Wirtschaft
Keine Extratouren hinter dieser Linie, bedeutet ein Schild im US-Kongress. Ob die Republikaner bei ihrer harten Haltung ins Sachen Schuldendecke bleiben, bleibt abzuwarten.
Keine Extratouren hinter dieser Linie, bedeutet ein Schild im US-Kongress. Ob die Republikaner bei ihrer harten Haltung ins Sachen Schuldendecke bleiben, bleibt abzuwarten.(Foto: Reuters)

Stillstand in den USA - na und?: Anleger bleiben (vorerst) cool

Die Investoren an den Finanzmärkten scharren mit den Füßen. Schaffen es die politischen Lager in den USA den Finanzstreit auf den letzten Drücker beizulegen? Noch nie waren die USA gleichzeitig ohne Haushalt und so nahe an einem Staatsbankrott.

"High Noon" in den USA - das Gezocke in Washington zerrt an den Nerven. Auch die Finanzbörsen stehen ganz im Bann des Finanzpokers in den USA. Sollte bis zum Stichtag am 17. Oktober der Schuldendeckel von 16,7 Billionen Dollar nicht angehoben werden, geht der US-Regierung irgendwann in den Tagen danach das Geld aus. Der Etatstreit in der weltgrößten Volkswirtschaft gerät nicht das erste Mal zu einer Zitterpartie. 

Börsianer rund um den Globus starren wie hypnotisiert auf ihre Bildschirme und warten gespannt auf Nachrichten, schreibt Aktienhändler Jonathan Sudaria vom Brokerhaus Capital Spreads in einem Kommentar. Die Stimmung ist gedrückt, die Verluste halten sich aber dennoch bislang in Grenzen. Dax und EuroStoxx50 gaben am Mittwoch bei geringen Umsätzen nur leicht nach. Erste Risse sind allerdings erkennbar - die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, stiegen um 4,4 und sechs Prozent.

Die Börsen in Ostasien reagierten ohne klaren Trend auf die aktuellen Nachrichten aus Washington. Während es an den meisten Handelsplätzen der Region für knappe Aufschläge reichte, fielen die Börsen in China zurück. Beobachter machten dafür allerdings vor allem hausgemachte Gründe verantwortlich.

Das Prinzip Hoffnung

Bislang gehen die meisten Börsianer davon aus, dass sich die Politiker am Ende doch zusammenraufen und in letzter Minute einen Kompromiss finden werden. Auch bei früheren Finanzstreits wurde erst nach Ablauf der Frist eine endgültige Lösung gefunden. Wie die Streithähne in Washington jedoch aus dem Dilemma herauskommen können, ist derzeit völlig unklar. Möglicherweise wird sich die jetzige Hängepartie noch bis ins Wochenende hineinziehen. Laut "New York Times", ist es durchaus möglich, dass erst Freitag oder gar Samstag über eine Erhöhung des Schuldenlimits abgestimmt wird. Entscheidend sei, dass es zuvor eine Einigung gebe - um die Märkte zu beruhigen, sagen Beobachter.

Auch am Devisenmarkt dominiert im Moment das Prinzip Hoffnung. Der Euro kostete zuletzt mit 1,3548 Dollar etwas mehr als zum New Yorker Vortagesschluss. Er war am Vortag unter die Marke von 1,35 Dollar gefallen. Der Bund-Future stagnierte bei 139,21 Stellen. Erstaunlich wacker schlug sich der US-Dollar. Zum als Krisenwährung geltenden Yen legte der Greenback sogar zu. Nach Kursen von knapp über 98,10 Yen je Dollar im späten US-Handel ging er zuletzt mit 98,45 Yen um.

Am Goldmarkt war die Krisenstimmung etwas deutlicher spürbar - wenn auch mit Verzögerung. Der Preis für die Feinunze kletterte auf 1284 Dollar nach 1281 im späten US-Geschäft. Allerdings hatte sich der Goldpreis auch schon am Vortag etwas erholt und damit auf die jüngsten Nackenschläge aus Washington reagiert. Im Vortagestief war die Feinunze unter 1254 Dollar gehandelt worden.

Von Unruhe an den Finanzmärkten kann bislang also keine Rede sein. Marktbeobachter warnen aber davor, dass die ausgeglichene Stimmung schnell ins Gegenteil umschlagen könnte. Sollten die USA tatsächlich zahlungsunfähig werden, rechnen Pessimisten mit ähnlichem Aufruhr wie nach der Lehman-Pleite 2008. Am Vortag hatte die Ratingagentur Fitch bereits das begehrte "AAA"-Rating der USA unter Beobachtung gesetzt. Aktienkurse und der Dollar gerieten daraufhin leicht unter Druck.

US-Kreditausfallversicherungen teurer

Die Skepsis der Investoren lässt sich auch am Markt für Credit Default Swaps (CDS) ablesen. So verteuerte sich eine zwölf Monate laufende Versicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets von US-Anleihen gegen Zahlungsausfall um 13.000 auf 75.000 Dollar. Das ist der höchste Stand seit Juli 2011. Der Preis für vergleichbare CDS mit einer Laufzeit von fünf Jahren hielt sich bei 37.000 Dollar pro Jahr.

Wichtig für Investoren ist dabei der Blick auf die sogenannte Inversion, die eine aktuelle oder drohende Krise signalisiert. Diese hat sich weiter vergrößert. Mit "Inversion" bezeichnen Börsianer den Umstand, dass Kreditausfall-Versicherungen mit kürzeren Laufzeiten mehr kosten als solche mit längeren. Üblicherweise ist es umgekehrt, weil bei längeren Laufzeiten das Risiko unvorhergesehener Ereignisse größer ist. In den Augen der Investoren ist das kurzfristige Risiko derzeit größer.

Quelle: n-tv.de

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