Wirtschaft
Die Markteinführung des A350 soll ohne Zwischenfälle über die Bühne gehen.
Die Markteinführung des A350 soll ohne Zwischenfälle über die Bühne gehen.(Foto: picture alliance / dpa)

Lernen vom Boeing-Debakel: A350 ohne Lithium-Batterien

Der Flugzeugbauer Airbus rückt bei seinem neuen Langstreckenjet A350 wegen des Debakels bei Boeings "Dreamliner" von den umstrittenen Lithium-Ionen-Batterien ab. Nicht wegen Sicherheitsbedenken, sondern aus Sorge um den Zeitplan. Denn Behördenbedenken könnten die Erstauslieferung des Jets verzögern.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus lernt aus den Problemen seines Wettbewerbers Boeing mit Feuer fangenden Lithium-Ionen-Batterien. Um nicht mit denselben Schwierigkeiten wie die Amerikaner beim Dreamliner kämpfen zu müssen, verzichtet Airbus laut informierten Personen bei seinem neuen Großraumflieger A350 auf diese Batterietechnik.

Lithium-Ionen-Batterien sind besonders effizient und deshalb relativ leicht, das hilft den Flugzeugen beim Spritsparen. Diese Batterien neigen aber dazu, sehr heiß zu werden, und so gerieten sie in zwei 787 Dreamlinern des US-Rivalen Boeing in Brand. Die Behörden verhängten deshalb ein weltweites Flugverbot für die Maschinen.

Die Probleme mit der Batterietechnik könnten auch die Zulassung der A350 durch die Luftfahrtbehörden verzögern. Um dies zu verhindern, will Airbus auf die Lithiumbatterien verzichten. Die A350-Maschinen sind momentan noch in der Entwicklung und sollen Jahr 2014 zugelassen werden.

Die Entscheidung ist das jüngste Anzeichen für einen branchenweiten Rückzug von der Lithiumtechnologie. Die bisherigen Untersuchungen der Aufsichtsbehörden setzen große Fragezeichen hinter die Sicherheit von wiederaufladbaren Lithiumbatterien, die in Flugzeugen eingebaut werden.

Airbus wollte ursprünglich vier wiederaufladbare Lithiumbatterien in jeder seiner A350 verwenden. Sie sollten für die Stromversorgung am Boden sorgen und im Fall der Fälle auch Elektrizität in der Luft liefern. Aber jetzt sind diese Pläne Makulatur. Die A350 sollen mit konventionellen Nickel-Cadmium-Batterien ausgeliefert werden.

Jungfernflug im Sommer

Die Maschine soll diesen Sommer ihren ersten Flug unternehmen und anschließend eine Serie von Testflügen absolvieren. Anfang 2014 hofft Airbus auf eine Zulassung durch die europäischen Luftfahrtbehörden. Der Flugzeugbauer will dann ab Mitte des Jahrzehnts mit der Auslieferung an Fluggesellschaften beginnen.

Den Abschied von der Lithiumtechnologie begründen Branchenvertreter vorwiegend mit dem Zeitplan und nicht mit Sicherheitsbedenken. Die Aufseher könnten angesichts des Dreamliner-Debakels die Lithiumbatterien besonders gründlich unter die Lupe nehmen.

Die Testflüge will Airbus aber weiterhin mit Lithiumbatterien proben. Der Flugzeugbauer hält diese Technologie für sicher genug und glaubt nicht, dass er sein Testflugpersonal einem großen Risiko aussetzen würde. Sobald die Maschine jedoch offiziell zertifiziert ist und als Verkehrsflugzeug ausgeliefert wird, sollen nur noch konventionelle Batterien zum Einsatz kommen.

Im Sog von Boeings Batterieproblemen hatten mehrere Branchenvertreter sich öffentlich für eine Abkehr von der Lithiumtechnologie bei Airbus ausgesprochen. Die jetzige Entscheidung soll potenziellen Kunden die Botschaft senden: Airbus reagiert schnell und schlägt eine neue Richtung ein.

Trotz des Debakels will Wettbewerber Boeing bislang noch nicht von den Lithiumbatterien abrücken. Hersteller von kleinen Flugzeugen für Geschäftsleute sorgen sich aber ebenso wie Boeing, dass die Auflagen für wiederaufladbare Stromsysteme verschärft werden könnten. Schon lange vor den Dreamliner-Vorkommnissen verlangte die US-Luftfahrtbehörde (FAA) den Austausch von Lithium- durch konventionelle Batterien in einer Cessna Citation. Auch im Cessna-Jet hatte die Lithium-Ionen-Batterie am Boden Feuer gefangen.
 

Quelle: n-tv.de

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