Wirtschaft
PNE plant Windparks in ganz Deutschland.
PNE plant Windparks in ganz Deutschland.(Foto: imago/Westend61)

Razzia bei Hauptversammlung: Aktionäre rufen Polizei zur Hilfe

Auf Hauptversammlungen wird häufig kontrovers diskutiert. Doch was beim Aktionärstreffen des Windparkentwicklers PNE in Cuxhaven passierte, ist beispiellos in der deutschen Wirtschaft.

Aktionäre des niedersächsischen Windparkentwicklers PNE Wind haben nach einer kontrovers verlaufenen Hauptversammlung die Polizei zur Hilfe gerufen. Wie ein Sprecher von PNE Wind sagte, versiegelten Polizeibeamte daraufhin in der Nacht einen Raum, in dem sich Abstimmungsunterlagen befanden. Zuvor war die Veranstaltung in Cuxhaven nach Unternehmensangaben ohne die Verkündung von Wahlergebnissen abgebrochen worden.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade bestätigte am Morgen, dass die Polizei Daten und Abstimmungsergebnisse beschlagnahmt habe. "Wir prüfen, ob im Zusammenhang mit der Hauptversammlung der Straftatbestand der Urkundenunterdrückung verwirklicht wurde", sagte der Staatsanwalt.

Das ungewöhnliche Ende der Hauptversammlung steht womöglich im Zusammenhang mit einem Streit um die künftige Besetzung des Aufsichtsrats. Nach einem Vorschlag von Vorstand und Kontrollgremium soll unter anderem der Großaktionär Volker Friedrichsen den Aufsichtsrat verlassen. Hintergrund ist eine Schadensersatzforderung von PNE Wind gegen die Beteiligungsgesellschaft Friedrichsens. PNE Wind sieht Friedrichsen angesichts dessen in einem Interessenkonflikt. Die Beteiligungsgesellschaft des Aktionärs hält die Forderung hingegen für nicht gerechtfertigt.

Aktionär "angewidert" vom Management

Wie der PNE-Wind-Sprecher sagte, war die Hauptversammlung am Dienstag von "einer Fülle von Wortmeldungen und Anträgen" geprägt. Der Versammlungsleiter habe die Ergebnisse der Aktionärsabstimmung deshalb bis Mitternacht trotz seiner Bemühungen nicht verkünden können. Er habe die Versammlung aus dem Grund wie vorgeschrieben in der Nacht zu Mittwoch auf einen bislang unbestimmten Termin vertagt.

Die Beteiligungsgesellschaft Friedrichsens widersprach der Darstellung in einer Stellungnahme. Die Ergebnisse der Abstimmung hätten gegen 22.30 Uhr vorgelegen, teilte die Gesellschaft mit. Die Verwaltung habe sie "lediglich nicht bekanntgegeben". Und weiter: "Wir Aktionäre sind angewidert vom Verhalten der Verwaltung." Friedrichsens Beteiligungsgesellschaft kündigte an, rechtliche Schritte gegen Verantwortliche von PNE Wind zu prüfen.

Laut einem Bericht des "Handelsblatts" sorgte vor allem die üppige Vergütung des Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Kuprian für Empörung unter den Aktionären. Für die Kontrolle der PNE Wind mit einem Umsatz von etwa 211 Millionen Euro lasse Kuprian sich jährlich mit 341.500 Euro entlohnen. Das sei mehr als die Vergütung der meisten Aufsichtsratschefs von Dax-Konzernen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen