Wirtschaft
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Wegen illegaler Preisabsprachen verurteilt: Apple erleidet Schlappe

Das kann teuer werden: Apple hat nach Ansicht eines US-Gerichts mit Verlagen illegal Preise für E-Books abgesprochen. Nun droht dem Konzern eine hohe Strafe, doch der gibt sich nicht geschlagen.

Im Prozess um Preisabsprachen bei elektronischen Büchern in den USA ist Apple schuldig gesprochen worden. Das Bundesbezirksgericht in Manhattan sah es als erwiesen an, dass der Konzern bei der Einführung des iPads vor drei Jahren sich mit fünf Verlagen heimlich abgesprochen hatte, um höhere Preise für digitale Bücher durchsetzen zu können.

Apple sei dabei eine Schlüsselrolle zugekommen, befand die Richterin. "Ohne die Orchestrierung durch Apple wäre diese Verschwörung nicht so erfolgreich gewesen, wie sie es dann letztendlich war", hieß es in der Urteilsbegründung.

Die Gerichtsentscheidung ist ein Erfolg für das US-Justizministerium und 33 Bundesstaaten, die das Verfahren zusammen angestrengt hatten. "Diese Entscheidung ist ein Sieg für Millionen Verbraucher, die elektronische Bücher lesen", freute sich ein Vertreter des Ministeriums.

Apple war der letzte verbliebene Angeklagte, der sich vor Gericht verantworten musste. Die fünf Verlage hatten einer außergerichtlichen Einigung zugestimmt und mehr als 166 Mio. Dollar gezahlt. Betroffen waren Hachette von Lagardere, HarperCollins von News Corp, Simon & Schuster von CBS, die Holtzbrinck-Tochter MacMillan und der Penguin-Verlag von Pearson.

Bündnis gegen Amazon

Das Urteil kam nicht völlig überraschend. Im Mai hatte die Richterin angekündigt, dass mit einer Niederlage von Apple zu rechnen sei. Damit war der Druck auf das Unternehmen gestiegen, sich wie die fünf Buchverlage ebenfalls außergerichtlich zu einigen.

Nun muss sich Apple auf eine Strafe und Schadenersatz einstellen. Darüber wird in einem getrennten Verfahren zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Das Unternehmen kündigte allerdings sofort an, es werde das Urteil anfechten.

Als Apple 2010 sein iPad auf den Markt brachte, dominierte Amazon das Geschäft mit digitalen Büchern. Der weltgrößte Onlinehändler verkaufte dabei aktuelle Bestseller für seine Kindle-Lesegeräte besonders günstig für 9,99 Dollar. In den USA gibt es keine Buchpreisbindung.

Die Verlage sahen im Markteintritt von Apple die Chance, einen Gegenpol zu Amazon aufzubauen. Unter der Regie von iTunes-Chef Eddy Cue und des Firmengründers Steve Jobs einigte sich Apple mit den US-Verlagen auf ein sogenanntes Agentur-Modell, das ähnlich wie die deutsche Buchpreisbindung funktioniert. Dabei bestimmen die Verlage den Preis. Apple sicherte sich die übliche Kommission von 30 Prozent.

Verfahren auch in der EU

Eine Klausel legte zudem fest, dass kein anderer Händler die Bücher günstiger bekommen konnte als Apple. Mit diesem Druckmittel in der Hinterhand stellten die Verlage laut den Gerichtsunterlagen Amazon ein Ultimatum: Der Online-Händler sollte entweder auch zu einem Agentur-Modell wechseln oder länger auf neue Titel warten müssen. Amazon lenkte ein. Laut der Klageschrift stiegen die Preise auf 12,99 oder sogar 14,99 Dollar.

"Apple wollte nicht mit Amazon (oder einem anderem E-Book-Händler) über den Preis konkurrieren", stellte die Richterin fest. Mit den Preisabsprachen habe Apple praktisch über Nacht eine zusätzliche Einnahmequelle und eine attraktive Zusatzfunktion für sein iPad bekommen, und die Verlage hätten Amazons 9,99-Dollar-Preis brechen können.

Die EU-Kommission hatte ein ähnliches Kartellverfahren eröffnet. Hier machten jedoch nicht nur die Verlage, sondern auch Apple außergerichtlich Zugeständnisse. Mit der im Dezember geschlossenen Einigung bekamen Händler für mindestens zwei Jahre mehr Spielraum für Rabatte bei E-Books. Allerdings hat dies keinen Einfluss auf nationale Regelungen wie die deutsche Buchpreisbindung, bei der die Verlage grundsätzlich die Preise von Büchern im Handel festlegen.

Quelle: n-tv.de

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