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Zweite Front im Amazon-Arbeitskampf: Mitarbeiter machen gegen Verdi mobil

Seit Monaten streiten Verdi und der Online-Händler Amazon über die Bezahlung der Mitarbeiter. Mit einer Serie an Streiks versucht die Gewerkschaft den Druck zu erhöhen. Bislang ohne Erfolg - ganz im Gegenteil.

Gegen die von der Gewerkschaft Verdi initiierten Streiks  beim Onlinehändler Amazon in Deutschland formiert sich Widerstand unter den Beschäftigten. Bereits Ende Dezember waren in Leipzig und Bad Hersfeld mehr als 1000 Unterschriften gegen eine "negative Darstellung" des Unternehmens in der Öffentlichkeit gesammelt worden. Das berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung". Als nächstes sei eine T-Shirt-Aktion geplant, sagte Initiatorin Sandra Münch. Es sollten Shirts mit der Aufschrift "Pro Amazon" bedruckt werden. Die Mitarbeiter wollten damit zeigen, dass sie gerne bei dem US-Versandhändler arbeiten und nicht hinter den seit Monaten andauernden Verdi-Streiks stehen.

Demnach erklärten 1018 Mitarbeiter der Standorte Leipzig und Bad Hersfeld bereits Ende Dezember, dass sie sich von den derzeitigen Zielen, Argumenten und Äußerungen Verdis, "die in der Öffentlichkeit über Amazon und damit über uns verbreitet werden", distanzierten. Ein Foto des Schreibens ist auf einem firmeneigenen Blog abgebildet. Wer das Protestschreiben aufgesetzt hat, ist unklar.

Wirklich? Offenbar stehen nicht alle Beschäftigten hinter den Gewerkschaftsaktionen.
Wirklich? Offenbar stehen nicht alle Beschäftigten hinter den Gewerkschaftsaktionen.(Foto: picture alliance / dpa)

Das von Verdi gezeichnete "negative öffentliche Bild" verfolge sie "bis ins Privatleben". Die Darstellungen der Gewerkschaft entsprächen "nicht der Realität und nicht unserem täglichen Arbeitsleben". Man wolle sich "nicht mehr privat für unseren Arbeitgeber, unsere Arbeitsbedingungen und die Ansicht einiger Kollegen rechtfertigen", heißt es weiter.

Münch, die nach eigenen Angaben seit 2006 im Amazon-Versandzentrum Leipzig arbeitet, sagte: "Ich bin absolut zufrieden, sonst hätte ich das auch nicht gemacht." Den Arbeitskampf, mit dem Verdi einen Tarifvertrag zu Einzelhandelskonditionen durchsetzen will, empfinde sie nicht als in ihrem Sinne. Es hätten mehr Leute ihren Aufruf Ende Dezember unterschrieben, als sich an den Streiks im Weihnachtsgeschäft beteiligt hätten.

Streit um "tarifliche Regelungen"

Verdi reagierte zurückhaltend auf die Mitarbeiter-Aktionen. "Auch unsere Streikenden arbeiten gern bei Amazon", sagte Verdi-Sekretär Sebastian Viecenz. Es könne aber nicht sein, dass es bei Amazon keine tariflichen Regelungen gebe.

In der Woche vor Weihnachten hatten täglich Hunderte Amazon-Beschäftigte in den Versandhandelszentren Leipzig und Bad Hersfeld sowie an einem Tag auch im bayerischen Graben für Tarifverhandlungen gestreikt. Sie fordern einen Tarifvertrag auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels.

Das Amazon-Management lehnt Verhandlungen ebenso wie eine Tarifbindung bisher ab. Das Unternehmen orientiert sich an der niedrigeren Bezahlung in der Logistikbranche. Verdi hat bereits angekündigt, die Streiks bei Amazon in diesem Jahr fortzusetzen und möglicherweise auf weitere Standorte auszuweiten.

Quelle: n-tv.de

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