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Anflug auf Farnbourough mit charakteristisch nach oben gebogenen Tragflächen: Bei der Luftfahrtmesse im vergangenen Sommer war die Welt für den Dreamliner noch in Ordnung.
Anflug auf Farnbourough mit charakteristisch nach oben gebogenen Tragflächen: Bei der Luftfahrtmesse im vergangenen Sommer war die Welt für den Dreamliner noch in Ordnung.(Foto: Reuters)

Brandgefahr aus dem Frachtraum: Airbus kennt das Batterieproblem

Die Ermittlungen rund um das Startverbot für den Dreamliner von Boeing lenken die Aufmerksamkeit von Luftfahrtexperten auf ein lange verdrängtes Risiko: Lithium-Ionen-Akkus an Bord von Fracht- oder Passagiermaschinen verlangen "die Aufmerksamkeit der gesamten Branche".

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Fast ein Jahr vor Beginn der Pannenserie bei dem neuartigen Langstreckenjets Boeing 787 "Dreamliner" hat der europäische Flugzeughersteller und Boeing-Rivale Airbus auf die Gefahren von Lithium-Ionen-Batterien hingewiesen.

Bei einer Fachtagung im März 2012 wies eine Airbus-Expertin ausdrücklich auf Risiken wie Entflammbarkeit oder Explosionen hin. "Die Risiken im Zusammenhang mit Lithium-Batterien verlangen die Aufmerksamkeit der gesamten Branche", hieß es in einem Vortrag von einer für die Sicherheit des neuen A350 zuständigen Managerin.

Gefährlicher als jede Nagelschere

Dass Lithium-Ionen-Akkus unter ungünstigen Umständen zum Überhitzen neigen, ist allgemein bekannt. Stromspeicher dieses Typs kommen auch auf den Massenmärkten der Kommunikations- und Unterhaltungselektronik in einer Vielzahl an Produkten zum Einsatz.

In Einzelfällen sollen Lieferungen mit Lithium-Ionen-Akkus bereits schwere Zwischenfälle an Bord von Frachtmaschinen ausgelöst haben. Theoretisch geht eine ähnliche Gefahr von jedem privat an Bord gebrachten Handy-, Tablet- oder Laptop-Akku aus.

Groß wie ein Umzugskarton

Airbus wollte sich auf Anfrage zunächst nicht zu der Batterieproblematik äußern. Im A350, der dem Dreamliner im Segment der Langstreckenflieger Konkurrenz machen wird, kommen ebenfalls Lithium-Ionen-Akkus zum Einsatz, wenn auch in geringerem Ausmaß.

Für Boeing hat das Problem eine andere Dimension: Denn im Bauplan des Dreamliners verzichteten die Ingenieure auf das bislang übliche Zusatz-Aggregat zur Stromversorgung. So konnten sie das Gesamtgewicht der Maschine weiter reduzieren, was sich positiv auf den Sprit-Verbrauch auswirkt.

Um die Bordelektronik der 787 jedoch auch bei stehenden Triebwerken oder beim Betrieb am Boden in ausreichendem Maß mit Strom versorgen zu können, müssen die Akkus an Bord des Dreamliners sehr viel größer ausfallen. Die Hauptbatterie des Dreamliners hat in etwa die Ausmaße eines mittleren Umzugskartons.

Wenn es erst einmal zu der gefürchteten Überhitzung kommt, kann im Inneren des Batteriebehälters dementsprechend sehr viel mehr chemisches Material miteinander reagieren und Qualm ausstoßen als bei einem herkömmlichen Handy-Akku.

Nach einer Reihe von ernsten Zwischenfällen mit den Batterien hatten mehrerer Flugbehörden dem Dreamliner auf unbestimmte Zeit die Starterlaubnis entzogen. Bei einer geparkten 787 von Japan Airlines am Flughafen in Boston hatte Anfang Januar eine Batterie-Explosion einen Brand ausgelöst. Auch bei anderen Maschinen des Typs kam es zu teils erheblichen Problemen.

In Japan sahen sich die Piloten eines Dreamliners dazu gewzungen, ihren Flug abzubrechen und auf einem Provinzflughafen zu landen - wo die Maschine aufgrund des Flugverbots bis auf Weiteres stehen bleiben muss.

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Quelle: n-tv.de

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