Wirtschaft
Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner bestreitet die Zahlungsunfähigkeit ihres Landes.
Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner bestreitet die Zahlungsunfähigkeit ihres Landes.(Foto: dpa)

Schuldentilgung trotz Pleite: Argentinien bezahlt 642 Millionen Dollar

Es ist nicht so, dass Argentinien kein Geld hätte. Es ist auch nicht so, dass Argentinien seine Schulden nicht bezahlen will - zumindest teilweise. Hunderte Millionen fließen jetzt etwa auch nach Deutschland - die Bundesrepublik ist größter Einzelgläubiger.

Argentinien hält trotz der erneuten Staatspleite am Fahrplan zur Rückzahlung seiner Schulden an Deutschland und andere Industrieländer fest. Die erste Tranche der Zahlungen sei pünktlich eingegangen, teilte der sogenannte Pariser Club mit, in dem sich die Gläubigerstaaten zusammengeschlossen haben. Die Regierung in Buenos Aires hatte im Mai zugesagt, ihre Schulden bei dem Staatenverbund, in dem Deutschland größter Einzelgläubiger ist, in Höhe von etwa 9,7 Milliarden Dollar binnen fünf Jahren zu begleichen.

Vor einer Woche hatte sie erklärt, eine erste Rate über 642 Millionen Dollar überwiesen zu haben. Wenige Tage später rutschte Lateinamerikas drittgrößte Volkswirtschaft im Schuldenstreit mit Hedgefonds aber wieder in die Pleite.

Vom Kapitalmarkt abgekoppelt

Die Finanzinvestoren haben sich dem Schuldenschnitt des Staatbankrotts von 2002 verweigert und klagen auf volle Auszahlung ihrer Forderungen. Mit der Mehrzahl der Gläubiger hat sich Argentinien dagegen arrangiert. Die neuerliche Staatspleite dürfte die globale Finanzwelt anders als 2002 diesmal aber nicht erschüttern, zumal Argentinien nach zwei Schuldenschnitten praktisch vom internationalen Kapitalmarkt abgekoppelt ist.

Die nächste Zahlung über 500 Millionen Dollar an den Pariser Club steht im Mai 2015 an. Anders als beim Streit um die Schulden bei Privatgläubigern beruhen die Rückstände gegenüber dem Pariser Club nicht auf Staatsanleihen, sondern stammen zum allergrößten Teil aus Handelsbürgschaften.

Milliarden-Schulden bei Deutschland

Bei Deutschland steht Argentinien mit rund 2,6 Milliarden Euro in der Kreide. Obwohl die Hedgefonds nur eine kleine Gruppe der Gläubiger stellen, hat die gescheiterte Schlichtung weitreichende Folgen: Durch die richterliche Anordnung dürfen vorerst alle übrigen privaten Gläubiger nicht ausbezahlt werden, die bei Schuldenschnitten auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichtet hatten. Wegen dieser "Automatik" wird das rezessionsgeplagte Land nun als pleite eingestuft, obwohl es sich selbst für zahlungsfähig hält.

Quelle: n-tv.de

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