Reise
Mit dem stabilen Schlauchboot lässt sich die einzigartige Natur erkunden.
Mit dem stabilen Schlauchboot lässt sich die einzigartige Natur erkunden.(Foto: Sonja Gurris)
Samstag, 26. August 2017

Bootstour in British Columbia: Durch die Stille des Desolation Sound

Von Sonja Gurris, Lund

Es ist so still, dass man es kaum glauben kann. Das Gebiet des Desolation Sound bietet atemberaubende Küsten, eine große Tierwelt und eine Weite, die Gänsehaut erzeugt. Einzig das Boot surrt durch wilde Natur weit im Westen Kanadas.

Sein Hamburger Dialekt ist unüberhörbar, obwohl er seit 1990 weit weg von der Elbe ist. Jan Römer lebt in Powell River, einem kleinen Ort an der westkanadischen Sunshine Coast in British Columbia. Er ist ein waschechter Auswanderer, wie es sie im Land zu Tausenden gibt. Fasziniert von der Ruhe und der Natur im Desolation Sound, bietet er abenteuerliche Zodiac-Touren an. Zodiacs sind stabile, große Schlauchboote für mehrere Personen.

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Die wind- und wetterfesten Jacken, die die Abenteuerlustigen an diesem Tag tragen, sind dick und wirken auf den ersten Blick ziemlich unvorteilhaft. Doch die schwere Bekleidung soll den Fahrtwind im Zodiac abhalten. Das blau-schwarze Boot wirkt ganz friedlich bis Jan Römer den kleinen Motor anschmeißt.

In Lund an der Upper Sushine Coast geht es los, hinaus in das Gebiet Desolation Sound - für mehr als drei Stunden. Der lokale Anbieter Terracentric Coastal Adventures zeigt seit 2001 Touristen die einzigartige Küstenlandschaft in British Columbia. Kein Wunder, dass sich viele Auswanderer in diesen Flecken Erde verlieben, schließlich berührt die Stille hier nahezu jeden Besucher.

Im Desolation Sound kennt er sich bestens aus.
Im Desolation Sound kennt er sich bestens aus.

Vor Kurzem, erzählt Römer, hat er auf einer Tour noch einen schiffbrüchigen Segler aufgelesen - in der kanadischen Natur hilft man sich eben, denn in dieser Gegend kommt eher selten jemand zufällig vorbei. 1993 beginnt er als Neuling mit den Outdoor-Führungen durch die wilde Natur. In Deutschland war er gelernter Schiffsmechaniker und Gärtner, außerdem hat er Ozeanographie studiert. Das passt, denn Wasser ist sein Element.

Tierkunde und Schauergeschichten

Am Anfang summt es leise. Kurz danach geht es rasant über die Wellen. Der Wind zerzaust die Haare. Jetzt beginnt das Abenteuer. Beim ersten Stop des Zodiacs wird es gleich tierisch: Auf einem Felsen schnaufen die großen Seelöwen; respekteinflößend. Sie scheinen von dem Boot, das eine Länge von 6,5 Metern hat, gestört zu werden. Weiter geht's.

Tierbeobachtungen sind Teil des Naturerlebnisses.
Tierbeobachtungen sind Teil des Naturerlebnisses.(Foto: Sonja Gurris)

Doch der Tourguide zeigt nicht nur Tiere und imposante Küstenstreifen der Sunshine Coast, sondern erzählt auch gruselige Geschichten der Region: So wie die von einem Mann, der auf einer Insel - heute Copeland Islands - lebte und eines Tages nicht mehr da war. Sein Name war Joe Copeland. "Er lebte hier in den 40ern und er kam jeden Donnerstag nach Lund in die Kneipe. Dann war er auf einmal nicht mehr da. Nur sein Hund war übrig. Seit dem nennt man sein Haus das 'Haunted House', denn manche hören nachts angeblich seinen Hund dort bellen." Römer lacht laut und gibt wieder Geschwindigkeit.

Wer die Einsamkeit sucht, ist hier genau richtig.
Wer die Einsamkeit sucht, ist hier genau richtig.(Foto: Sonja Gurris)

"Sie haben auch Beweise gefunden, dass Menschen schon vor 14.000 Jahren hier lebten", erklärt Römer weiter. Deshalb gibt es in der Gegend viele geschützte Stellen. Auch die Routen der Indianer erklärt der Tourguide. Es wird klar - so einsam es auch auf diesem Flecken Erde heute wirken mag, hier tummelten sich bereits vor unzähligen Jahren Menschen, die mit der Natur eng verbunden lebten. Die Vorstellung, wie Menschen hier vor Jahrhunderten lebten, zieht jeden Besucher in seinen Bann und macht den Ausflug neben dem Naturspektakel umso reizvoller.

Klohäuschen im Nirgendwo

Hin und wieder tauchen an den Küstenstreifen schmucke Holzhäuser auf. Doch Einsamkeit und Abgeschiedenheit hat ihren Preis. Die Bewohner müssen alles, was sie zum Leben brauchen per Boot transportieren. Einige wenige können auch die Holzfällerstraßen benutzen. Ein paar Ecken weiter stehen dann ein paar Häuschen der besonderen Art: Mitten in der Natur wirkt das auf Vorbeifahrende wie eine Einbildung. Es sind Toilettenhäuschen, die für Kajakfahrer da sind. Sie können im Desolation Sound weite Strecken fahren. Doch wenn sie an Land übernachten, ist Vorsicht geboten. Bären sind hier auf der Suche nach Futter. Ob Kajakfahrer oder Wanderer - verlaufen sollte man sich hier nicht. "Von hier aus braucht man zu Fuß eineinhalb Tage bis zur nächsten Straße", erklärt der Tourguide. Gute Orientierung ist im Desolation Sound, sowohl zu Wasser als auch zu Lande, lebensnotwendig.

"Hier sind wir an Sarah Point. Das ist das Ende vom Festland. 1792 kam hier Captain George Vancouver vorbei und hat bei Kinghorn Island geankert. Sie haben die Nordwestpassage gesucht... Oh, da kommt ein Adler rein", sagt Römer und zeigt nach oben. Alle schauen gebannt in den Himmel. Dann geht es zurück nach Lund - und nur der Motor des Zodiacs ist in den Weiten von Desolation Sound zu hören.

*Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.

Quelle: n-tv.de

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