Wirtschaft
Die Arbeitsbedingungen bei Amazon sorgen weiter für Schlagzeilen.
Die Arbeitsbedingungen bei Amazon sorgen weiter für Schlagzeilen.(Foto: picture alliance / dpa)

Verdi muss draußen bleiben: Amazon-Chef will Betriebsräte

Nach tagelangen Negativschlagzeilen geht Amazon in die Offensive. Deutschland-Chef Kleber spricht sich für die Gründung von Betriebsräten bei Amazon aus und lobt das Prinzip der Mitbestimmung. Mit der Gewerkschaft Verdi will Amazon jedoch nicht verhandeln - wegen scharfer Angriffe in den vergangenen Tagen.

Amazon will die Mitbestimmung seiner Arbeitnehmer in Deutschland verbessern. Der Geschäftsführer der deutschen Tochter des Internet-Versandhändlers, Ralf Kleber, sprach sich nach dem Wirbel um die Arbeitsbedingungen in seinem Unternehmen für mehr Betriebsräte aus. "Ich finde Betriebsräte sehr gut und ich ermuntere die Mitarbeiter in unseren Logistikzentren, Betriebsräte mitzugründen", sagte er dem "Spiegel".

Eine Abfuhr erteilte Kleber allerdings der Gewerkschaft Verdi, mit der Amazon einer Unternehmenssprecherin zufolge nicht über einen Tarifvertrag verhandeln will. Zwar sei das Unternehmen bereit, informelle Gespräche fortzusetzen - es sehe derzeit aber "zu wenige Gemeinsamkeiten, um Verhandlungen aufzunehmen", sagte die Sprecherin. "Von Verdis scharfen Angriffen und Anschuldigungen in den letzten Tagen sind wir enttäuscht." Verdi hatte dem Unternehmen angesichts des Wirbels um den Umgang mit Leiharbeitern mangelndes Verantwortungsbewusstsein vorgeworfen.

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Die Gewerkschaft hatte zuvor mitgeteilt, Amazon wolle keine Tarifverhandlungen führen. Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago nannte dies "völlig unakzeptabel". Er kritisierte nach einem Gespräch mit der Amazon-Geschäftsführung am Standort Leipzig: "In der aktuellen Lage muss Amazon doch alles für ein besseres Image tun." Wer viel von seinen Beschäftigten halte, müsse auch bereit sein, faire Arbeitsbedingungen tariflich zu vereinbaren.

Amazon will nicht mehr zahlen

Die Gewerkschaft kämpft für höhere Löhne für die fest angestellten Beschäftigten des Versandhändlers. Verdi verlangt, dass Amazon den Flächentarifvertrag für den Einzelhandel anerkennt. Daraus würden sich deutlich höhere Stundenlöhne ergeben. Bislang orientiere sich das nicht tarifgebundene Unternehmen am Tarifvertrag für die Logistikbranche. Amazon teilte mit, die Vergütung der Mitarbeiter liege am oberen Ende dessen, was in der Logistik üblich sei.

Zum Thema Mitbestimmung hieß es, an zwei von acht deutschen Standorten habe Amazon bereits Betriebsräte, an einem dritten formiere sich gerade einer. Im Logistikzentrum in Pforzheim laufen bereits die Vorbereitungen für die Wahl eines Betriebsrats. In Pforzheim sind derzeit rund 500 Mitarbeiter mit langfristigen Verträgen beschäftigt. Hinzu kommen je nach Saison mehrere hundert Aushilfen.

Amazon war nach Berichten über die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern in die Kritik geraten und hatte sich von einem Sicherheitsdienst und einem Dienstleister getrennt. "Dass ein Sicherheitsdienst in der gezeigten Art und Weise unsere Mitarbeiter bedrängt, das ist nicht akzeptabel", sagte Geschäftsführer Kleber. Er bedauere die Vorfälle.

Leiharbeiter sollen genauso bezahlt werden wie Stammkräfte

In einer ARD-Sendung waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern am hessischen Amazon-Standort Bad Hersfeld gezeigt worden. "Die Fernsehbilder, die wir gesehen haben, machen mich betroffen", sagte Kleber. "Dass wir die Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst und mit einem weiteren Dienstleister beendet haben, war nur der Anfang. Wir prüfen, welche weiteren Konsequenzen wir noch ziehen werden."

Amazon hält aber dennoch an der Leiharbeit fest. "Wir brauchen Leiharbeiter, um das Saisongeschäft abzufedern, und wir haben den Anspruch, die Leiharbeiter genauso zu behandeln und zu bezahlen, wie unsere Stammbelegschaft", sagte Kleber. Der Prozentsatz der Leiharbeiter bei Amazon sei aber verschwindend gering.

Neben dem Wirbel um Leiharbeiter hat Amazon auch Ärger mit den Wettbewerbshütern. Das Bundeskartellamt hatte angekündigt, die Rechtmäßigkeit von Preisauflagen für Händler zu prüfen, die Waren über Amazon anbieten. Kleber zeigte sich gelassen. Das Verfahren sei Amazon schon seit längerem bekannt. "Wir begrüßen das Verfahren, weil es endlich Klarheit in einer wichtigen Grundsatzfrage schaffen wird."

Quelle: n-tv.de

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