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Das Hotel Adlon in Berlin am Pariser Platz bietet spezielle Zimmer für Muslime.
Das Hotel Adlon in Berlin am Pariser Platz bietet spezielle Zimmer für Muslime.(Foto: imago/Westend61)

Koran und Kompass statt Alkohol: Halal-Reisen erobern den Markt

Strenggenommen bezieht sich der Begriff "halal" nur auf das Essen, er wird aber inzwischen auch in anderen Bereichen benutzt. So auch beim Thema Tourismus - eine Halal-Reise ist ein Urlaub, der mit islamischem Recht vereinbar ist. Wie sieht das aus?

Katholiken, Protestanten, Hindus, Buddhisten und natürlich auch Muslime - sie alle wollen Urlaub machen. Die Reisebranche hat sich mittlerweile auf jeden Urlauber eingestellt. Für Reisende aus muslimisch geprägten Ländern gibt es Hotelzimmer samt Koran und Gebetsteppich mit Ausrichtung gen Mekka. Es gehört beim Trend der Halal-Reisen gar zum Standard.

Strenggenommen bezieht sich das Attribut "halal" lediglich auf das Essen, mittlerweile hat der Begriff dank Halal-Musik und Halal-Reisen auch eine Verwendung in anderen Bereichen des Alltags gefunden. Die Tradition schreibt vor, dass ein Muslim kein Schweinefleisch verzehren darf und Tiere nur dann verspeist werden können, wenn sie geschächtet wurden. Das gilt zu Hause ebenso wie im Urlaub.

Hauptkriterium: die richtigen Speisen

Ein Burkini ist eine zweiteilige Badebekleidung für Frauen, die fast den gesamten Körper bedeckt und nur Gesicht, Hände und Füße freilässt.
Ein Burkini ist eine zweiteilige Badebekleidung für Frauen, die fast den gesamten Körper bedeckt und nur Gesicht, Hände und Füße freilässt.(Foto: imago/Hollandse Hoogte)

Die Hotelküche des Adlon Kempinski in Berlin beispielsweise bezieht ihr Fleisch von einem arabischen Restaurant und erfüllt somit ein Hauptkriterium für eine Halal-Reise - die richtigen Speisen. Aber welche Anforderungen hat ein Muslim noch an einen solchen Urlaub? Ein wichtiger Punkt ist der Alkohol. Wo es bei anderen Urlaubern schon mal ein Bierchen oder ein Glas Wein sein darf, gilt für den gläubigen Muslim Alkoholverbot. Das heißt: keine Minibar.

Kein Alkohol auf dem Zimmer, aber der Koran auf dem Nachtkästchen und der obligatorische Gebetsteppich mitsamt Kompass sind ein absolutes Muss. Daneben bieten viele Hotels auch einen eigenen Gebetsraum, der streng nach Geschlechtern getrennt ist, oder es ist zeitlich geregelt, wann Männer und Frauen beten können. Ebenfalls nach Geschlechtern getrennt ist bei Halal-Hotels der Spa- und Wellnessbereich, oder es ist ein Sichtschutz vorhanden. Ansonsten sind Burkini oder knielange Badehose Pflicht.

Halal-Hotels können im Reisebüro oder online gebucht werden. Die Website halalbooking.com führt etwa 300 Hotels auf und nennt die für Muslime wichtigen Eigenschaften des Hotels. Ein Ranking gibt es aber nicht. Der Nutzer erhält jedoch einen Eindruck, wie halal-freundlich das Hotel ist. Auf halaltrip.com werden neben Hotels auch Restaurants und Aktivitäten empfohlen. Zudem werden für jeden Ort die Gebetszeiten aufgeführt.

Ist das passendes Hotel gefunden, stellt sich natürlich noch die Frage: Wie hinkommen? Denn eine Airline, die kein Halal-Essen anbietet, scheidet aus. Fluggesellschaften aus muslimischen Ländern, wie etwa Qatar Airways, werben sogar damit, dass diverse Gerichte "halal" sind, diese müssen allerdings gesondert bestellt werden.

Weltweit nimmt die Anzahl muslimischer Reisender zu. Laut Global Islamic Economy Report 2016/17 betrugen die Reiseausgaben der Muslime im Jahr 2015 155 Milliarden US-Dollar. Sie sind damit im Vergleich zum Vorjahr um fast fünf Prozent gestiegen.

Quelle: n-tv.de

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