Milliarden-Erbin SchickedanzAngst vor der Armut
Die Quelle-Erbin und Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz fürchtet sich vor dem Verlust ihres gesamten Vermögens, sollte die Sanierung von Arcandor scheitern. In einem Interview räumt sie ein, durch eigene Fehler eine Mitschuld an der Krise beim Handelskonzern zu tragen.
"Wir leben von 600 Euro im Monat", sagt die prominente Erbin in einem Interview mit der "Bild am Sonntag". Statt teurem Essen, Kosmetik oder edler Kleidung kaufe sie nun auch beim Discounter, "Gemüse, Obst und Kräuter haben wir im Garten", so Schickedanz.
Besonders grämt die Großaktionärin, in der Öffentlichkeit als Milliardärin zu gelten. "Das ist falsch, ich bin eine Mittelständlerin, die wie viele Unternehmer privates Geld und Vermögen in die Firma investiert hat". Der Kurseinbruch bei Arcandor habe ihr Vermögen erheblich dezimiert. Aus einst drei Mrd. Euro Aktienvermögen sind demnach auf dem Papier zuletzt 27 Mio. Euro geworden. Hinzu kämen noch private Verluste in dreistelliger Millionenhöhe durch die Beteiligung an einer Kapitalerhöhung. "Wenn die Rettung von Arcandor scheitert und die Banken die Kredite fällig stellen, verliere ich alles - Häuser, Aktien, Beteiligungen an anderen Firmen". Nicht einmal einen Anspruch auf Rente habe sie dann noch.
Kontrolle verloren
Auch persönlich macht sich Madeleine Schickedanz Vorwürfe, nichts gegen die Krise bei Arcandor unternommen zu haben. "Ich habe viel zu spät gemerkt, dass ich die Kontrolle verloren hatte", sagt die Quelle-Erbin im Interview. Viel früher hätte sie Themen wie Internet im Versandhandel und die Veränderungen im Kaufhausgeschäft angehen müssen.
Auch wenn Schickedanz nicht selbst im Aufsichtsrat sitzt, sondern dort von ihrem Mann Leo Herl vertreten wird, stellt sie sich bei den Untreuevorwürfen gegen Ex-Chef Thomas Middelhoff vor den einstigen Karstadt- und Quelle-Lenker. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Middelhoff etwas Unlauteres getan hat", sagt sie, vielleicht habe er jedoch seinem Finanzvorstand zu viel Freiheit gelassen. Ohne Middelhoff sei Karstadt/Quelle schon viel früher am Ende gewesen.
Anfang Juni hatte Arcandor Antrag auf Insolvenz gestellt, nachdem das Drängen des Unternehmens auf Staatshilfe keinen Erfolg gebracht hatte. Madeleine Schickedanz musste damals wegen Herzrhythmusstörungen intensivmedizinisch behandelt werden.