Montag, 31. August 2009
Erstmals in Kroatien: Deutsche Polizei für Urlauber
"Das gibt's doch nicht: Deutsche Polizisten? Hier?". Solche und ähnliche Fragen haben Hauptkommissarin Dorte Stallbaum und ihr Kollege Bernd Hentschel in den vergangenen Wochen häufiger gehört. Gemeinsam haben die beiden Deutschen zwei Monate im kroatischen Porec auf der Adria-Halbinsel Istrien gearbeitet. "Das war ein Service für die Zehntausenden deutschen Touristen", sagt Hauptmeister Hentschel, der aus Rheinland-Pfalz stammt.
Der deutsche Polizist Bernd Hentschel aus Rheinland Pfalz (l) und seine Rostocker Kollegin Dorte Stallbaum (r) im Gespräch mit Urlaubern aus Nürnberg.
(Foto: dpa)
Das erstmals in Kroatien probierte Polizeiexperiment wird am letzten Arbeitstag der beiden Deutschen von allen Seiten ohne Ausnahme hoch gelobt. "Wir sind mehr als zufrieden mit unseren deutschen Kollegen", sagt der Polizeichef von Porec, Valter Opasic: "Die Urlauber aus Deutschland waren hoch erfreut, ihre Polizisten hier zu sehen. Damit wurde auch das Vertrauen in die örtliche kroatische Polizei gehoben."
"Normale Polizeiarbeit"
Die beiden unbewaffneten deutschen Polizisten patrouillierten gemeinsam mit ihren kroatischen Kollegen regelmäßig durch die Urlauberhochburg Porec. Sie halfen den Seglern bei der Bewältigung der Anmeldeformalitäten im Hafen, kamen Autofahrern zu Hilfe, die am Parksystem scheiterten oder kümmerten sich um verzweifelte Deutsche nach dem Verlust von Pässen. "Ob Diebstähle, Einbrüche, Fahrradklau oder Verkehrsunfälle. Das war tagtäglich normale Polizeiarbeit", beschreiben die beiden "Gastarbeiter" ihren Einsatz.
Hausfassade in der Altstadt von Porec
(Foto: Pixelio/B. Winkler)
"Wir sind von den kroatischen Kollegen mit offenen Armen empfangen worden. Die waren doch genauso neugierig wie wir", sagt die aus der Nähe von Rostock stammende 33 Jahre alte Beamtin. "Polizisten auf der ganzen Welt sind doch meist von ähnlichem Schlag und finden schnell zusammen", hat ihr Kollege beobachtet und "Kroatien war im Urlaub immer schön, warum sollte man dort nicht mal arbeiten?".
Kein Honigschlecken
Das hatten sich auch andere deutsche Kollegen überlegt, so dass das Auswahlverfahren mit einigen hundert "Konkurrenten" kein Honigschlecken war. Die beiden Auserwählten punkteten offensichtlich mit ihrer Erfahrung. Stallbaum war schon einmal für ein Jahr im Kosovo, ihr Kollege hat sogar zwei Einsätze dort und einen in Bosnien-Herzegowina hinter sich und spricht passabel Kroatisch. "Ich lerne jeden Tag mehr die Landessprache", ergänzt die Kollegin, die sich meist auf Englisch verständigt.
Makarska, die sogenannte Hauptstadt der 70 km langen kroatischen Riviera.
(Foto: picture-alliance/ ZB)
Ob der erste deutsche Polizeieinsatz im kroatischen Tourismus seine Fortsetzung findet, will keiner sagen. "Wir glauben daran", sagt der regionale Polizeichef. "Wir hoffen", antworten die deutschen Polizisten. Dann ist viel von Zusammenarbeit die Rede zwischen deutschen Behörden und der Exekutive in Kroatien, das schon bald der EU angehören soll. Jedenfalls wurden die Kosten des ungewöhnlichen Einsatzes schon mal freundschaftlich zwischen Berlin und Zagreb geteilt.
Thomas Brey, dpa
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