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Mehr Touristen, mehr Fracht: China verlängert Tibet-Eisenbahn

Die Tibet-Eisenbahn verbindet das "Dach der Welt" mit dem chinesischen Inland. Sie war erst 2006 in Betrieb genommen worden und ist umstritten. Kritiker sprechen gar von einer "zweiten Invasion" Tibets per Bahn. Nun wird die Strecke verlängert, auch zur "Förderung des Tourismus im südwestlichen Teil Tibets".

Wachposten an der Bahnstrecke nahe Lhasa.
Wachposten an der Bahnstrecke nahe Lhasa.(Foto: picture-alliance/ dpa)

China hat mit der Verlängerung der umstrittenen Tibet-Eisenbahn begonnen. Die neue Strecke der höchsten Bahnlinie der Welt wird die tibetische Hauptstadt Lhasa mit der zweitgrößten Stadt Xigaze (Shigatse) verbinden. Die Kosten der 253 Kilometer langen Verbindung durch höchst unwegsame Bergregionen werden auf 13,3 Milliarden Yuan, umgerechnet 1,47 Milliarden Euro, geschätzt, wie die chinesischen Staatsmedien berichteten. Der schwierige Bau wird voraussichtlich vier Jahre dauern.

"Entscheidende Rolle für die Förderung des Tourismus"

Die Verlängerung werde "eine entscheidende Rolle für die Förderung des Tourismus im südwestlichen Teil Tibets und der rationellen Nutzung der Rohstoffe entlang der Strecke spielen", sagte Eisenbahnminister Liu Zhijun beim feierlichen Baubeginn. Tibets soziale und wirtschaftliche Entwicklung werde vorangebracht.

Das mehr als 600 Jahre alte Xigaze ist der Sitz des Pantschen Lamas, des nach dem Dalai Lama zweithöchsten tibetischen Religionsführers. Die Eisenbahn beendet auch die Abhängigkeit des tibetischen Südwestens vom Transport über häufig unwegsame Bergstraßen, wie Tibets Parteichef Zhang Qingli hervorhob. Auf der neuen Strecke nach Xigaze sollen 8,3 Millionen Tonnen Fracht im Jahr transportiert werden können.

Strecke der Superlative: Die Station Tanggula auf 5068 Metern Höhe ist der höchste Bahnhof der Welt.
Strecke der Superlative: Die Station Tanggula auf 5068 Metern Höhe ist der höchste Bahnhof der Welt.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Tibet-Eisenbahn, die das "Dach der Welt" erstmals mit dem chinesischen Inland verbindet, war 2006 in Betrieb genommen worden. Exil-Tibeter kritisieren die Verbindung, weil sie den Zustrom von Han-Chinesen und die kulturelle Angleichung beschleunige. Es war sogar von einer "zweiten Invasion" Tibets per Bahn die Rede. China hatte sich das größte Hochland der Erde nach der Machtübernahme der Kommunisten 1949 einverleibt.

Weitere Verlängerung geplant

Außer der jetzt begonnenen Verbindung von Lhasa nach Xigaze ist eine weitere Verlängerung nach Nyingchi geplant, mit deren Bau nach Presseberichten aber frühestens 2013 begonnen werden kann. Die einspurige Strecke nach Xigaze gilt als sehr ehrgeizig, weil sie über 115 Kilometer und damit fast zur Hälfte durch Tunnels und über Brücken führt. Der Zug soll eine Geschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde erreichen können.

Bilderserie

Die bisherige Verbindung von Golmud in der Provinz Qinghai nach Lhasa liegt über 960 Kilometer auf mehr als 4000 Metern Höhe. Der höchste Punkt misst 5072 Meter. Die Schienen wurden über 550 Kilometer auf Dauerfrost-Böden gelegt.

Quelle: n-tv.de

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