Politik

Kopplung des Franken an den Euro: "Schweizer sind ja nicht irre"

Die Schweizer Geldhüter greifen zur Notbremse und stoppen den Rekordflug des Franken zum Euro mit einer strikten Obergrenze. Künftig wollen die Währungshüter in Zürich keinen Euro-Kurs unterhalb von 1,20 Franken pro Euro tolerieren. Faktisch heißt das: 1 Franken soll künftig höchstens 0,833 Euro wert sein. Grund: Die massive Überbewertung des Frankens stellt eine akute Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft dar - "ein weiteres Symptom der Krise".

Die Schweizer Nationalbank (SNB) reagiert auf die jüngste Rekordjagd des Schweizer Franken und legt einen Mindestkurs zum Euro fest.
Die Schweizer Nationalbank (SNB) reagiert auf die jüngste Rekordjagd des Schweizer Franken und legt einen Mindestkurs zum Euro fest.(Foto: dpa)

Für das Handelsblatt spielt die Schweizerische Nationalbank ihre letzte Karte aus: "Sie bindet den Franken an den Euro und definiert eine Kursuntergrenze. Die Notenbank lässt sich damit auf eine Pokerpartie mit den Devisenmärkten ein. Je glaubwürdiger der 'Bluff', desto geringer ist die Gefahr, dass die Märkte am Ende 'sehen' wollen und die Untergrenze austesten", ist in der Wirtschafts- und Finanzzeitung aus Düsseldorf zu lesen. Das Problem dabei sei aber, dass der Erfolg der Aktion letztlich nicht in der Hand der Notenbank liege: "Der Kurs des Frankens hat schon lange nichts mehr mit Fundamentaldaten oder Geldpolitik zu tun, sondern wird allein von Angst bestimmt: der Angst, dass die Euro-Zone ihre Schuldenprobleme nicht in den Griff bekommt".

Der Münchner Merkur beugt möglicherweise aufkommenden Missverständnissen entgegen: "Aus Verzweiflung über wegbrechende Exportmärkte kettet die Schweiz ihren als Fluchtwährung hoffnungslos überteuerten Franken an den Euro, und nicht etwa wegen dessen unwiderstehlicher Anziehungskraft". Für die Kommentatoren handelt es sich dabei "um ein weiteres Symptom der Krise, nicht um einen Beitrag zu ihrer Lösung. Und als weiteres, dringend benötigtes Zahlerland für das abgebrannte Euroland stellt sich die Eidgenossenschaft selbstredend nicht zur Verfügung. Die Schweizer sind ja nicht über Nacht irre geworden".

"Die Schweizer haben es satt, ihren Franken als Fluchtwährung für die lahmende Weltkonjunktur und die Währungskrise in Europa zur Verfügung zu stellen. Sie haben die Notbremse gezogen", kommentiert die Westdeutsche Zeitung. "Ehe der Leidensdruck der Exportwirtschaft zu groß wird und die nächste Wintersport-Saison floppt, wurde kurzerhand der Franken - jedenfalls vorübergehend - an den Euro gekoppelt".

Dass der "Leidensdruck" für die Schweizer einfach zu groß gewesen sei, stellt auch die Mitteldeutsche Zeitung fest: "Wegen des starken Frankens brannte es in der Schweizer Wirtschaft an allen Ecken und Enden. Die Exporteure bangen um ihre Geschäfte, Touristen bleiben weg - und im Inland begann schon eine gefährliche Deflationsspirale, weil Handelsketten die Eidgenossen nur mit Billigstpreisen vom Einkauf im benachbarten Ausland abhalten konnten". Ob die faktische Koppelung des Franken an den Euro auf Dauer erfolgreich sein kann, bleibt nach Ansicht der Zeitung aus Halle abzuwarten. Klar sei aber: "Der Luxus einer eigenen Währung im Herzen Europas kann für die Schweiz teuer werden. Das sollten alle jene bedenken, die heute das Ende des Euro heraufbeschwören".

Bilderserie
Video

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen