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Aktie Topverlierer im MDax: Job-Kahlschlag bei Osram schockt

Mit einem massenhaften Stellenabbau reagiert Osram auf den Wandel im Lichtmarkt: Weltweit soll fast ein Viertel der Jobs wegfallen. Und das dürfte noch immer nicht das Ende der Fahnenstange sein. Die IG Metall läuft Sturm, die Anleger reagieren.

Die neuen umfangreichen Sparmaßnahmen bei der ehemaligen Siemens-Tochter Osram stoßen auf scharfe Kritik. "Ein Kahlschlag in diesem Umfang ist auch vor dem Hintergrund der technologischen Entwicklung der Leuchtmittelbranche nicht schlüssig nachzuvollziehen", sagte Bayerns IG-Metall-Bezirkschef Jürgen Wechsler."Offenbar soll wieder einmal die Belegschaft ausbaden, dass das Management zu spät und zu zögerlich auf den Wandel des Marktes reagiert hat."

Auch am Aktienmarkt kommen die Pläne nicht gut an, oder gehen nicht weit genug: Der Aktienkurs gibt rund 5 Prozent nach. Die Titel sind damit größter Verlierer im Nebenwerte-Index MDax.

Osram hatte zuvor bekanntgegeben, dass durch das neue Sparprogramm noch einmal rund 7800 Jobs wegfallen, davon rund 1700 in Deutschland. Betroffen sind vor allem München, Augsburg, Eichstätt und Berlin - in welchem Umfang, gab Osram aber zunächst nicht bekannt. Mit Hilfe der Einsparungen sollen die Kosten bis Ende des Geschäftsjahrs 2017 dauerhaft um rund 260 Millionen Euro sinken.

Und es geht weiter ...

Osram-Chef Wolfgang Dehen schließt auch Entlassungen nicht aus. Und schon jetzt ist absehbar, dass dies nicht ausreichen dürfte, um die Einbrüche im traditionellen Lichtgeschäft abzufedern, wie Dehen klarmachte: "Wir werden auch über die zweite Welle hinaus dort Anpassungen vornehmen." Deren Größenordnung lasse sich aber noch nicht absehen.

IG-Metall-Bezirkschef Wechsler forderte die Unternehmensführung daher auf, die Beschäftigten "umfassend mit detaillierten Fakten und stichhaltigen Begründungen für die geplanten Maßnahmen" zu informieren. Wo sich ein Stellenabbau auch nach sorgfältiger Prüfung als unumgänglich erweise, müssten betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen und alternative Lösungen für die Betroffenen gefunden werden, forderte Wechsler. Auch gelte es, alle Standorte zu erhalten.

Der sich beschleunigende Rückgang im traditionellen Lampengeschäft zwingt den Leuchtenhersteller Osram zu verschärften Sparmaßnahmen. Das Unternehmen kündigte am Dienstagabend ein weiteres Programm an, mit dem die Kosten bis zum Ende des Geschäftsjahrs 2017 dauerhaft um rund 260 Millionen Euro sinken sollen.

Gesenkter Ausblick bestätigt

Die hohen Einbußen im traditionellen Geschäft führten im dritten Quartal zu einem Umsatzrückgang um 6 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Bereinigt um Portfolio- und Währungseffekte belief sich der Rückgang auf ein Prozent. Analysten hatten mit einem stärkeren Rückgang auf 1,123 Milliarden Euro gerechnet. Im Geschäft mit traditionellen Leuchtmitteln, das im Segment "Classic Lamps & Ballasts" zusammengefasst ist, brach der Umsatz um nahezu ein Fünftel ein. Das margenschwache LED-Geschäft legte dagegen mit plus 60 Prozent kräftig zu.

Unter dem Strich jedoch profitierte die ehemalige Siemens-Tochter von den bislang umgesetzten Sparmaßnahmen. Das Nettoergebnis nach Dritten verbesserte sich von 11,7 Millionen auf 43,0 Millionen Euro. Analysten hatten nur mit 38 Millionen gerechnet. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITA) belief sich auf 104 Millionen Euro nach 95 Millionen im Vorjahr. Hier hatte die Prognose auf 95 Millionen gelautet.

Das laufende Sparprogramm "Push" läuft Ende des Jahres aus. Hier sind Einsparungen von insgesamt 1,2 Milliarden Euro und der Abbau von 8700 Arbeitsplätzen vorgesehen - davon 1450 in Deutschland. Zudem Ende des dritten Quartals lagen die Einsparungen bei rund 760 Millionen Euro.

Osram bestätigte seinen im Mai gesenkten Ausblick für das laufende Geschäftsjahr. Der Vorstand geht von einem bereinigten Umsatz auf Vorjahresniveau aus, maximal von einem geringen Umsatzwachstum. Bei dem um Sondereinflüsse bereinigten Gewinn vor Finanzergebnis, Ertragssteuern und Abschreibungen bzw Wertminderungen auf immaterielle Vermögenswerte (EBITA) rechnet Osram mit einer Marge von mehr als 8,0 Prozent. Der Konzerngewinn nach Steuern wird voraussichtlich stark ansteigen.

Quelle: n-tv.de

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