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Die schlauen Klamotten: Textilien mit Elektrobauteilen

Kleider machen Leute, sagt der Volksmund. Kleidung hält warm und schützt uns vor schlechter Witterung. So war es bisher. Doch die Zukunft von Textilien könnte sehr spannend sein. Mit unfühlbar eingewebten elektronischen Bauteilen wird Kleidung zur Schnittstelle zwischen Körper und Computer.

Es wird früh dunkel jetzt im Herbst – wer da zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, sollte das Licht einschalten – nicht nur am Fahrrad, sondern in Zukunft auch in der Kleidung. In speziellen Hightech-Jacken sind zwischen Innenfutter und atmungsaktiver Außenhaut LEDs eingearbeitet. Weil die sehr wenig Strom verbrauchen hält der Akku extrem lange.

Andreas Merkel, Reporter: "Das ist natürliche eine prima Sache für Radfahrer, da wird man auch bei Dunkelheit besser gesehen und für Fußgänger gibt es dieses Pendant: Einen Mantel und der fängt erst an zu leuchten wenn er beleuchtet wird. Zum Beispiel von einem Autoscheinwerfer."

Bis jetzt sind diese Kleidungsstücke Prototypen. Doch eine Serienfertigung wäre sofort möglich. Für die Forscher ist dabei vor allem eines Wichtig: Stoffe und Elektronik müssen so verbunden werden, dass sich die Textilien genauso anfühlen wie herkömmliche Gewebe.

Philipp Foerster, Diplom Ingenieur, Fraunhofer Institut: "Um so die Flexibilität zu erhalten kann man Polyuretanleiterplatten zu benutzen. Die haben den Vorteil, dass sie unheimlich flexibel und dehnbar sind. In einem Prozess aus Druck und Temperatur laminieren wir diese auf. Und dadurch wird im Prinzip die Flexibilität des Trägers gar nicht eingeschränkt."

Aus speziellem Wollstoff könnte ein Schal oder ein Mantel werden. Vor allem für Kinder – zum Beispiel auf dem Schulweg – ein großes Sicherheitsplus, wenn er leuchtet.

Esther Zahn, Modedesignerin: "Das sind super kleine Mini LEDs, die in den Stoff mit eingewoben werden. Die sind auf leitfähigem Garn aufgelötet und werden dann beim Weben mit in den Stoff eingetragen. Und es ist auch, wenn die aus sind, auch kaum sichtbar."

Eingewebte Lampen, ein Stoff der unter Strom steht? Wie soll man sowas denn mal waschen, wenn es schmutzig ist?

Esther Zahn, Modedesignerin: "Nein, das kann man im Moment noch nicht waschen. Aber man würde ja sonst auch nicht einfach seinen Wollmantel in die Waschmaschine stecken. Also wie bei jedem anderen Wollmantel auch muss man den in die Reinigung geben."

Damit die futuristischen Materialkombinationen tatsächlich Zukunft haben, darf die Elektronik beim Waschen kein Problem sein.

Christine Kallmayer, Physikerin: "Die Elektronik muss hier das gleiche aushalten was auch die Textilie aushalten muss. Und hier ist insbesondere der Waschvorgang eine große Herausforderung. Und erstaunlicherweise ist es nicht das Wasser und das Waschmittel sondern die rein mechanische Beanspruchung, die das Problem darstellt."

Doch den Forschern geht es um viel mehr als nur um Lichtspiele. Die Gewebe sollen Schnittstelle zwischen Körper und Computer sein. Der handgefertigte Stoff dieser Künstlerin reagiert auf Berührung – und zwar je nach dem wo man ihn anfasst.

Paula van Brummelen, Künstlerin: "Oben im Stoff sind eher die höheren Töne und unten eher die tiefen. Und es funktioniert so, dass die Strukturen, also die sind aus Papier gefaltet von Hand. Und die sind an den Außenseiten, die sie sehen, das ist Graphitspray, mit dem das Papier beschichtet wurde. Und wenn sich die Einzelteile sich berühren, mach das einen Kontakt. Und das läuft dann hinten über leitfähige Garne."

Dass die Designer gern mit Klängen oder mit Licht spielen liegt daran, dass das den Effekt am besten begreifbar macht. Doch statt Tönen oder Licht könnten die Rechner die Signale auch in alles Mögliche andere umwandeln.

Christine Kallmayer, Physikerin: "Das schöne ist, dass diese neue Technologie die Phantasie anregt und alle Leute, Designer und Leute aus der Elektronikindustrie Ideen für Produkte haben, die bisher gar nicht möglich waren."

Textilien der Zukunft sind interaktiv! Das weiße Kleid wandelt die Atmung des Models um in elektrische Impulse – wieder dargestellt mit Licht.

Lisa Spannknebel, Studentin: "Es fühlt sich an wie ein ganz normaler Stoff. Es ist sehr bequem auch. Ja, ich finde es noch ein bisschen ungewohnt. Aber es ist auf jeden Fall ne tolle Sache."

Anja Günther, Studentin: "Bei ihr reagiert es ja auf die Atmung, bei mir reagiert´s auf Bewegung. Also, je schneller ich mich bewege, umso mehr fängt es an zu funkeln und ich finde es echt super. Total schön."

In dieser Form schmückt es nur, doch in der Medizin könnte es eine Revolution bedeuten, wenn die Kleidung Kranke überwacht. Überwachungsfunktion hat auch ein Rucksack – seine eingearbeitete Elektronik schützt vor Langfingern.

Andreas Merkel, Reporter: "Bei diesen Ideen, hat nicht mal der Ideenklau Zukunft."

Bei elektronisch codierten Textilien lassen sich nämlich auch ganz leicht echte Markenprodukte von Plagiaten unterscheiden. Und das dass ein Fortschritt ist, leuchtet wohl jedem ein.

Quelle: n-tv.de