Wirtschaft
Ana Botíns war bisher als Präsidentin des britischen Ablegers Santander UK tätig.
Ana Botíns war bisher als Präsidentin des britischen Ablegers Santander UK tätig.(Foto: REUTERS)

Nach Tod des Patriarchen: Ana Botín ist neue Santander-Chefin

Es ist eine Thronfolge, wie man sie sonst eher aus europäischen Königshäusern kennt: Bei der spanischen Großbank Santander wird der gerade verstorbenen Chef Emilio Botín durch seine Tochter an der Konzernspitze ersetzt. Daran gibt es durchaus auch Kritik.

Nach dem unerwarteten Tod des langjährigen Chefs der spanischen Bank Santander, Emilio Botín, übernimmt seine Tochter das Ruder in dem wichtigen Gremium. Das Geldhaus ernannte Ana Patricia Botín als Nachfolgerin ihres im Alter von 79 Jahren an einem Herzinfarkt gestorbenen Vater.

Damit bleibt die Führung der spanischen Bank erneut in der Familie, die bei Santander seit Anfang des 20. Jahrhunderts das Sagen hat. Frau Botín ist 53 Jahre alt und erste Frau an der Spitze einer großen Bank in Europa. Bisher war sie als Präsidentin des britischen Ablegers Santander UK tätig.

Emilio Botín war am Vortag gestorben. Kollegen und Wettbewerber hatten ihm trotz seines hohen Alters noch mehrere Jahre an der Spitze der Bank zugetraut. Emilio Botín wurde 1960 Mitglied im Verwaltungsrat von Bank Santander und löste 1986 seinen Vater an der Spitze des Gremiums ab. Botín, passionierter Golfspieler und geschickter Verhandlungsführer, machte sich die Regierungspläne zu Nutze, Fusionen im Bankensektor zu forcieren.

Wirtschaftskrise konnte Santander nichts anhaben

Der Zusammenbruch des größeren Wettbewerbers Banesto, der 1993 von Spanien verstaatlicht wurde, war seine Chance. In einer Auktion kaufte er das Kreditinstitut und baute die Größe der Santander durch weitere Übernahmen in den Folgejahren stetig aus. Sein Händchen für Zukäufe war über die Grenze Spaniens hinaus bekannt. Im Jahr 2004 kaufte Santander die britische Bank Abbey National, ein seltener Schritt einer spanischen Bank auf diesen Markt. Auch zahlreiche Zukäufe in Südamerika gingen auf sein Konto.

Die Bank Santander ist das größte Unternehmen Spaniens. Sie stand auch 2008 auf so starken finanziellen Füßen, dass es die ausgebrochene Immobilien- und Wirtschaftskrise überstehen konnte. Das vergangene Jahr schloss die Bank bei einem Umsatz von 39,75 Milliarden Euro mit einem Nettogewinn von 4,37 Milliarden Euro ab. Auch im zweiten Quartal 2014 wurden zuletzt die Erwartungen der Analysten mit einem Überschuss von 1,45 Milliarden Euro übertroffen. Das waren 38 Prozent mehr als im - bereits guten - Vorjahreszeitraum.

Tochter gilt als kompetent

Die Ernennung von Frau Botín lag auf der Hand, da sie bereits hochrangige Funktionen bei Santander-Töchtern in Spanien, Lateinamerika und Großbritannien bekleidet. Zudem sind alle Vize-Vorsitzenden im Verwaltungsrat bereits älter als 65 Jahre.

Während Beobachter Frau Botín als kompetent für den Job an der Spitze der Bank halten, ist jedoch auch Kritik zu hören: Das börsennotierte Geldhaus habe die Chance verpasst, die Familiendynastie zu beenden und sich mehr an internationalen Standards für die Ernennung von Spitzenmanagern zu orientieren, sagen einige.

Quelle: n-tv.de

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