Wirtschaft
Festlich geschmückt: Der Chef der Deutschen Bank in der Hamburger St. Michaelis-Kirche.
Festlich geschmückt: Der Chef der Deutschen Bank in der Hamburger St. Michaelis-Kirche.(Foto: picture alliance / dpa)

Konsequenzen der Schuldenkrise: Ackermann will Europa umbauen

Europa steht nach Ansicht von Josef Ackermann vor tiefgreifenden Veränderungen: Die Schuldenkrise zwingt die Europäer zu engerer Zusammenarbeit. Der Chef der Deutschen Bank plädiert nachdrücklich für einen großen Schritt nach vorn.

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank und prominenteste Figur der deutschen Bankenlandschaft, hält eine stärkere europäische Verzahnung zur Euro-Rettung für unvermeidbar.

"Europa ist nicht Amerika": Josef Ackermann.
"Europa ist nicht Amerika": Josef Ackermann.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Schuldenkrise habe die Grenzen der bisherigen Haftungsgemeinschaft aufgezeigt, sagte Ackermann bei einer Veranstaltung der Wochenzeitung "Die Zeit" in Hamburg. "Wir werden daher nicht darum herum kommen, die Machtbalance zwischen den Nationalstaaten und der europäischen Gemeinschaftsebene zu Gunsten Letzterer zu verschieben und in die Verfassung der Mitgliedsstaaten einzugreifen", sagte der auch international einflussreiche Banker.

Dabei gehe es jedoch nicht darum, die Nationalstaaten zu überwinden und einen europäischen Bundesstaat zu schaffen. "Europa ist nicht Amerika", betonte Ackermann mit Blick auf die zukünftige Gestalt Europas. Im Rahmen der Neugestaltung Europas müsse zudem ein effektiver Krisenmechanismus geschaffen werden.

Die Antwort auf die Finanzkrise muss nach Ansicht Ackermanns eine verstärkte europäische Integration sein. "Die Notwendigkeit strengerer Gemeinschaftsregeln im Bereich der Wirtschafts- und Finanzpolitik ist offensichtlich", sagte er. Die Staatsschulden seien in vielen Ländern schon vor der Finanzkrise eindeutig zu hoch gewesen, erklärte der Chef der Deutschen Bank weiter.

Treffpunkt "Deutsches Wirtschaftsforum": Ackermann und Friedrich Merz (r.).
Treffpunkt "Deutsches Wirtschaftsforum": Ackermann und Friedrich Merz (r.).(Foto: picture alliance / dpa)

Die Banken sollten sich selbstkritisch die Frage stellen, warum es den Krisenländern so lange möglich war, sich immer weiter und so hoch zu verschulden. "Fehlanreize durch falsche Regulierung haben hierbei ebenso eine Rolle gespielt wie mangelhaftes Risikomanagement in Banken und grundlegende Funktionsmängel der Finanzmärkte wie etwa Herdenverhalten."

Nun könnten sich viele Banken am Markt nicht mehr refinanzieren, nachdem sie durch notwendige Abschreibungen auf Staatsanleihen in die Verlustzone geraten seien, fasste Ackermann die Lage zusammen. Das erschwere die Finanzierung für Staaten, Unternehmen und Privathaushalte und beschwöre zusätzliche Risiken für die Konjunktur herauf.

Friedrich Merz erkennt "heilsamen Schock"

Der frühere CDU-Politiker Friedrich Merz, der als Vorsitzender des deutsch-amerikanischen Vereins Atlantik-Brücke bei der Konferenz sprach, sieht in der Schuldenkrise neue Chancen für Europa und Amerika. "Das ist ein heilsamer Schock", sagte er. Die Staaten und Gesellschaften hätten auf beiden Seiten des Atlantiks drei Jahrzehnte über ihre Verhältnisse gelebt und müssten nun erkennen, dass auch Staaten sich nicht unbegrenzt refinanzieren könnten.

Deutschland habe Erfahrungen mit der sozialen Marktwirtschaft gesammelt, die es wert seien, auch auf andere Staaten übertragen zu werden. Dazu zählten die Notwendigkeit einer starken Industrie und verantwortungsvolle Tarifpartner. Deutschland trage wegen seiner Lage in der Mitte Europas eine besondere Verantwortung, ob es wolle oder nicht.

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Quelle: n-tv.de

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