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Aus alt mach neu: "Upcycling" liegt im Trend

Aus alt mach neu und besser. So oder so ähnlich lässt sich wohl am besten ein neuer Trend beschreiben, der auf den neudeutschen Namen "Upcycling" hört. Anders als beim recycling wandern die Rohstoffe allerdings nicht über die Sortierbänder der Müll-Unternehmen, sondern gehen durch die Hände von Designern und Kreativen. So ist das Ergebnis auch ein völlig anderes.

Eigentlich ist er Hochzeits-Fotograf, aber seit rund einem Jahr hat Torsten Kärsch seine Liebe zum Upcyclen entdeckt.  In der alten Werkstatt seines Opas baut er aus gebrauchten Holzpaletten neue Möbel. Die Idee dazu hatte er aus ganz praktischen Gründen: sten Kärsch, Upcycler: "Ich bin zum Upcycling über meinen Couchtisch gekommen, der ist kaputt gegangen letztes Jahr und da musste ein neuer her. Mein Opa ist Schreiner, da liegt das Holz natürlich ganz nah, und ich hab meinen Tisch ganz einfach dann aus einer Palette gebaut."

Möbel mit individuellem Look

Aus einem minderwertigeren Material werden ausgefallene Möbelstücke: Vom Couchtisch auf Rollen, Kopfteilen fürs Bett, sogenannten Headboards, über horizontale Gärten bis hin zu einer kompletten Terrasse. Mittlerweile verkauft der 28-jährige die Möbel aus alten Holzpaletten sogar übers Internet, mit Erfolg - wie er erzählt: "Die kommen gut an, die Kunden haben was individuelles zu Hause stehen, etwas was Geschichte hat, eine Palette, die hat mehrere tausend Kilometer hinter sich und so ist jede Palette ein Einzelstück."

Zu gut für die Tonne- das haben sich auch die Möbelkünstler Manfred Weichert und Ulrike Staar gesagt. Mit viel Liebe zum Detail entwerfen und bauen sie zum Beispiel Kommoden aus weggeworfenen Holzresten und alten Schubladen. Es dauert oft Wochen bis das upgecycelte Möbelstück fertig ist, erläutert Ulrike Staar von andercover: "Es ist schon sehr faszinierend, diese Möbel zu bauen, da sehr viele Leute alte Möbel wegwerfen, überhaupt nicht das Potential dieser Möbel erkennen. Dass man eben daraus eben was ganz anderes fertigen kann, und dann noch im Zusammenhang mit den ganzen Resten, die wir verarbeiten und die wir in einem fürchterlichen Zustand bekommen. Staubig, verdreckt, durcheinander und wenn man dann hinterher das fertige Möbel sieht, ist das schon ein erhebendes Gefühl, kann ich sagen."

Gerade weil ihre Stücke nicht wie aus einem Guss sind, sondern durchaus ihren eigenen Look haben, sind die beiden oft auf Messen unterwegs. Denn ihre Anfertigungen sind auf spezielle Art und Weise einzigartig- und das müssen selbst Möbelbegeisterte erst einmal begreifen. Ob eine Kommode aus einem gebrauchten Lattenrost oder eine stylische Hausbar aus einem altem Nähmaschinenschrank.

Upcycling kommt mittlerweile bei vielen Möbelliebhabern richtig gut an, erzählt Ulrike Staar: "Ich glaube oder ich hoffe, dass langsam diese Geiz ist Geil-Mentalität bei den Leuten nachlässt und sie wirklich erkennen, dass unsere Ressourcen nicht unbeschränkt verfügbar sind, dass Holz eben immer da ist, usw. und dass sie eben weggehen von diesem "Ich muss jedes Jahr ein neues Möbel haben und dass der Trend dahin geht, etwas langlebiges zu haben, was man eventuell auch noch vererben kann."

Upcycling in Mode

Abfälle nicht nur wiederverwerten, also recyclen, sondern aufwerten: Upcycling ist sogar in der Modewelt in! Das Kölner Unternehmen Opaco stellt Taschen aus kaputten Feuerwehrschläuchen her. Die werden gereinigt und aufgeschnitten: "Dadurch entsteht bei den Taschen der charakteristische Knick. Danach werden die Schläuche im Transferdruck bedruckt. Und zwar werden ganze Schlauchbahnen bedruckt mit dem entsprechenden Design und danach wird aus diesem Schlauch, der bedruckt ist, die Tasche gefertigt.", erläutert Brigitte Schumacher von Opaco.

Wie man aus wertlosen Dingen wieder etwas wertvolles machen kann - Ideen gibt es genug! Also, lieber nochmal nachdenken, bevor man etwas wegschmeißen will. Das Gute am Upcycling ist nämlich: Wer handwerklich ein bisschen geschickt ist, kann viele schöne Produkte herstellen und dabei sogar richtig Geld sparen.

Quelle: n-tv.de