Reise

Tabuthema unter deutschen Hoteliers: Bettwanzen werden zur Plage

In US-amerikanischen Schlafzimmern und Hotels haben sich Bettwanzen zu einer Plage entwickelt. Auch in deutschen Betten sind die Tiere aktiv. Der Betreiber einer großen Hotel- und Hostelgruppe fordert mehr Offenheit in seiner Branche.

Überbleibsel der Fußball-WM: Bettwanzen.
Überbleibsel der Fußball-WM: Bettwanzen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Sie sind nur wenige Millimeter klein, aber äußerst hartnäckig und lästig: Bettwanzen. Jahrzehntelang blieben deutsche Schlafzimmer weitgehend von ihnen verschont. Doch mit dem zunehmenden Reiseverkehr und den Internethandel mit gebrauchter Kleidung und alten Möbeln sind die Insekten mobiler denn je. Nur selten sprechen Hotelbetreiber offen über das Problem - wie nun der Vorstandsvorsitzende der A&O Hotels and Hostels AG, Oliver Winter.

"Wir haben derzeit etwa zehn Fälle von Bettwanzenbefall im Jahr", sagt Winter. Bei etwa 400.000 Übernachtungen pro Jahr in Berlin liege dieser Wert zwar im Promillebereich, sei aber dennoch ein Ärgernis. "2006 war es extrem schlimm. Zur Fußball-Weltmeisterschaft kamen Leute aus aller Welt und brachten die Wanzen mit", erklärt der Hotelier.

Personal geht auf Spurensuche

"Im Hintergrund werkeln alle. Sie sprühen, tun und machen", erzählt Winter über Branchenkollegen. Doch offen äußern wolle sich niemand. Bettwanzen seien ein Tabuthema, obwohl ja niemand etwas dagegen tun könne, wenn der Gast sie im Koffer mitbringe.

"Im Hintergrund werkeln alle. Sie sprühen, tun und machen", so Winter über das Tabuthema Bettwanzen in deutschen Hotelbetten.
"Im Hintergrund werkeln alle. Sie sprühen, tun und machen", so Winter über das Tabuthema Bettwanzen in deutschen Hotelbetten.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die Tiere, die sich tagsüber in Ritzen, Steckdosen oder auch hinter Tapeten verstecken, hinterlassen kleine Kotspuren oder auch Blutflecken auf den Laken. Das Personal werde geschult, die Spuren zu erkennen. Außerdem seien die Holzmöbel durch Metallbetten ersetzt worden, erklärt Winter. "Die Wanzen mögen das kalte Metall nicht."

Zahlen deuten darauf hin, dass die Plage schlimmer wird. "2009 waren unsere Betriebe in Berlin 471 Mal in Sachen Bettwanzen unterwegs", berichtet Mario Heising, Chef der Berliner Landesgruppe im Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband. 2007 waren es nur 210 Einsätze. Die Dunkelziffer liege sicher höher.

Nur professionelle Bekämpfung hilft

"Die Stiche sind schwer von anderen Insektenstichen zu unterscheiden", sagt Erik Schmolz vom Umweltbundesamt. Markant sei bei Wanzenstichen jedoch, dass sie oft dicht beieinander liegen. Problematisch sei es, wenn die Hoteliers nicht reagierten oder aus Kostengründen den Bekämpfungsaufwand gering hielten. Eine gründliche Zimmerreinigung genüge nicht. Gegen Wanzen helfe nur professionelle Schädlingsbekämpfung.

Bilderserie
Video

Quelle: n-tv.de