Reise
Die Leipziger Innenstadt ist voller historischer Bauten. Ein Tagesausflug lohnt sich allemal.
Die Leipziger Innenstadt ist voller historischer Bauten. Ein Tagesausflug lohnt sich allemal.(Foto: imago/Westend61)

Tagesausflug mit dem Fernbus: Leipzig für Schnell-Erkunder

Von Sonja Gurris

Ein Städtetrip an einem Wochenende kann mit An- und Abreise locker 200 oder 300 Euro kosten. Ich teste einen Tagesausflug mit einem Fernbus, von Berlin nach Leipzig. In acht Stunden kann man in Leipzig viel erleben - und das ganz ungeplant.

Ich bin noch recht schläfrig, als ich um 8.15 Uhr am Berliner Busbahnhof in den Fernbus steige. An diesem Samstagmorgen herrscht reges Treiben. Unzählige junge Leute, beladen mit Rucksäcken und Rollkoffern, suchen ihren Bus. Ich möchte an diesem Tag Leipzig erkunden. Etwa zwei Stunden soll die Fahrt dauern.

Leipzig - das ist eine Stadt, von der ich immer wieder gehört habe: "Leipzig, so eine tolle Stadt, da hat sich in den letzten Jahren so viel verändert". Das hat mich neugierig gemacht. Allerdings wird in den Erzählungen immer wieder das alte DDR-Leipzig und das heutige Leipzig in Kontrast gesetzt. Diesen Vergleich kann ich nicht ziehen, ich bin Jahrgang 1988. Ich fahre ganz unbekümmert nach Leipzig  - ohne DDR-Erinnerungen. 

Besucher vor der Nikolaikirche.
Besucher vor der Nikolaikirche.(Foto: REUTERS)

Pünktlich auf die Minute steige ich vor dem Hauptbahnhof aus. Bei der Hinfahrt hat mich der Fernbus nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil – keine Verspätung und die Fahrt kostete nur 8 Euro. Die Sonne scheint, keine einzige Wolke ist am Himmel. Es ist eindeutig wunderbares Ausflugswetter. Ohne vorheriges Reiseführer-Studium mache ich mich auf. Ohne eine echte Orientierung zu haben, finde ich den Weg in Richtung Innenstadt. Neben den Fernbus laden Hop-On-Hop-off-Busse Touristen zu Sightseeing-Touren ein. Ich möchte Leipzig allerdings zu Fuß und für mich allein erkunden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ungeplante Routen meistens die besten sind. Das sollte auch an diesem Tag so sein.

Innerhalb von fünf Minuten bin ich in der Innenstadt und erst einmal positiv überrascht. Die Häuser auf der Reichsstraße sind wunderschön, eine moderne Shoppingmeile passt sich in die alten Häuserfronten ein. Ohne es zu ahnen, laufe ich direkt auf eine der größten Sehenswürdigkeiten der Stadt zu: die Nikolaikirche. Bei diesem Namen klingelt es in meinem Kopf nach dem Motto "Da war doch was, Bürgerbewegung DDR".

Kosten Tagesausflug nach Leipzig
  • Fernbus Hin- und Rückfahrt Berlin-Leipzig: 16 Euro (Alternativ kosten zwei Fahrten Erfurt-Leipzig 12 Euro)
  • Eintritt Völkerschlachtdenkmal: 8 Euro
  • Kaffee im Café Kandler: 6 Euro
  • Tagesverpflegung: etwa 10 Euro
  • Kirchenführungen und Besichtigungen: kostenlos / freiwillige Spende

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Tagestrip inklusive Reisekosten: ca. 40 Euro

Ich gehe hinein. Prompt läuft mir der Mann entgegen, der die Führungen in der Nikolaikirche anbietet. Horst Siegemund sammelt gerade eine Truppe ein, um sie durch die Kirche zu führen. "Wollen Sie mit zur Tour?" spricht er mich direkt an, ich nicke. Eine Stunde lang führt er durch die geschichtsträchtige Kirche – und spricht immer wieder die Rolle der Nikolaikirche in der DDR-Friedenbewegung im Jahr 1989 an. Hier demonstrierten die Menschen mit Kerzen in den Händen für die friedliche Revolution. Siegemund mahnt aber: "Wir wollen kein politisches Denkmal sein, das hier ist ein Gotteshaus". Doch auch heute ist diese Kirche immer noch politisch, muss sich die Gemeinde doch oft mit den Legida-Demonstranten draußen vor der Tür herumschlagen. Es ist eine Kirchenführung zwischen Bach, Legida und Wendestimmung.

Von der friedlichen Revolution bis zum Bach-Grab

Die  Bach-Statue vor der Thomaskirche.
Die Bach-Statue vor der Thomaskirche.(Foto: Sonja Gurris)

Eine Stunde ist schnell verflogen - und ich bekomme einen Tipp: die andere berühmte Kirche, die Thomaskirche, solle ich ganz schnell besuchen, denn samstagsnachmittags stehen die Menschen dort Schlange. Gesagt, getan. Nach fünf Fußminuten sehe ich die Kirche. Und vor ihr steht der berühmteste Musiker der Stadt: Johann Sebastian Bach war seinerzeit Kantor dieser Kirche, seine große Statue zieht allerlei Touristen an, die davor Selfies aufnehmen.

In der Thomaskirche liegt Bach begraben. Ein Ort, der für Musikliebhaber wichtig ist. Denn sie ist auch die Heimat des weltberühmten Thomanerchors. Es ist ein Knabenchor, in dem auch schon vier Mitglieder der "Prinzen", der wohl berühmtesten Leipziger Band, als Jungen mitgesungen haben. Und irgendwie ist es tatsächlich ein magischer Ort. Ich gehe durch Tür und zucke direkt zusammen. Von der Empore ertönt eine helle Sopranstimme. Eine Frau übt ein klassisches Lied, ich bekommen eine Gänsehaut. Fasziniert bleibe ich mitten im Gang stehen und bin etwas enttäuscht, als sie nicht weitersingt. Ich hätte dem kostenlosen Konzert gerne noch länger gelauscht.

Mittlerweile bin ich mit der Hinreise schon über vier Stunden unterwegs. Eine kurze Pause muss sein. Direkt neben St. Thomas entdecke ich ein süßes Café im Tante-Emma-Stil. Es schreit förmlich nach einer hochkalorischen Torte. Das Café Kandler gibt es erst seit 1989, es sieht aber schon aus, als würde es mehr Jahre auf dem Buckel haben. Ein Stück Torte und Kaffee machen sechs Euro - und es schmeckt fantastisch.

Ein Aufstieg für Nicht-Klaustrophobiker

Das Völkerschlachtdenkmal wurde 1913 eingeweiht.
Das Völkerschlachtdenkmal wurde 1913 eingeweiht.(Foto: Sonja Gurris)

Weiter gehts. Das alte Rathaus auf dem Markt ist ein herrlicher Platz, bei diesem schönen Wetter möchte ich dort am liebsten gleich wieder Kaffee trinken gehen. Aber ich verzichte. Ich erkundige mich nach dem Weg zum Völkerschlachtdenkmal, setze mich in die Linie 15 und fahre etwa zehn Minuten mit der Tram aus der Stadt heraus. "Völkerschlachtdenkmal" röhrt es aus dem Lautsprecher. Dann sehe ich diesen Koloß von Denkmal. Ich bin schwer beeindruckt von dieser Anlage, die an die große Völkerschlacht von 1813 erinnert. 91 Meter ragt es in die Höhe - und einen Teil des Aufstiegs lege ich zu Fuß zurück. Auf den letzten Metern ist es allerdings sehr eng im Aufgang. Nur als kleiner Tipp: Wer an Klaustrophobie leidet, sollte nicht bis ganz oben laufen.

Auf dem Rückweg in Richtung Innenstadt fällt mir die orthodoxe Kirche ins Auge. Ich bin etwas genervt: Soll ich tatsächlich noch eine dritte Kirche anschauen? Ich trete ein und werde belohnt. Der Anblick ist gigantisch, denn ich komme mir vor, als wäre ich irgendwo in Russland gelandet. Ein prachtvoller Altar, Kerzen brennen, es ertönt spirituelle Musik. Ich bin fasziniert. Ich bin die einzige Touristin hier, die anderen Menschen beten. Nach einem Augenblick der Stille mache ich mich auf den Rückweg. Pünktlich um 19Uhr setzt sich der Fernbus in Bewegung – noch vor der angekündigten Zeit erreiche ich Berlin. Es war ein langer Tag, aber es hat sich gelohnt. Leipzig ist für einen Tagesausflug ein super Ziel. Ich wäre gerne noch länger geblieben.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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