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Der letzte Strohhalm?: JP Morgan könnte Altgläubiger auszahlen

Eine kleine Gruppe von Hedgefonds bringt die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas an den Rand des Zusammenbruchs. Aber noch gibt es Hoffnung für Argentinien - sie kommt ausgerechnet von der Wall Street. Den Anlegern ist das aber egal.

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Nach der technischen Staatspleite Argentiniens zeichnet sich eine mögliche Lösung des Streits zwischen dem südamerikanischen Land und den Altgläubigern ab. Ein Informant berichtet, die US-Bank JP Morgan Chase könne dazu die ausgefallenen argentinischen Schulden aufkaufen. Darüber liefen derzeit Verhandlungen. Der Kauf der Altschulden sei aber nur eine von vielen Möglichkeiten, betonte der Informant. Die Gespräche zwischen der Bank und den Argentinien-Gläubigern seien noch im Fluss.

Die argentinische Presse hatte bereits berichtet, dass Privatbanken dem Land dabei helfen könnten, die kleine Gruppe von Hedgefonds auszuzahlen. Diese Fonds hatten sich nicht an einem früheren Schuldenschnitt beteiligt und stattdessen die Auszahlung der vollen Summe gefordert. Nachdem sie vor einem Gericht in den USA Recht bekamen und am Mittwoch eine Einigung mit Argentinien nicht gelang, rutschte das Land nun in die teilweise Staatspleite.

Es reicht! Ein Plakatmotiv, das den Unmut der Argentinier über das Vorgehen der US-Hedgefonds zeigt.
Es reicht! Ein Plakatmotiv, das den Unmut der Argentinier über das Vorgehen der US-Hedgefonds zeigt.

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hatte in der Nacht einen "teilweisen Zahlungsausfall" Argentiniens erklärt und die Kreditwürdigkeit des Landes entsprechend abgestuft.

Argentinien hat schon mehrere  Staatspleiten hinter sich, die erste war 1828, die bislang größte 2001. Die Staatsschuld mit privaten Gläubigern entspricht heute nur 12,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. 2002 waren 124,1 Prozent.

Skepsis bleibt

Der Wirtschaftsminister Argentiniens, Axel Kicillof, hatte auf einer Pressekonferenz bereits angedeutet, dass es eine Lösung in dem Streit unter Zuhilfenahme des Privatsektors geben könnte.

Eine Handvoll US-Banken hatte bereits früher im Jahr den Verkauf der Anleihen vorgeschlagen, um eine Einigung zwischen Argentinien und den Altgläubigern herbeizuführen. Das Land - mit einer Wirtschaftsleistung von knapp 500 Milliarden Dollar die Nummer Zwei in Südamerika - hatte diese Vorschläge jedoch abgelehnt. Es ist nicht klar, wie ernsthaft diese Vorschläge überhaupt geprüft wurden.

Aktien fallen

Sollte das Land wirklich in die Pleite rutschen, "könnte das erhebliche Kosten mir sich bringen", warnte IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard. Argentinien würde auf Jahre praktisch den Zugang zu den Kapitalmärkten verlieren. Aber auch für die Welt werde eines deutlich: Ohne ein Insolvenzverfahren für Staaten, ein System, wie man mit klammen Ländern umgeht, drohten Fälle wie Argentinien immer weiter weltweit Unsicherheit zu schaffen.

Die Situation Argentiniens blieb auch am Aktienmarkt nicht ohne Folgen. Die Kurse argentinischer Unternehmen, die an US-amerikanischen Börsen gelistet sind, brachen ein. Am deutlichsten fielen die Verluste im Finanzsektor aus: So stürzten die Titel der BBVA Banco Frances um 10,5 Prozent ab, Anteilsscheine von Grupo Financiero Galicia und Banco Macro gaben um mehr als 8 und rund 7 Prozent nach. Unter den Energiewerten traf es die Aktien des Stromerzeugers Pampa Energia sowie die des Ölkonzerns YPF mit Abschlägen von mehr als 8 und rund 3,5 Prozent besonders hart.

Die in Dollar denominierten Anleihen mit Fälligkeit 2033, auf die Zinszahlungen fällig waren, fielen auf 90 Cent je Dollar Nennwert. Am Mittwoch hatten sie im späten Handel bei 95 Cent geschlossen, nachdem die Kurse an den beiden Vortagen kräftig gestiegen waren. Die Anleiherenditen steigen von 8,8 auf 9,7 Prozent.

Dass es nicht zu noch stärkeren Verlusten kommt, erklärten Analysten damit, dass Anleger noch immer an eine schnelle Lösung des Streits glauben. "Die Erwartung eines Bankendeals stützt die Anleihekurse", sagte Siobhan Morden, Chefstregin für Lateinamerika bei Jefferies. "Aber es ist schwierig, auf diese Schlagzeilen zu handeln." In dem dünnen Handel käme es zu starken Kursausschlägen. "Die meisten Anleger haben ihre Positionen aufgebaut und warten jetzt, wie die Sache ausgeht", sagte sie.

Quelle: n-tv.de

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