Wirtschaft
Wendelin Wiedeking (hier bei einem früheren Prozesstermin) soll eine saftige Buße zahlen.
Wendelin Wiedeking (hier bei einem früheren Prozesstermin) soll eine saftige Buße zahlen.(Foto: dpa)

Dünne Beweislage: Anklage fordert Haftstrafe für Wiedeking

Vor einigen Jahren versucht sich Porsche an der Übernahme des wesentlich größeren Volkswagen-Konzerns. Die Sache geht gründlich schief. Anleger verlieren Unsummen - und wollen Schadenersatz vom damaligen Chef. Die Beweislage ist aber problematisch.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft will Ex-Porschechef Wendelin Wiedeking und dessen ehemaligen Finanzvorstand Holger Härter wegen ihrer Rolle in der VW-Übernahmeschlacht 2008 hart bestrafen. Laut Plädoyer der Ankläger soll Wiedeking eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten bekommen, das Strafmaß für Härter soll bei zwei Jahren und drei Monaten liegen. Hinzu sollen Geldbußen von je einer Million Euro kommen, wie es die Staatsanwaltschaft bereits im ersten Teil des Plädoyers gefordert hatte. Zudem forderte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag, gegen die Porsche Automobil Holding SE eine Geldbuße von 807 Millionen Euro zu verhängen.

Die Strafverfolger sehen es als erwiesen an, dass Wiedeking und der damalige Porsche-Finanzvorstand Holger Härter beim Übernahmepoker um Volkswagen 2008 mit unrichtigen öffentlichen Aussagen den VW-Aktienkurs manipulieren wollten. Die beiden hätten mit "großer konspirativer Energie" den Tatplan verfolgt, eine durch Übernahmephantasien getriebene Verteuerung von VW-Aktien zu verhindern, erklärte Staatsanwalt Aniello Ambrosio bei seinem Plädoyer vor dem Landgericht Stuttgart. Das lasse sich allerdings nicht durch Zeugenaussagen beweisen, weil die beiden den Erwerb von mehr als 75 Prozent an VW im März 2008 und damit sieben Monate vor der offiziellen Bekanntgabe nur untereinander besprochen hätten.

These der Staatsanwaltschaft nicht gestützt

Die von den Familien Porsche und Piech beherrschte Porsche SE, deren Vorstandschef Wiedeking bis 2009 war, hatte am Ende Oktober 2008 die Absicht bekannt gegeben, mehr als 75 Prozent der VW-Stammaktien erwerben zu wollen. Von März bis September hatte die Holding das jedoch dementiert. Der Aktienkurs schnellte im Oktober in die Höhe. Anleger wurden auf dem falschen Fuß erwischt und verloren viel Geld. Viele Hedgefonds kämpfen vor Gericht gegen Porsche noch immer um Schadensersatzzahlungen im Milliardenhöhe. Die Pläne gingen übrigens schief, die Porsche SE verschuldete sich stark und musste ihre Autoproduktion schließlich an VW verkaufen - 2009 räumten Wiedeking und Härter ihre Posten.

Wiedeking und Härter hatten zum Prozessauftakt alle Vorwürfe zurückgewiesen. Nach Wiedekings Darstellung hatte der Aufsichtsrat der Porsche SE erst kurz vor der Mitteilung von Ende Oktober dem Vorstand für seinen Plan grünes Licht gegeben. Erst dann habe Ferdinand Piech, bis Frühjahr 2015 VW-Aufsichtsratschef, nach längerem Sträuben eingelenkt.

In dem seit Oktober laufenden Prozess hatten ein Gutachten und zahlreiche Zeugenvernehmungen die Thesen der Staatsanwaltschaft nicht stützen können. Wiedekings und Härters Verteidiger kritisierten das Plädoyer des Staatsanwalts. Es sei erstaunlich, dass dieser sich nur auf Indizien stütze, sagte Rechtsanwalt Walther Graf. Härters Verteidigerin Anne Wehnert ergänzte, die Indizien könnten in gegensätzliche Richtungen ausgelegt werden.

Ein Verstoß gegen das Verbot von Marktmanipulation kann nach dem Gesetz auch mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden. Bei der ersten Anklage plädierte die Staatsanwaltschaft auf eine Geldbuße von jeweils einer Million Euro für Wiedeking, Härter und die Porsche SE. Das Urteil kündigte Richter Frank Maurer für den 4. März an.

Quelle: n-tv.de

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