Wirtschaft
Das Apple nicht mehr mit Start-up-Geschwindigkeit wächst, ist kein Grund zur Trauer, meinen Analysten.
Das Apple nicht mehr mit Start-up-Geschwindigkeit wächst, ist kein Grund zur Trauer, meinen Analysten.(Foto: dpa)

(Zu) Große Erwartungen: Apple erleidet iSlump

Von Samira Lazarovic

Apple fährt ein neues Rekordergebnis ein und die Aktie bricht ein. Der bereits "iSlump" getaufte Kursrutsch hat einen Grund: Die Angst der Anleger, dass selbst das Apple-Universum endlich ist. Für Analysten ist weder die Kurskorrektur, noch die Annahme, dass Wachstum Grenzen hat, eine Überraschung.

Ein Quartalsgewinn von 13 Mrd. Euro, so viele verkaufte iPhones und iPads wie nie – und die Apple-Aktie bricht im nachbörslichen New Yorker Handel um mehr als zehn Prozent ein. Auf einen Schlag verpuffen annähernd 50 Mrd. Dollar oder umgerechnet 39 Mrd. Euro an Börsenwert, das entspricht der Marktkapitalisierung der Deutschen Telekom. Ein Gewinnzuwachs von gerade einmal 14 Mio. Dollar im Jahresvergleich? Das ist die befürchtete Stagnation, urteilten viele Anleger.

Dass Finanzchef Peter Oppenheimer zuvor angekündigt hatte, Apple werde die Praxis der bisherigen "konservativen" (vulgo: tief gestapelten) Prognosen, die stets massiv übertroffen wurden, aufgeben, konnte die Enttäuschung nicht abfedern. Ebensowenig wie die Tatsache, dass Apple mittlerweile auf Barreserven in Höhe von mehr als 137 Mrd. Dollar sitzt. Oder das der Gewinnzuwachs vor allem durch höhere Kosten für Entwicklung, Produktion und Marketing begrenzt wurde.

Enttäuschte Liebe

"Kein Technologieunternehmen hat jemals ein solches Ergebnis erreicht", verteidigte Apple-Chef Tim Cook die Geschäftszahlen in der Telefonkonferenz mit Analysten. Vergebens. Die Anleger, die in ihrer Euphorie die Apple-Aktie bis auf das Rekordhoch von rund 705 Dollar im September 2012 getrieben hatten, sind schon länger mit wachsenden Misstrauen erfüllt und ließen den Titel nun fallen wie eine heiße Kartoffel. Mittlerweile ist der Titel mehr als 30 Prozent entfernt von seinem Rekordhoch.

Der Ausblick bestätigte einige Börsianer in ihrer Annahme, dass Apple den Zenith erreicht hat: Für das laufende zweite Geschäftsquartal prognostizierte der Konzern einen anhaltenden Druck auf die Profitabilität sowie einen Umsatz zwischen 41 und 43 Milliarden Dollar.

Verglichen mit den Zahlen von 2011, wo die Erträge um 73 Prozent und der Gewinn um satte 118 Prozent gestiegen war, wirken die jüngsten Zuwächse tatsächlich mager. Doch wohin sollen solche Sprünge auf Dauer führen? "Wenn Apple in den kommenden fünf Jahren mit demselben Tempo wachsen würde, wie in den vergangenen fünf Jahren würden die Umsätze 1,2 Billionen Dollar erreichen, das entspräche dem Bruttoinlandsprodukt von Australien", rechnete der Analyst A.M. Sacconaghi von Bernstein Research unlängst vor.

Hinzu kommt, dass die Aktie sehr lange, sehr gut lief: Ein Ikarus-Syndrom, meint Benjamin Feingold von "Feingold Research". Der Apple-Chart wecke Assoziationen an die Sagengestalt aus der griechischen Mythologie, die zu nahe an die Sonne flog. "Selbst fundamental gut aufgestellte Unternehmen sind nach einer endlosen Aufwärtsbewegung der Kurse irgendwann überbewertet und damit absturzgefährdet." Sollte das bisherige Zwischentief bei 483 Dollar nicht mehr unterschritten werden, bestehe aber Hoffnung auf eine Bärenmarktrally, mit Potenzial bis zu 536 Dollar.

Konkurrenz schläft nicht

Abgesehen vom schlechten Sentiment bremsen aber auch konkrete Probleme die Apple-Aktie aus: Die Konkurrenz hat kräftig aufgeholt, allen voran Samsung mit seinen Galaxy-Smartphones. Auch Microsoft, mit seinem Tablet-Computer Surface und dem Betriebssystem Windows 8 für Tablets und Smartphones, oder Amazon mit seiner Fire-Serie konnten zuletzt deutlich Boden gutmachen.

Insgesamt drohen die Verkäufe von iPhone und iPad nicht nur wegen der wachsenden Konkurrenz sondern auch wegen der zunehmenden Sättigung der Märkte empfindlich zurückzugehen. Und neue Wachstumsmärkte sind bislang schwer zu erobern: In China etwa hat es Apple mit seinen hochpreisigen Smartphones schwer – hier werden eher die günstigen Varianten nachgefragt. Und so liegt der US-Konzern im Reich der Mitte hinter Samsung, Lenovo und der heimischen China Wireless Technologies. Auch in Indien und Brasilien ist die iPhone-Mania nicht ausgebrochen.

Wird dieser Trend auf andere Märkte übergreifen und Apple vom hippen Giganten zum gewöhnlichen Elektronikkonzern schrumpfen? Das ist schon anderen passiert, von Nokia bis zu Sony, Sharp und Panasonic. Und es wäre nicht das erste Mal für Apple. Doch der Konzern ist berühmt dafür, sich immer wieder neu zu erfinden und gibt sich Mühe, dieses Image aufrechtzuerhalten: "Die Produkt-Pipeline ist gerammelt voll", versichert Tim Cook.

Quelle: n-tv.de

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