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Willkommen im Felsenhotel "La Claustra" in der Schweiz. Das Vier-Sterne-Haus war einst ein Bunker.
Willkommen im Felsenhotel "La Claustra" in der Schweiz. Das Vier-Sterne-Haus war einst ein Bunker.(Foto: REUTERS)

Ausspannen hinter dicken Mauern: Bunker werden zu Hotels

Von Kira Pieper

Während der Weltkriege sollten ihre meterdicken Wände Menschen vor Angriffen beschützen. Das ist längst Vergangenheit. Mittlerweile haben die Bunker ausgedient - und Investoren funktionieren die Kolosse zu Touristen-Attraktionen um.

Zelten oder im normalen Hotel übernachten kann jeder. Wer das Besondere will, sucht sich vier Wände, in denen sonst eher selten Betten stehen. So gibt es mittlerweile Urlaub im Baumhaus, auf dem Hausboot, im Iglu und - im Bunker.

Wer nun an Hochbetten hinter kalten grauen Mauern denkt, liegt allerdings nicht unbedingt richtig. In der Schweiz gibt es zum Beispiel das Felsenhotel "La Claustra". Die Vier-Sterne-Unterkunft liegt auf dem Gotthardpass und war im letzten Weltkrieg eine militärische Festung mit dem Namen San Carlo. 1999 wurde die Anlage außer Dienst gestellt.

Wie bei vielen Bunkern aus den Weltkriegen stellte sich nun die Frage: Was tun mit dem massiven Koloss? Auch in Deutschland gibt es noch etliche Hoch- und Tiefbunker. Da sie Luftangriffen standhalten mussten, bestehen sie mitunter aus Stahlbeton und haben meterdicke Wände. Wegen ihrer robusten Bauweise ist es schwierig, sie abzureißen.

Dampfbad mit Wassergrotte

Die Bauwerke stehen also leer - oder sie bekommen eine neue Funktion und werden umgebaut. Die Festung San Carlo wurde 2004 schließlich zu einem Tagungshotel umgestaltet. Auf 4000 Quadratmetern gibt es seitdem 17 Zimmer mit insgesamt 30 Betten. Das Badezimmer muss man sich allerdings teilen. Zudem wartet das Hotel mit einem Dampfbad mit Wassergrotte auf, es gibt Seminarräume und ein Restaurant mit regionalen Spezialitäten. "Wirklich ganz speziell", schreibt ein Hotelgast auf dem Bewertungsportal Tripadvisor. "Man sollte keine Bunker-Angst haben", schreibt ein anderer.

Auch im deutschen Itterbeck, nahe der niederländischen Grenze, gibt es einen Bunker, der zur Touristen-Attraktion werden soll. Die Anlage wurde 1962 gebaut und diente einst der Bundeswehr als Munitionslager. Es war eines der größten Munitions- und Gerätedepots in Deutschland, 1996 wurde es aufgelöst. Seitdem verwaiste das 127 Hektar große Gelände. Doch die Gemeinde nahm sich vor einen Freizeitpark mit Unterkünften daraus zu machen. Ein kompliziertes Unterfangen, denn laut einem NDR-Bericht gab es Schwierigkeiten bei der Änderung des Flächennutzungsplans, außerdem mussten Ausgleichsflächen für den Eingriff in die Natur gefunden werden. Doch in diesem Jahr könnte das Gelände nach jahrelangem Hin und Her endlich eröffnen.

Doch auch wer auf der Suche nach dem authentischen Bunker-Gefühl ist, wird fündig: Im Bunker-Hotel am Rennsteig ist die DDR noch lebendig. In der 3600 Quadratmeter großen Bunkeranlage von 1976 wurde alles so belassen. Hier können die Gäste dann wirklich in stilechten Stockbetten schlafen, außerdem gibt es eine Bunkerführung, sie erleben eine Wachablösung mit, gegessen wird im NVA-Stil. Wer an Klaustrophobie leidet, sollte jedoch besser nicht teilnehmen.

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Quelle: n-tv.de

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