Wirtschaft
Aus den Riesenrädern wurde nichts - ebensowenig aus den Investments.
Aus den Riesenrädern wurde nichts - ebensowenig aus den Investments.(Foto: dpa)

Das Riesenrad der Deutschen Bank: Anleger fühlen sich betrogen

Sie vertrauten - wie seit 20 Jahren - ihrem Deutsche-Bank-Berater. Doch das Investment in einen Fonds für Riesenräder entpuppte sich als Flop. Nun fordert ein Ehepaar 30 000 Euro nebst Zinsen zurück. Ein Angebot zum Vergleich schlug der Anwalt des Paares vor Gericht aus.

Zwei langjährige Deutsche-Bank-Kunden haben nach einem Fehlinvestment in einen Fonds zum Bau von Riesenrädern vor Gericht einen Vergleich mit Deutschlands größter Bank abgelehnt. Der Anwalt des Ehepaares aus Norddeutschland bekräftigte vor dem Landgericht Frankfurt die Forderung nach Rückzahlung der im Jahr 2006 investierten 30.000 Euro "plus angemessener Zinszahlung". Der Anwalt der Deutschen Bank wies dies harsch zurück: "Veräppeln kann ich mich selbst. Das ist kein Vergleich, das ist destruktiv."

Der Fonds sollte Riesenräder etwa in Berlin und Peking finanzieren - und hunderte Anleger wollten ein großes Rad drehen. Das luftige Investment floppte, keines der Projekte wurde verwirklicht. Das Fondsvolumen schrumpfte von über 200 Millionen auf 20 Mio. Euro. Mehr als 90 Prozent der Anleger nahmen das Angebot an, 60 Prozent ihres investierten Geldes wieder ausgezahlt zu bekommen.

Falsch beraten

Der 42 Jahre alte Kläger - nach eigenem Bekunden mit Erfahrung in komplexen Finanzprodukten - und seine Frau - eine Bankkauffrau - werfen der Deutschen Bank als Verkäuferin und dem Bankhaus Delbrück Bethmann Maffei (DBM), das den Fonds aufgelegt hatte, Falschberatung und Fehler im Verkaufsprospekt vor (Az.: 2/10 O 339/10). Die Banken weisen die Vorwürfe zurück. Die Deutsche Bank erklärt, sie habe "auf der Grundlage der im Prospekt genannten Angaben" beraten und "Chancen und Risiken ausdrücklich beleuchtet".

Dagegen betonte der Anwalt der Kläger vor Gericht: "Selbst ein Treffen auf halbem Wege ist nicht akzeptabel angesichts der massiven Fehler im Prospekt." So sei in der über 230 Seiten starken Broschüre zum Riesenradfonds "Global View" nicht erkennbar gewesen, dass die Finanzierung für ein Riesenrad in Peking - am liebsten pünktlich zu den Olympischen Sommerspielen 2008 - nur eine Absichtserklärung gewesen sei, die auch noch unter Vorbehalten gestanden habe.

Der Vorsitzende Richter Götz Böttner ließ erkennen, dass er an dieser Stelle noch Klärungsbedarf sieht: "Das Hauptproblem des Prospekts ist die Frage der Finanzierung des Projekts Peking."

Zugleich machte Böttner deutlich, dass zumindest die Klage der Frau "auf tönernen Füße" steht: Die Frau hat zwar nach eigener Aussage wie ihr Mann den Verkaufsprospekt gelesen. Doch vor Gericht erklärte ihr Anwalt: "Die Klägerin hat sich darauf verlassen, dass ihr Mann ausführlich beraten wurde." Die Gegenseite unkte sogleich: "weltfremd". Fremd geworden sind sich auch die Deutsche Bank und die offenbar vermögenden Kläger: Nach 20 Jahren habe die Familie kürzlich sämtlich Geschäftsbeziehungen gekappt, berichtete der 42-Jährige. Mit einer Entscheidung in dem Zivilprozess ist erst ab April zu rechnen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen