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Das Kloster Qarantal auf dem "Berg der Versuchung" bei Jericho.
Das Kloster Qarantal auf dem "Berg der Versuchung" bei Jericho.(Foto: dpa)

Jericho feiert allein: 10.000. Geburtstag ohne Gäste

Es ist die älteste noch bewohnte Stadt der Welt, dazu noch die am tiefsten gelegene, doch zum 10.000. Geburtstag von Jericho im Westjordanland kommen keine Gäste. Die Schuld schieben sich nun alle gegenseitig zu.

Was für eine Enttäuschung: Jericho, die älteste noch bewohnte Stadt der Welt, feiert ihr 10.000-jähriges Bestehen - und keiner kommt hin. Mit einem Ansturm von mindestens einer halben Million Touristen hatten die Organisatoren gerechnet. Am Ende blieben die Palästinenser nahezu unter sich. Selten ist die Vermarktung eines solch geschichtsträchtigen Jubiläums derart misslungen.

Und dabei ist Jericho auch ohne Jahrestag immer eine Reise wert. Wer von Jerusalem hinunter an das Tote Meer fährt, entdeckt sofort in einer Senke die weithin sichtbaren Dattelpalmen der grünen Wüstenoase. "Was Jericho so einzigartig macht ist, dass es nicht nur die älteste Stadt der Welt ist, sondern auch die tiefstgelegene", sagt Bürgermeister Hasan Saleh. 250 Meter unter dem Meeresspiegel - das ist schon ein Erlebnis für sich.

Die heute 20.000 Einwohner zählende Stadt hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Nach biblischer Überlieferung sollen die Stadtmauern durch dröhnende Posaunen eingestürzt sein. Mit einer Seilbahn geht die Fahrt auf den "Berg der Versuchung". Ein griechisch-orthodoxes Kloster soll genau an jener Stelle stehen, wo Jesus der Überlieferung zufolge nach seiner Taufe im Jordan 40 Tage lang fastete und vom Teufel in Versuchung geführt wurde.

Noch keine Kanalisation

Auch das moderne Jericho macht Schlagzeilen. Nach 10.000 Jahren gibt es beispielsweise noch keine richtige Kanalisation. Während des Sechstagekrieges von 1967 besetzte Israel die Stadt. Im Zuge der Osloer Verträge erhielt Jericho 1994 als eine der ersten Palästinenserstädte den Autonomiestatus. Israelis strömten fortan in die Wüstenstadt - nicht zuletzt wegen des Casinos. Nach Ausbruch des palästinensischen Volksaufstandes (Intifada) im September 2000 glich das von Israel wieder besetzte Jericho über Jahre einer Geisterstadt.

Jericho ist heute wieder unter palästinensischer Verwaltung. Allerdings dürfen israelische Staatsbürger nicht offiziell in die Stadt fahren. Dafür sind im vergangenen Jahr nach Angaben der palästinensischen Tourismuspolizei 1,5 Millionen Touristen in die Stadt gekommen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Und so hegten die Organisatoren für die 10.000-Jahr-Feier hochfliegende Pläne. Eine Laser-Show, Feuerwerk, ein Festival ausländischer Musikgruppen und natürlich jede Menge Staats- und Regierungschefs. Es blieb beim Träumen. Am Ende spielten eine palästinensische und eine norwegische Musikgruppe. Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajad verlegte eine Sitzung seines Kabinetts von Ramallah nach Jericho und weihte dabei neue Projekte ein. Seitdem gehen die vereinzelten Veranstaltungen weitgehend unbemerkt über die Bühne. Von großer Wiedergeburt, wie viele gehofft hatten, ist keine Rede.

Die Schuld schieben sich alle gegenseitig zu. Die einen meinen, dass die stets klamme und knausrige Autonomiebehörde alles vermasselt habe. Andere Bürger kritisieren die mangelhafte und späte Planung der Organisatoren. "Es wird noch einiges kommen", verspricht die palästinensische Tourismusministerin Choloud Deibis. "Die 10.000-Jahre-Feierlichkeiten bedeuten nicht, dass nur an einem Tag gefeiert wird." Mit allerlei Projekten könnten die Feiern noch drei oder vier Jahre weitergehen.

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Quelle: n-tv.de

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