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Frauen-RadsportDopingfunde bei Giro-Razzia

12.07.2001, 15:37 Uhr

Nach einer großangelegten Razzia der italienischen Polizei droht auch dem Frauen-Radsport ein handfester Doping-Skandal.

Nach einer großangelegten Razzia der italienischen Polizei droht auch dem Frauen-Radsport ein handfester Doping-Skandal. Ähnlich wie bei den Männern vor knapp fünf Wochen haben die Doping-Ermittler beim 12. Giro d'Italia Femminile in Levico Terme neun Team-Hotels durchsucht und damit für eine bislang einmalige Aktion im Frauen-Radsport gesorgt. Nach Angaben der italienischen Tageszeitung Corriere dello Sport sollen mehrere verbotene Substanzen, darunter auch das Blut-Dopingmittel Erythropoietin (Epo) sichergestellt worden sein.

Mehr als 100 Polizisten waren an der großräumigen Durchsuchung in den Abendstunden am Mittwoch nach der neunten Etappe beteiligt. Die Untersuchung, die von den Staatsanwaltschaften in Bologna und in Matera angeordnet worden war, fand bis tief in die Nacht statt. Dabei sollen die Fahnder eine Vielzahl verbotener Medikamente, leere Ampullen sowie Spritzen mit Blutspuren beschlagnahmt haben.

Auch die deutsche Equipe Nürnberger wurde von der Razzia nicht verschont. "Bei uns lief die Durchsuchung relativ schnell ab. Gegen 22.00 Uhr waren die Beamten wieder weg, ohne etwas gefunden zu haben", erklärte Teamleiterin Silvia Knoll. "Es wurden alle Zimmer und Autos durchsucht. Jede Fahrerin wurde untersucht. Wir waren total überrascht."

Dagegen sollen die Fahnder vor allem bei den heimischen Mannschaften fündig geworden sein, wie Knoll bestätigte: "Ich habe gehört, dass bei zwei italienischen Teams die Durchsuchungen bis 3. 00 oder 4.00 Uhr Nachts angedauert haben und mehrere Kisten beschlagnahmt worden seien."

Die Mannschaft Alfa Lum soll unterdessen frühzeitig von der Razzia informiert worden sein. "Bevor die Polizei kam, hat die Mannschaft mehrere Kisten ins Auto gepackt und ist vom Hof gebraust. Die wussten schon Bescheid", empörte sich die 52 Jahre alte Betreuerin der Equipe Nürnberger, die noch mit Alexandra Nöhles (Willich), Tanja Hennes (Attendorn), Jenny Algelid (Schweden), Andrea Purner (Österreich) und im Wettbewerb vertreten ist.