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Probebetrieb am BER ab Juli?: Mehdorn macht mächtig Dampf

Die Berliner Flughäfen platzen aus allen Nähten, aber Entlastung durch den neuen Hauptstadtflughafen ist nicht in Sicht. Um ein Zeichen zu setzen, will BER-Chef Mehdorn wenigstens einen Teil eröffnen. Im Sommer soll das Nordpier an den Start gehen.

Angesichts steigender Passagierzahlen in Berlin unternimmt Flughafenchef Hartmut Mehdorn einen erneuten Versuch, seinen Plan einer Teileröffnung des Hauptstadtflughafens voranzutreiben. Der von ihm bereits mehrfach angekündigte Probebetrieb im Nordpier des neuen Flughafengebäudes des BER soll am 1. Juli beginnen. Alle Flugzeuge in Schönefeld sollen dann von der neuen Südbahn starten und landen. Die alte, derzeit genutzte Nordbahn soll dann saniert werden, wie Mehdorn bei einem Treffen mit Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke auf der Flughafen-Baustelle ankündigte. Er gehe davon aus, dass der Aufsichstrat der Flughafengesellschaft diesen Plan unterstützte.

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Da eine Eröffnung des gesamten Flughafens nicht absehbar ist, versucht der ehemalige Bahn-Chef seit Monaten eine Teileröffnung durchzusetzen. Bislang steht der Aufsichtsrat des BER diesem Vorhaben jedoch skeptisch gegenüber. Mehdorn gab sich am Freitag jedoch zuversichtlich, dass das Kontrollgremium seine Meinung diesbezüglich ändern werde. Er gehe davon aus, dass der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft den Plan unterstütze, sagte Mehdorn. Woidke, ein SPD-Mann wie BER-Aufsichtsratschef Klaus Wowereit, gehört zwar nicht dem Kontrollgremium an, kommt als neuer Ministerpräsident Brandenburgs aber nicht um das Thema herum.

Chartermaschinen nach Mallorca und Ibiza

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Mehdorn will am nördlichen Seitenflügel - am sogenannten Nordpier - des neuen Flughafens Abfertigungsschalter und Gepäckbänder aufstellen, um den dortigen Abschnitt zu testen. Täglich sollen einige Chartermaschinen nach Mallorca oder Ibiza fliegen, um die technischen Systeme des Terminals zu prüfen. "Endgültig beschlossen" sei aber noch nichts, räumte Mehdorn ein. Der Aufsichtsrat müsse vor der Betriebsaufnahme noch zustimmen. "Was wir probieren können, um Fehler auszumerzen, wollen wir probieren", fügte er an.

Woidke äußerte sich zunächst zurückhaltend zu Mehdorns Ankündigung. Er erklärte, dem Plan stehe nichts entgegen, sofern die zusätzlichen Kosten im Rahmen blieben. Zudem dürfe der Testbetrieb nicht die Gesamteröffnung beeinflussen. Derzeit arbeiteten 400 Mitarbeiter auf der Baustelle. Wann der Großflughafen komplett eröffnet werden soll, ist unklar. Dazu werde man sich erst äußern, wenn Verlässliches dabei herauskomme, ergänzte Mehdorn. "Die Spielchen sind vorbei."

Warten auf grünes Licht

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Für dieses Jahr wird nicht mehr mit einer Eröffnung gerechnet. BER -Aufsichtsratschef Wowereit hatte erst zu Wochenbeginn gesagt: "De facto wird es so sein, dass der Flughafen 2014 nicht mehr eröffnet werden kann." Grund sei, dass die Fertigstellung mehr Zeit brauche. "Technische Lösungen sind gefunden, jetzt kommt es auf die Umsetzung an", sagte er weiter.

Der Flughafen-Aufsichtsrat tagt am 4. April. Statt bislang alle vier bis sechs Wochen kommen die Flughafenkontrolleure nur noch alle drei Monate zusammen.

Neben dem Aufsichtsrat muss auch das Landratsamt Dahme-Spreewald, die Genehmigungsbehörde, Mehdorns Testbetrieb-Plänen zustimmen. Zwar seien die entsprechenden Bauanträge für den Nordpier-Umbau eingegangen, sagte Landrat Stephan Loge. Mit einer Entscheidung sei aber erst im März oder April zu rechnen, so der SPD-Politiker. Das Amt für Arbeitsschutz, Zoll, Bundespolizei und diverse andere Behörden müssten das Vorhaben prüfen.

"Qualitätssprung", aber die Skepsis bleibt

Einen ersten Antrag hatte Loge im vergangenen Jahr wegen Unvollständigkeit zurückgewiesen - die Flughafengesellschaft musste nacharbeiten. Die neue Version mache jetzt einen wesentlich besseren Eindruck, sagte Loge. Es sei ein deutlicher "Qualitätssprung" erkennbar, hieß es.

Im Brandenburger Landtag regt sich zugleich aber auch Unzufriedenheit darüber aus, wie sich Ministerpräsident Woidke um den Großflughafen kümmert. Vertreter der Opposition, der CDU-Abgeordnete Rainer Genilke, FDP-Landeschef Gregor Beyer und der Grünen-Abgeordnete Christoph Schulze, luden Woidke vor den am Montag tagenden BER-Ausschuss vor.

Die beiden Berliner Flughäfen Berlin-Tegel und Schönefeld platzen aus allen Nähten. Nach Angaben der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH wurde im vergangenen Jahr wieder eine Rekordpassagierzahl registriert. Den Angaben zufolge starteten oder landeten gut 26,3 Millionen Menschen in Berlin. Das waren noch einmal 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Bemerkenswert: Für das Plus sorgte allein der Flughafen Tegel, der längst geschlossen werden sollte. Hier legte die Passagierzahl um 7,9 Prozent auf knapp 19,6 Millionen zu. Der Standort Schönefeld hingegen wurde von 5,2 Prozent weniger Fluggästen genutzt als 2012. Hier stiegen gut 4,7 Millionen Menschen ein und aus.

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Quelle: n-tv.de

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