Wirtschaft
Gegenwind für hochgespannte Unternehmenspläne: Welche Folgen hat die Megafusion für strukturschwache Regionen?
Gegenwind für hochgespannte Unternehmenspläne: Welche Folgen hat die Megafusion für strukturschwache Regionen?(Foto: REUTERS)
Dienstag, 02. Juli 2013

Proteststürme in der US-Provinz: Airline-Fusion stößt auf Widerstand

In den USA formiert sich eine ungewöhnliche Allianz gegen die spektakulären Pläne zweier Fluggesellschaften: US-Airways und American Airlines wollen die größte Fluggesellschaft der Welt bilden. In mehr als einem Drittel aller US-Bundesstaaten gehen die Kartellwächter auf die Barrikaden.

Mitte Juni mussten US-Airways-Chef Doug Parker (l.) und American-Airlines-Sprecher Gary Kennedy bereits im US-Kongress Rede und Antwort stehen.
Mitte Juni mussten US-Airways-Chef Doug Parker (l.) und American-Airlines-Sprecher Gary Kennedy bereits im US-Kongress Rede und Antwort stehen.(Foto: REUTERS)

Justizminister aus 19 US-Bundesstaaten schließen sich der Überprüfung des US-Justizministeriums zur geplanten Megafusion der Fluggesellschaften US Airways und American Airlines an. Die kartellrechtliche Prüfung der Bundesstaaten würde von Texas angeführt, hieß es aus dem Umfeld der beteiligten Behörden.

Der Grund für den Aufstand der föderalen Kräfte liegt auf der Hand: Einige der beteiligten Staaten fürchten durch die Fusion der beiden Fluggesellschaften widrige Auswirkungen auf die regionalen Arbeitsmärkte. Der Zusammenschluss zur weltweit größten Airline dürfte in der Tat mit Umstrukturierungen einhergehen - schließlich zählen gerade solche Einspareffekte zu den wichtigsten Argumenten für eine Fusion.

Eine Ausdünnung des Flughafennetzes träfe vor allem die Bundesstaaten abseits der großen Wirtschaftszentren, also insbesondere im Mittleren Westen und im Süden der USA. Derzeit betreiben US Airways und American Airlines dort jeweils eigene regionale Drehkreuze. In einigen Bundesstaaten kursieren angesichts der Fusionspläne auch Befürchtungen, dass nach einem Zusammenschluss vor allem kleinere, weniger stark frequentierte Flughäfen künftig nachrangig bedient und damit beim Verbindungsangebot deutlich schlechter gestellt würden.

An den einzelnen Standorten hätte das konkrete wirtschaftliche Folgen: In strukturschwachen Regionen dienen Flughäfen in der Regel als zugkräftiger Wirtschaftsmotor, der ein breites Spektrum an Unternehmen ernährt und Arbeitsplätze auf allen Ebenen - vom Vorfeldarbeiter, über Sicherheitspersonal bis hin zum hochbezahlten Fluglotsen im Tower - sichert. Im Umfeld regionaler Luftdrehkreuze siedeln sich zudem häufig Einzelhändler, gastronomische Betriebe und Tagungshotels an. Dazu kommen die Standortvorteile, die sich für Industriebetriebe ergeben, die auf eine eng getaktete Luftfrachtanbindung angewiesen sind.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass auch in der US-Hauptstadt Washington, D.C. die Zweifel wachsen: Das US-Justizministerium habe in dieser Frage bei US Airways und American Airlines eidesstattliche Erklärungen eingeholt, was darauf hindeute, dass das Ministerium kartellrechtliche Bedenken hege.

Es gehe dabei darum, ob die Airlines dem Verkauf von Start- und Landerechten zustimmen würden, um ihre Dominanz auf dem Washingtoner Reagan-Flughafen zu verringern, hieß es.

Die beiden Fluggesellschaften hatten ihre Fusionspläne zur weltgrößten Airline im Februar bekanntgegeben. Die Unternehmen hoffen, bis Ende September die Transaktion vornehmen zu können. Das Justiz- wie das Transportministerium müssen das Zusammengehen allerdings genehmigen. Diese behördliche Freigabe steht derzeit noch aus.

Ein Nein galt Experten bislang als unwahrscheinlich. Mit dem Widerstand der regionalen Kartellwächter könnte sich das womöglich ändern. Auch aus Europa könnte noch ein Veto kommen: Da die beiden Fluggesellschaften auch im europäischen Flugverkehr eine bedeutende Rolle spielen, muss die EU-Kommission dem Zusammenschluss noch zustimmen.

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Quelle: n-tv.de

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