muskeln spielen. Stolz verkündet das Staatsfernsehen den erfolgreichen Test einer Wasserstoffbombe. Eine derartige Waffe verfügt über eine weitaus größere Zerstörungskraft als eine Atombombe. Ob das Land wirklich in der Lage ist, eine H-Bombe zu bauen ist umstritten. Die Presse mahnt dessen ungeachtet, das Säbelrasseln ernst zu nehmen.

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Die Neue Presse zweifelt zwar an der neuesten "Erfolgsmeldung" des autoritären Regimes aus Nordkorea, fordert die internationale Staatengemeinschaft dennoch zum Handeln auf: "Dass Nordkorea jetzt tatsächlich über die furchterregende Wasserstoffbombe verfügt, darf bezweifelt werden. Aber eine hochgetunte Atombombe mit der Kraft, zwei Kleinstädte in Nullkommanichts in eine trostlose Ruinenlandschaft zu verwandeln, reicht aus, um das bizarre Regime ernst nehmen zu müssen. Der Familienclan von Pjöngjang wäre längst vom Erdboden gefegt worden, würde er nicht über diese Waffen verfügen. Deswegen stecken die Kims auch alle verfügbaren Mittel in die nukleare Rüstung, statt das hungernde Volk zu sättigen. Dass sich Kim & Co. bedroht fühlen, hat allerdings auch mit der enormen Aufrüstung in Asien zu tun. Wer sich über die nordkoreanische Atombombe - zu Recht - aufregt, müsste das neue Wettrüsten selbst erst mal stoppen."

Auch die Saarbrücker Zeitung schenkt dem neuesten Säbelrasseln aus Nordkorea keinen Glauben: "Die Behauptung, schon eine Wasserstoffbombe zu besitzen, wird sich zwar fast sicher als Angeberei erweisen." Doch die Ambitionen des jungen Machthabers seien eindeutig, kommentiert die Zeitung weiter und orakelt düster: "Eine Wasserstoffbombe in Verbindung mit einer Mittelstreckenrakete würde die Millionenstädte Peking und Tokio zu Kims Geiseln machen. Also die Zentren der zweit- und der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, die für das Funktionieren der Weltwirtschaft unersetzlich sind. Die Regierungen beider Länder verfügen zudem ihrerseits über zwei der stärksten Armeen auf dem Planeten. (...) Kurz: In der Region wächst die Gefahr eines unübersichtlichen Konflikts."

Die Märkische Oderzeitung betont im Zusammenhang mit der von Nordkorea ausgehenden nuklearen Bedrohung die Verantwortung Chinas: "China ist in dem Spiel die wichtigste Größe. Denn westliche Sanktionen gegen das abgeschottete Nordkorea haben die aggressive Politik bisher nicht stoppen können. Es liegt also in den Händen Pekings, einen künftigen - zufälligen oder bewussten - Atomschlag vor seiner Haustür zu verhindern."

"Welche Konsequenzen wird der neue Fall von Missachtung für Nordkorea haben?", fragt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die wenig optimistische Antwort liefert das Blatt gleich mit: "Da niemand bereit ist, Nordkorea als offizielle Atommacht anzuerkennen, müssten strenge Strafmaßnahmen gegen das Land verhängt werden. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn niemand ist bereit, die Verantwortung für die Folgen eines Zusammenbruchs des Landes zu übernehmen. Das hat am wenigsten mit den zu erwartenden Kosten zu tun. Vielmehr fürchten sowohl China als auch Amerika und Japan, eine oder mehrere Mächte könnten durch tiefgreifende Veränderungen auf der koreanischen Halbinsel strategische Vorteile erlangen. Es ist also leider mehr als wahrscheinlich, dass Kim Jong-un auch diesmal mit einem blauen Auge davonkommen wird. Aber darf sich Proliferation wirklich lohnen?

Zusammengestellt von Aljoscha Ilg.

Quelle: n-tv.de

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