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Suboptimale Abschiedszahlen: Ackermann vergeht das Lachen

Das ist ein Schlag ins Kontor: Die Deutsche Bank wartet - völlig überraschend - mit roten Quartalszahlen auf. Bankchef Ackermann spricht zerknirscht von "ansehnlichen Jahreszahlen". Aber der Gewinn von 5,4 Milliarden Euro für das Gesamtjahr 2011 ist deutlich unter der Zielstellung. Wegen der Schuldenkrise sind die fetten Investmentbanking-Zeiten vorbei.

Die europäische Schuldenkrise verdirbt Ackermann zieht Bilanz seinen Abschied von der Konzernspitze. Eigentlich wollte der Schweizer für 2011 einen Rekordgewinn von zehn Milliarden Euro präsentieren. Doch davon ist Deutschlands größtes Geldhaus nun meilenweit entfernt: Es sind nur 5,4 Milliarden vor Steuern geworden. Im vierten Quartal fiel sogar ein Verlust an, weil die große Verunsicherung der Investoren das einst lukrative Kapitalmarktgeschäft zum Stillstand brachte.

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Vom Investmentbanking ist die Bank zum Leidwesen der Ratingagenturen nach wie vor sehr abhängig. Zuwächse im Privatkundengeschäft konnten die Einbußen nicht ausbügeln. Auf griechische Staatsanleihen fielen weitere Abschreibungen an. Es wird nun Aufgabe von Ackermanns Nachfolgern "Regenmacher" aus Indien und Der bodenständige Banker sein, irgendwann einmal zweistellige Milliardengewinne einzufahren und damit zu großen US-Rivalen wie JP Morgan aufzuschließen.      

Ackermann sprach von "ansehnlichen" Ergebnissen. "Unsere klassischen Geschäftsfelder haben 2011 mit Rekordergebnissen marktbedingte Schwächen im Investmentbanking ausgeglichen." Ein Jahr zuvor hatte das Institut wegen massiver Abschreibungen auf die Tochter Postbank nur vier Milliarden Euro verdient. Die Dividende soll 2011 mit 75 Cent stabil bleiben.    

Das Jahresergebnis lag deutlich unter den Analystenerwartungen, die der Deutschen Bank im Schnitt vor Steuern 6,8 Milliarden Euro zugetraut hatten. Wesentlicher Grund waren das überraschend schwache vierte Quartal sowie Sonderbelastungen, etwa Abschreibungen auf kriselnde Unternehmensbeteiligungen. Nach Steuern verdiente das Frankfurter Institut 2011 mit 4,3 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr (2,3 Milliarden) - allerdings nur dank Steuereffekten. Am Markt machte sich große Enttäuschung breit. Die Deutsche-Bank-Aktie ging in Frankfurt auf Tauchstation.

Goldene Investmentbanking-Zeiten vorbei

Im vierten Quartal lag der Vorsteuerverlust bei 351 Millionen Euro. Allein in der Investmentbanking-Sparte belief sich das Minus wegen herber Einbußen im Anleihe- und Aktiengeschäft auf 422 Millionen, vor einem Jahr gab es noch einen Gewinn von 603 Millionen. Für Rechtsstreitigkeiten vor allem wegen umstrittener Hypothekengeschäfte in den USA legte die Bank 380 Millionen Euro zurück, was das Ergebnis zusätzlich belastete. Damit hat auch das Bild von Chef-Investmentbanker Jain einen Kratzer bekommen. Der "indische Bond-Junkie" war mit seiner Londoner Mannschaft in der Vergangenheit der Star im Konzern, regelmäßig lieferte er den Löwenanteil der Gewinne ab. Nun muss er sich mit weniger zufriedengeben. 

Das Privatkundengeschäft hatte Ackermann in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut - vor allem mit der Postbank-Übernahme. Inzwischen zählt die Deutsche Bank weltweit knapp 30 Millionen Privatkunden. Die Investitionen zahlen sich mehr und mehr aus: Die Sparte lieferte im Schlussquartal einen stabilen Gewinn von 227 Millionen Euro ab.

Die Vermögensverwaltung, über Jahre das Sorgenkind im Konzern, steigerte ihr Ergebnis auf 165 Millionen Euro von 59 Millionen vor Jahresfrist. Große Teile des Asset Managements hat die Deutsche Bank ins Schaufenster gestellt - und Finanzkreisen zufolge eine ganze Reihe von Bietern angelockt. Möglicherweise kann Ackermann den Verkauf noch vor seinem Abgang unter Dach und Fach bringen.

Quelle: n-tv.de

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